Filme.Kino.DVD
Kinofilmer bei Twitter Kinofilmer bei Twitter

Berühmte Ärzte der Charité Kritik & Meinung

Die im Ost­teil Ber­lins behei­ma­tete Cha­rité (deutsch „Nächs­ten­liebe“) zählt zu den größ­ten Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken Euro­pas. Hier stu­die­ren, for­schen und hei­len tau­sende Medi­zi­ner. Das große Kli­ni­kum, das seit 2003 für die gesamte Ber­li­ner Uni­ver­si­täts­me­di­zin ver­ant­wort­lich ist, hat die meis­ten deut­schen Medi­zin­no­bel­preis­trä­ger her­vor­ge­bracht, dar­un­ter Emil von Beh­ring, Robert Koch und Paul Ehr­lich. Der Cam­pus ver­teilt sich auf vier Stand­orte mit über 100 Kli­ni­ken und Instituten.

Mit 13.000 Mit­ar­bei­tern setzt die Cha­rité mehr als eine Mil­li­arde Euro pro Jahr um und ist einer der größ­ten Arbeit­ge­ber Ber­lins. Kurz nach dem 300-jährigen Grün­dungs­ju­bi­läum bringt Stu­dio Ham­burg die auf­wän­dig insze­nierte Fern­seh­se­rie „Berühmte Ärzte der Cha­rité“ in der Reihe „Große Geschich­ten“ erst­mals auf DVD her­aus. Die sechst­tei­lige Serie ent­stand 1981–1983 im Fern­se­hen der DDR und stellt berühmte Medi­zi­ner aus drei Jahr­hun­der­ten vor, die in der Cha­rité wirk­ten. Große Cha­rak­ter­dar­stel­ler der DEFA – dar­un­ter noch heute bekannte wie Kath­rin Saß und Wal­ter Pla­the – und präch­tige Aus­stat­tun­gen zeich­nen die Filme aus. Dabei steht neben der For­scher­tä­tig­keit der Ärzte auch das soziale und poli­ti­sche Umfeld im Zen­trum, begin­nend von der Zeit Napo­le­ons bis in die Nach­kriegs­zeit nach 1945. Die Ärz­te­por­träts wol­len keine gan­zen Bio­gra­fien, son­dern mar­kante Lebens­ab­schnitte vor­stel­len, die prä­gend für die Ent­wick­lung der Medi­zin oder für die Gesell­schaft waren.

Der Mann aus Jena“ stellt Chris­toph Wil­helm Hufe­land (1762–1836), den Leib­arzt König Fried­rich Wil­helms III. von Preu­ßen, vor. Er wird ers­ter Arzt und Direk­tor der Cha­rité und för­dert ein Gesund­heits­we­sen beson­ders für Arme und sozial Schwa­che. So for­dert er Hygie­ne­maß­nah­men, führt die Schutz­imp­fung ein, errich­tet die erste Poli­kli­nik und grün­det gemein­sam mit Alex­an­der von Hum­boldt eine Uni­ver­si­tät mit medi­zi­ni­scher Aus­bil­dung. Hufe­land ist mit Goe­the befreun­det, steht im Geist der Auf­klä­rung und macht die Cha­rité zu einer ganz­heit­li­chen Insti­tu­tion mit der Ein­heit aus Leh­ren, Ler­nen und Hei­len. Sein sozia­les Enga­ge­ment führt öfters zu Kon­flik­ten mit dem pri­vi­le­gier­ten Adel. Aus dem lan­gen Leben Rudolf Vir­chows (1821–1902) zeigt die Folge „Der kleine Doc­tor“ ein mar­kan­tes Jahr wäh­rend der revo­lu­tio­nä­ren Zeit 1948/49, als er bereits eine aner­kannte wis­sen­schaft­li­che Kapa­zi­tät war. Er setzt sich für eine medi­zi­ni­sche Grund­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung ein und betei­ligt sich aktiv an der März­re­vo­lu­tion, obwohl er dadurch seine Kar­riere und sein pri­va­tes Fami­li­en­glück aufs Spiel setzt. Zu Beginn einer Vor­le­sung erwähnt er seine moderne poli­ti­sche Ein­stel­lung: „Medi­zin ist eine soziale Wis­sen­schaft, Poli­tik ist Medi­zin im Gro­ßen“. Er sieht die poli­ti­sche Auf­gabe der Medi­zin, weil er erkannt hat, dass die sozia­len Ver­hält­nisse die Ursa­che vie­ler Krank­hei­ten sind. Der damals 28-jährige Vir­chow ist sehr mutig, denn trotz sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Repu­ta­tion hat er noch keine gesi­cherte Exis­tenz. „Kri­sis“ stellt den berühm­ten For­scher und Arzt Robert Koch (1843–1910) vor. Er wird durch sei­nen Kampf gegen die gro­ßen Volks­seu­chen berühmt. Neben sei­ner Lehr­tä­tig­keit wid­met sich der Geheim­rat beson­ders der Tuber­ku­lo­se­for­schung und ent­wi­ckelt einen wirk­sa­men Impf­stoff gegen das Bak­te­rium der heim­tü­cki­schen Krank­heit. „Das schein­bar Unmög­li­che“ zeigt den Frau­en­arzt Wal­ter Stö­ckel (1871–1961), der 1945 bei Kriegs­ende in der zu Not­la­za­ret­ten umfunk­tio­nie­ren Cha­rité mit Kol­le­gen und Schwes­tern um das Leben von Kran­ken und Ver­wun­de­ten kämpft. Der große Huma­nist harrt er aus und hilft ande­ren unter Gefahr sei­nes eige­nen Lebens, wäh­rend andere vor ihrer Ver­ant­wor­tung flie­hen und nur an ihr eige­nes Wohl denken.

Arzt in Uni­form“ por­trä­tiert zwei berühmte Ärzte der Cha­rité, den Inter­nis­ten Theo­dor Brugsch (1878–1963) und den Herz-Kreislauf-Spezialisten Georg Fried­rich Nico­lai (1874–1964). Gemein­sam arbei­ten sie 1914 an der Ent­wick­lung des EKG, zer­strei­ten sich jedoch, als Nico­lai eine Bezie­hung mit der deut­lich jün­ge­ren Nichte Brugschs ein­geht. Außer­dem sind ihre poli­ti­schen Ansich­ten unter­schied­lich. Der aus groß­bür­ger­li­chen Ver­hält­nis­sen stam­mende Brugsch ist natio­nal gesinnt, Nico­lai eher links­li­be­ral. Der aus­bre­chende Erste Welt­krieg lässt ihren Kon­flikt vor­über­ge­hend ver­ges­sen. Brugsch ret­tet 1917 an der rumä­ni­schen Front im Laza­rett mit star­kem per­sön­li­chem Ein­satz viele Men­schen­le­ben. Von die­sen Erleb­nis­sen beein­druckt wird er zum Kriegs­geg­ner. Diese Hal­tung lässt ihn 1945 nach dem Zwei­ten Welt­krieg die Cha­rité aus den Trüm­mern wie­der auf­zu­bauen. Fer­di­nand Sau­er­bruch (1875–1951) war einer der berühm­tes­ten Chir­ur­gen. In der Epi­sode „Die dunk­len Jahre“ wer­den er und der jün­gere Neu­ro­loge Dr. Frank­mann stell­ver­tre­tend für viele anonym geblie­be­nen Ärzte vor­ge­stellt, die in der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus schwere per­sön­li­che Ent­schei­dun­gen tref­fen muss­ten, wie sie sich ver­hal­ten soll­ten ange­sichts von Erfah­run­gen, die dem Hip­po­kra­ti­schen Eid zutiefst wider­spre­chen. Nur seine große Repu­ta­tion ermög­licht es Sau­er­bruch, Wider­stands­kämp­fer wie Hans von Dohn­anyi eine Zeit­lang zu schüt­zen. Viele Ärzte stel­len sich dage­gen als ange­passte Mit­tä­ter in den Dienst des ver­bre­che­ri­schen Regimes durch „Eutha­na­sie an lebens­un­wer­tem Leben“ oder Men­schen­ver­su­chen. Die ande­ren müs­sen zur Strafe an die Front oder erlei­den andere Nachteile.

Neben einem infor­ma­ti­ven Book­let ent­hält das vor­bild­li­che DVD-Set zwei Film­bei­träge als Bonus. Der von der DEFA 1980 für das Fern­se­hen der DDR pro­du­zierte Film „Chir­ur­gus Johann Paul Schroth“ ist der Pilot­film zum sechs­tei­li­gen TV-Zyklus über die berühm­ten Ärzte der Cha­rité. Die Geschichte von den Anfän­gen der Cha­rité zur Zeit der Pest­epi­de­mie stellt eine fik­tive Figur vor, die es vom Bar­bier­ge­sel­len zum lei­den­schaft­li­chen Arzt schafft. Außer­dem ist aus der RBB-Reihe „Geheim­nis­volle Orte“ die Folge „Die Cha­rité – Geschich­ten auf Leben und Tod“ von 2006 zu sehen, die die wech­sel­volle Geschichte des tra­di­ti­ons­rei­chen Kli­ni­kums seit der Grün­dung 1710 als Pest­haus vor den Toren Ber­lins zeigt. Sie berich­tet von medi­zi­ni­schen Erfol­gen, Ärzte– und Pati­en­ten­schick­sa­len, Ruhm und Größe, aber auch von Elend und Schuld. Man­che der alten Gebäude wer­den noch genutzt, andere sind leere Hül­len mit unge­wis­ser Zukunft oder Rui­nen. Die Spu­ren­su­che führt in Rudolf Vir­chows Prä­pa­ra­te­samm­lung und in das Arbeits­zim­mer, in dem Robert Koch den Tuberkel-Bazillus ent­deckte. In der ehe­ma­li­gen chir­ur­gi­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik voll­brachte Ernst von Berg­mann im 19. Jahr­hun­dert Pionierleistungen.

von

Eure Meinungen & Kommentare

    Wie findest Du den Film "Berühmte Ärzte der Charité"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!

    ?
    DU