Ben Hur — Ultimate Collector’s Edition Kritik & Meinung
Das spektakuläre Filmepos „Ben Hur“ erreichte mit dem Gewinn von elf Oscars einen neuen Rekord und diente vielen späteren Monumentalfilmen als Vorbild. Warner Home Video hat keine Mühen gescheut, diesen Film in einer aufwändig restaurierten HD-Fassung erstmals auf Blu-ray Disc herauszubringen. Mit vielen filmischen und gedruckten Extras ist ein wahres neues Meisterwerk entstanden, das es in diesem Umfang unter vielen neu restaurierten Fassungen von Filmklassikern noch nicht gab, und das somit einen neuen Standard für ähnlich wichtige Streifen der Filmgeschichte definiert.
Dem aus dem Elsass stammenden Regisseur William Wyler war für diesen Film nur das Beste gut genug. Das war auch die Devise für diese mustergültige digitale HD-Fassung für die Heimkinos. Über eine Million Dollar kostete die aufwändige Restaurierung, bei der in mehreren Jahren jedes einzelne Bild des Films gescannt wurde. Diese akribische Arbeit dauerte länger als geplant, denn eigentlich sollte diese Sonderedition bereits 2009 zum 50. Jubiläum erscheinen. Die Verzögerung und der Aufwand haben sich gelohnt, wenn man das Ergebnis betrachtet und mit anderen Restaurierungen vergleicht. Das Bild ist von einer unübertroffenen Klarheit und Schärfe, lässt keine Pixel erkennen, die Farben sind satt und natürlich, die Tondynamik perfekt zwischen Musik und gesprochenem Wort abgestimmt. Das ist wichtig, denn neben den Action– und Massenszenen gibt es in „Ben Hur“ viele Dialoge zur Vertiefung und Differenzierung der Charaktere.
Die Geschichte spielt in der Zeit zwischen Jesu Geburt und Tod in Palästina und Rom und verbindet fiktives Abenteuer mit biblischen Stoffen der Heilsgeschichte. Der Messias kommt nur am Rande vor und ist nie von vorne zu sehen. Im Zentrum steht der Konflikt der Juden mit der römischen Besatzungsmacht. Der jüdische Patriziersohn Judah Ben Hur (Charlton Heston), muss sich gegen Intrigen seines ehemaligen römischen Freundes Messala (Stephen Boyd) behaupten. Seine Mutter und Schwester kommen ins Gefängnis, er wird als Galeerensklave ins Exil geschickt, was normalerweise den sicheren Tod bedeutet. Doch bei einem Piratenüberfall rettet Judah dem Befehlshaber Quintus Arrius (Jack Hawkins) das Leben und wird von ihm adoptiert. In Rom wird er ein geschätzter Athlet und Wagenlenker. In einer der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte besiegt Judah in einem Wagenrennen Messala. Mit dem gewonnen Reichtum will er für den Messias Legionen zum Befreiungskampf seines Volkes anwerben. Judahs Schwester und Mutter sind nach einer Amnestie aus dem Gefängnis entlassen und an Lepra erkrankt. Jesus heilt sie auf dem Weg zu seiner Hinrichtungsstätte durch ein Wunder und die Familie ist wieder vereint. Neben Action und Dramatik kommen Emotionen nicht zu kurz, so die Romanze zwischen Judah Ben Hur und der Christin Esther (Haya Harareet), der Tochter seines Dieners Simonides (Sam Jaffe).
Mit 100.000 Kostümen, 15.000 Statisten, 300 Sets und einem Budget von 15 Millionen Dollar war die dritte Verfilmung von „Ben Hur“ 1959 das teuerste Projekt in der Geschichte von MGM. Als Vorlage diente Lew Wallaces Roman von 1880, der seinerzeit das meistgelesene Buch nach der Bibel war. Charlton Heston spielt den Titelhelden in einer idealen Kombination von Körperlichkeit und Charisma, was ihm einen der elf Oscars einbrachte. So viele der begehrten Trophäen sammelten später nur noch „Titanic“ und „Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“. Durch das Breitwandformat auf 65-mm-Film entstehen wirkungsvolle Panoramen und mitreißende Actionsequenzen. Verglichen mit den heute am Computer erstellten Effekten verblüfft das in drei Monaten konventionell gefilmte legendäre Wagenrennen in „Ben Hur“ besonders. Es war das größte Set, das jemals gebaut wurde, die Geraden der Rennbahn waren 460 Meter lang.
Die Extras dieser limitierten Sammleredition sind ebenso opulent wie der Film. Ein Hochglanz-Begleitheft bringt Inhaltsangaben, seltene Fotos und Reproduktionen aus dem Presseheft. Ein zweites Heft enthält das Faksimile von Charlton Hestons privatem Tagebuch von Januar 1958 bis April 1960, also die Zeit vor Drehbeginn bis zu seiner Oscar-Prämierung. In der Videogeschichte hat es noch nie eine Edition gegeben, die das persönliche Tagebuch eines Schauspielers enthielt. Mit vielen Korrekturen versehen hat er es meist mit der Schreibmaschine getippt. Ergänzt wird das Tagebuch durch Privatfotos von der Heston-Familie und seinen eigenen Skizzen. Ein Höhepunkt unter den Extras ist der komplette Stummfilm „Ben Hur“ (143 Min) von 1925 unter der Regie von Fred Niblo mit Ramon Novarro in der Titelrolle und neuem Orchester-Score von Carl Davis in Stereo. Der üppige Ausstattungsfilm wurde zum Teil im Technicolor-Verfahren gedreht und kostete die ungeheure Summe von fünf Millionen Dollar. Höhepunkte sind die Seeschlacht und das Wagenrennen, bei dem 10.000 bewegliche fernbedienbare Puppen eingesetzt waren.
Zur Neuverfilmung von 1959 gibt es einen Audiokommentar von Filmhistoriker T. Gene Hatcher mit szenenbezogenen Kommentaren von Charlton Heston und eine Tonspur nur mit Musik. Die HD-Dokumentation „Charlton Heston und Ben Hur – Eine persönliche Reise“ (78 Min.) begleitet den Hauptdarsteller während der Dreharbeiten. Enthalten sind Filmaufnahmen hinter den Kulissen und Familienfilme, die seine Frau Lydia vor Ort in Rom gedreht hat. Der Film zeigt Heston von einer weniger bekannten Seite als liebevollen Vater und Ehemann zwischen Privatleben und Arbeit. In der Dokumentation „Ben Hur – Das Epos, das Filmgeschichte schrieb“ (2005) berichten heutige Filmemacher wie Ridley Scott, wie stark Wylers Film moderne Filmepen beeinflusst hat. „Ben Hur – Ein Epos entsteht (1994) ist ein Making-of von Christopher Plummer. Eine audiovisuelle unterhaltsame Bilderreise zeigt Standfotos, Storyboards, Skizzen, Musik und Dialoge. Außerdem gibt es Probeaufnahmen, Wochenschauberichte, Höhepunkte von der Oscar-Verleihung und eine Kinotrailer-Galerie.
Mit dieser Edition hat Warner Home Video Maßstäbe für die Restaurierung und Präsentation von Filmklassikern gesetzt, an denen sich ähnliche Projekte in Zukunft orientieren können. Der ungewöhnliche technische und finanzielle Aufwand lohnt sich nur bei ganz besonderen Filmen. Davon gibt es noch einige, die auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren haben. Man darf auf die Reaktionen der anderen Studios gespannt sein.
von Johannes Kösegi
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