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Arthaus Retrospektive 3 Kritik & Meinung

Tra­di­tio­nell ste­hen die DVDs von „Art­haus“ in der Gunst der Film­freunde ganz oben. Gelun­gene Auf­ma­chung und Qua­li­tät prä­sen­tie­ren his­to­risch bedeu­tende Filme, die oft mit vie­len Extras ergänzt sind. Mit der Reihe „Art­haus Retro­spek­tive“ öff­nete Stu­dio­Ca­nal ein wei­te­res Kapi­tel mit noch nie oder schon lange nicht mehr ver­öf­fent­lich­ten Filmklassiker-Raritäten.

Am Beginn der Reise durch die Film­ge­schichte stan­den fünf her­aus­ra­gende Schwarz-Weiß-Filme von Regie­le­gen­den und mit gro­ßen Film­stars aus der Zeit von 1941 bis 1964, „Gol­de­nes Gift“, „Liebe 1962“, „Macao“, „Mr. and Mrs. Smith“ und „Der nackte Kuss“. In der zwei­ten Serie folg­ten der ita­lie­ni­sche Epi­so­den­film „Liebe in der Stadt, „Plä­sier“ von Max Ophüls, „The Fal­len Idol – Klei­nes Herz in Not“ von Carol Reed („Der dritte Mann“), Fritz Langs „Im Geheim­dienst“ und der Italo-Western „Der Tod ritt diens­tags“ von Tonino Vale­rii. Für die dritte Serie haben die Spe­zia­lis­ten von „Art­haus“ und „Stu­dio­Ca­nal“ wei­tere Mei­len­steine der Film­ge­schichte aus­ge­wählt. „Arthaus“-typisch und von Cine­as­ten geschätzt ist die gewohnt gute Bild– und Ton­qua­li­tät bei den Pro­duk­tio­nen aus der Zeit von 1943 bis 1968. Drei DVD-Premieren sind dabei, „Le Cor­beau“ von Henri-Georges Clouzot, „Der Pakt mit dem Teu­fel“ von René Clair und „Die Stunde der Wahr­heit“ von Orson Wel­les. „Tage­buch einer Kam­mer­zofe“ von Jean Renoir erscheint erst­mals in Deutsch­land auf DVD und „Das Wort“ von Carl Theo­dor Dreyer erst­mals als Einzel-DVD.

Für sei­nen dra­ma­ti­schen Kri­mi­nal­film „Der Rabe“ (1943) griff Meis­ter­re­gis­seur Henri-Georges Clouzot auf einen wah­ren Fall von 1920 zurück. In einer fran­zö­si­schen Klein­stadt tau­chen mit „Le cor­beau“ unter­zeich­nete Briefe auf. Beson­ders der Arzt Dr. Ger­main (Pierre Fres­nay) wird Opfer der anony­men Ver­leum­dun­gen. Als einer sei­ner Pati­en­ten Selbst­mord begeht, neh­men die Ver­däch­ti­gun­gen ihren Lauf. Diese Geschichte mit einem über­ra­schen­den Ende ist ein raf­fi­nier­tes psy­cho­lo­gi­sches Ver­wirr­spiel, bei dem immer neue Ver­dachts­mo­mente und Ver­däch­tige erschei­nen. Clouzot hat die Atmo­sphäre unheim­li­cher Bedro­hung effekt­voll insze­niert. Nicht die Unter­schei­dung von Gut und Böse zählt hier, son­dern das all­ge­meine Miss­trauen der Men­schen untereinander.

Octave Mir­be­aus Sit­ten­ro­man „Tage­buch einer Kam­mer­zofe“ diente zwei gro­ßen Fil­me­ma­chern als Vor­bild. 1964 schuf Luis Buñuel eine sozi­al­kri­ti­sche Fas­sung. Bereits 1946 hat Jean Renoir den Stoff genial ver­filmt. Diese Fas­sung erscheint in der „Art­haus Retro­spek­tive“ erst­mals in Deutsch­land auf DVD. Der an Schwind­sucht erkrankte Geor­ges Lan­laire (Hurd Hat­field) kehrt in sein Eltern­haus zurück und ver­liebt sich in die Kam­mer­zofe Célés­tine (Pau­lette God­dard). Auch der Die­ner Joseph (Fran­cis Lede­rer) inter­es­siert sich für sie und zwingt sie, mit ihm weg­zu­fah­ren. Geor­ges wie­gelt die Bevöl­ke­rung gegen Joseph auf, der schließ­lich gelyncht wird. Renoir drehte die­ses Drama über das dege­ne­rierte Groß­bür­ger­tum bewusst in Hol­ly­wood, um jede Ver­bin­dung zu Frank­reich zu vermeiden.

Den bekann­ten Faust-Stoff griff René Clair 1950 in sei­nem Film „Der Pakt mit dem Teu­fel“ auf. Faust ver­spricht Mephisto seine Seele und erhält im Gegen­zug Weis­heit und Jugend. Als Faust sei­nem Teil des Pakts nicht nach­kommt, ver­sucht Mephisto ihn hin­ters Licht zu füh­ren. René Clairs mit viel Witz insze­nierte und hoch­ka­rä­tig besetzte „Faust“-Version mit Gér­ard Phil­ippe und Michel Simon zählt zu den bes­ten Ver­fil­mun­gen des Lite­ra­tur­klas­si­kers. Unter der Co-Regie von Bre­tai­gne Win­dust, Raoul Walsh spielt Hum­phrey Bogart in dem span­nen­den Thril­ler „Der Tiger“ (1951) den ehr­gei­zi­gen Staats­an­walt Fer­guson. Er steht kurz vor der Ver­hand­lung des inhaf­tier­ten Mafia-Bosses Albert Men­doza, als der ent­schei­dende Zeuge, des­sen ehe­mals wich­tigs­ter Mit­ar­bei­ter Joseph Rico, bei einem Flucht­ver­such ums Leben kommt. Fer­guson muss nun bis zum nächs­ten Tag ein­deu­tige Beweise für die Schuld des Schwer­ver­bre­chers fin­den, sonst wird die­ser freigelassen.

Der däni­sche Regis­seur Carl Theo­dor Dreyer mit „Das Wort“ (1955) ein skan­di­na­vi­sches reli­giö­ses Drama geschaf­fen, das an Ing­mar Berg­man erin­nert. Obwohl wohl­ha­bend und ange­se­hen ist Bauer Mor­ten Bor­gen (Hen­rik Mal­berg) unglück­lich und fühlt sich von Gott ver­las­sen. Als seine Schwie­ger­toch­ter Inger (Bri­gitte Feder­spiel) bei der Geburt ihres Kin­des stirbt, will Mor­tens tiefre­li­giö­ser Sohn Johan­nes (Pre­ben Ler­dorff Rye), der sich nach einem Theo­lo­gie­stu­dium für Chris­tus hält, sie zurück ins Leben rufen. Zunächst schei­tert er, doch dann geschieht ein Wun­der. Ver­schie­dene For­men des Glau­bens ste­hen sich hier gegen­über. Dreyer zeigt in einer rea­lis­ti­schen Ver­fil­mung ohne Stu­dio­at­mo­sphäre, wie selbst ein nai­ver Glau­ben Wun­der bewir­ken kann. Trotz sei­ner schmuck­lo­sen Bil­der­spra­che mit lan­gen Ein­stel­lun­gen lebt der Film von einer gro­ßen inne­ren Span­nung. Als Bonus gibt es Sze­nen aus der inter­es­san­ten Doku­men­ta­tion „Carl Theo­dor Dreyer: Mein Metier“.

Nach einer Erzäh­lung von Tania Bli­xen schuf der groß­ar­tige Schau­spie­ler und Regis­seur Orson Wel­les 1968 sein Spät­werk „Stunde der Wahr­heit“. Er selbst und die groß­ar­tige Jeanne Moreau („Fahr­stuhl zum Scha­fott“) spie­len die Haupt­rol­len. Die Hand­lung spielt im 19. Jahr­hun­dert in der por­tu­gie­si­schen Kolo­nie Macao am Chi­ne­si­schen Meer. Der Kauf­mann Clay steht kurz vor sei­nem Tod. Nach­dem ihm sein Ange­stell­ter die Geschichte eines rei­chen Man­nes erzählt hat, der einem See­mann Gold gebo­ten haben soll, damit die­ser seine junge Frau schwän­gert, ist Clay beses­sen von der Idee. Er will die Legende wahr wer­den las­sen, um einen Erben für sein ange­häuf­tes Ver­mö­gen zu bekommen.

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