Black Swan Kritik & Meinung
In seinem Sportlerdrama „The Wrestler“ verfilmte Darran Aronofsky 2008 den tragischen Kampf eines ehemaligen Hochleistungssportlers mit seiner schwindenden körperlichen Kraft und dem ständigen Druck der Außenwelt, immer noch präsent zu sein, um in der Glitzer-Schein-Welt der Sportler nicht in Vergessenheit zu geraten. Die Symbiose zwischen dem körperlichen Sein und dem sportlichen Wollen nahm in „The Wrestler“ ein tragisches Ende.
Nun widmet sich Aronofsky erneut der Welt des Sports, diesmal mit einer brillanten Natalie Portman im Gepäck, die in „Black Swan“ vermutlich die anstrengenste Rolle ihres Leben gespielt hat.
Story / Inhalt
Nina Sayers (Natalie Portman) ist ein ehrgeizige junge Ballettänzerin, die auf die Chance ihres Lebens wartet. Diese bietet sich denn auch, als der undurchsichtige, künstlerische Leiter Thomas Leroy (Vincent Cassel) die Ballettsaison mit einer neuen Fassung von Tschaikowskys „Schwanensee“ eröffnen möchte, und ihr die Rolle des weißen, wie auch des schwarzen Schwans anvertraut. Durch dieses Stück kann eine Primaballerina zu einem Star werden, wenn sie es schafft, die Unschuld des weißen Schwans ebenso zu verkörpern , wie die Verruchtheit und Sinnlichkeit des schwarzen Schwans, was eine enorme körperliche wie seelische Anstrengung mit sich bringt. Die Rolle des weißen Schwans verkörpert und beherrscht Nina perfekt, sie ist die Unschuld in Person, lebt mit Anfang zwanzig immer noch bei ihrer übereifrigen Mutter und hat sonst nichts in ihrem Leben als das Ballett. Doch genau hier liegt auch ihr Schwachpunkt: um den lustvollen und begehrenswerten schwarzen Schwan zu spielen, fehlt ihr die Lebenserfahrung. Da Leroy über dieses Defizit bescheid weiß, liebäugelt er gleichzeitig mit der neuen Tänzerin Lily (Mila Kunis), die das genaue Gegenteil von Nina ist. Ständigem Konkurrenzdruck ausgesetzt, zweifelt Nina immer mehr an sich selbst, bis sie schließlich innerlich zerreisst.
Meinung zum Film
„Black Swan“ ist ein Meisterstück eines Psychodramas. Aronofsky beginnt seine Geschichte mit einem Einblick in das alltägliche Leben eines von Ehrgeiz zerfressenen, jedoch tot unglücklichen Menschen. Dabei ist dem Zuschauer von Anfang an klar, dass dieses Leben kein Gesundes sein kann. Wenn eine 20jährige in einem kleinen rosa Zimmer aufwacht, in dem es von Plüschtieren nur so wimmelt, ständig von einer übereifrigen Mutter betütelt wird, von ihr an und ausgezogen wird, keine eigene Entscheidungen treffen kann, keine Freunde hat und von einem Kontrollzwang beherrscht wird, der sich auf der einen Seite in einem 12 Stunden Training äußert, auf der anderen jedoch durch Kratzattacken seinen patalogischen Höhepunkt findet, kann das nicht das Leben eines normalen Menschen sein. Nina lebt einzig für ihre Kunst und durchlebt dafür seelische wie körperliche Höllenqualen. Durch die meisterhafte Kameraführung, die sich wie ein Schatten an den Nacken der Hauptdarstellerin heftet, hat der Zuschauer keine andere Wahl, als deren Persektive einzunehmen und somit in das Geschehen mit involviert zu werden. Unglaublich ist auch die Macht der schnellen Schnitte, die besonders in den Tanzszenen zum Einsatz kommen, mit der Wirkung, dass dem Zuschauer der Boden unter den Füssen weggezogen wird. Jedoch geht es in dem Film nicht, wie man zuerst vermutet um das Ballett an sich, dies ist nur das Medium, durch das die Zerstörungskraft der künstlerischen Anforderungen auf einen Menschen dargestellt werden soll.
Ein Schwachpunkt der Handlung ist allerdings die Schnelligkeit, mit der Aronofsky diese voran treibt. Allzu früh werden Dinge offenbart, die der Dramatik willen erst in der zweiten Hälfte des Film erwähnt werden sollten. Ein treffendes Beispiel dafür sind die viel zu früh auftauchenden Halluzinationen Ninas, zu einem Zeitpunkt auf, als der Druck auf sie noch keine krankhaften Auswirkungen hat. Durch solche Vorwegnahmen bremst Aronofsky ungewollt die Handlung, und schmälert leider die Dramatik, denn er verwirrt den Zuschauer. Gleiches gilt für die sich imLaufe des Film wiederholenden Tonfeffekte, die am Anfang zwar gut gemacht wirken, später jedoch zu aufdringlich werden. Außerdem bedient sich Aronofsky sehr breitwillig bei voran gegangenen Werken wie David Finchers „Fight Club“, um die Metamorphose seiner Hauptfigur optisch in Szene zu setzen, jedoch wirken seine Bilder manchmal zu gewollt, zu künstlich, dass sie die Glaubwürdigkeit aus Finchers Film nicht erreichen.
Natalie Portman, die schon in „Leon, der Profi“ (1994) und „V wie Vendetta“ (2006) gezeigt hat, was für eine unglaubliche Schaupielerin in ihr steckt, brilliert in „Black Swan“ so sehr, dass sie dafür schon den Golden Globe bekommen hat und sogar für den Oscar 2011 als beste weibliche Hauptdarstellerin nominiert wurde. Alles in diesem Film dreht sich um sie, der Fokus der Kamera fängt jede noch so kleine Geste von ihr auf . Doch sie wird dieser Verantwortung gerecht und überzeugt als unschuldige Nina ebenso, wie als ihr dunkler Zwilling. Dank ihrer zierlichen Statur und ihrer natürlichen Gesichtzüge nimmt man der 31jährigen die Rolle einer Anfang 20jährigen, verwirrten und weltfremden jungen Frau problemlos ab, deren seelischen Kampf sie auch optimal darzustellen weiß. Anfangs steht Nina als Gegenpart die dämonisch wirkende Mutter Erica Sayers gegenüber, die fantastisch verkörpert wird durch Babara Hershey („Albert Schweizer“, 2009). Erica fördert und hemmt ihre Tochter gleichermaßen, sie ist von Eifersucht auf den Erfolg ihrer Tochter genauso zerfressen wie vor der Angst ihr kleines Mädchen an die große weite Welt zu verlieren. Diese schizophrene Haltung vermittelt Hershey so perfekt, dass dem Zuschauer eiskalte Schauer über den Rücken laufen. Erst als der Bruch in Ninas Seele immer deutlicher wird, verblasst dieser teuflische Eindruck, und überträgt sich auf die Tochter, was in dieser Qualität seit Hitchkocks „Psycho“ (1960) nicht mehr so dramatisch vermittelt wurde.
Ein weiterer Pluspunkt des Films sind die Spiele der Lichteffekte und deren Wirkung auf den Zuschauer. Hat dieser schon Dank der Kameraführung den Eindruck, ein Schatten der Protagonistin zu sein, spielt Aronofsky mit dem Gegensatz zwischen Licht und Dunkelheit genauso gekonnt. Der Schatten steht nicht nur für die dunkle Seite in Nina, sondern verkörpert und präsentiert stets die dunkle Seite in allem, vor allem der Kunst. Eine besonders eindrucksvolle Szene ist es deshalb auch, als Nina den Part des dunklen Schwans tanzt und ihr Schatten, statt nur ihr Schatten zu sein, ein Spiegelbild ihrer Fantasie darstellt und deshalb mit Flügeln ausgestattet ist. Gleiches gilt für die Mittel, mit deren Hilfe Aronofsky das Vermischen von Fantasie und Realität unterstreicht. Dazu zählen die zahlreichen Spiegelungen, die oftmals ein furchtbares Eigenleben entwickeln und die Toneffekte, die fast immer einem Flügelschlag ähneln. Somit wird eine surreale, paranoide Stimmung erzeugt, der sich der Zuschauer nur schwer entziehen kann.
Fazit
Eine unglaubliche schaupielerischer Darbietung, die ihres Gleichen sucht und eine gut gemachte Story, die nur leider manchmal etwas zu schnell und zu direkt offenbart wird, statt sich subtiler Erzählmethoden zu bedienen, um die Dramatik noch zu steigern. Troztdem einer der besten Filme des Jahres, über den bestimmt noch viel geredet werden wird.
von Yatiker Yildiz
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Soundtrack
Schauspieler
Natalie Portman
als NinaChristopher Gartin
als Handsome scottMila Kunis
als LillyWinona Ryder
als Beth MacIntyreVincent Cassel
als Thomas LeroyKsenia Solo
als VeronicaToby Hemingway
als TomBarbara Hershey
als EricaJanet Montgomery
als MadelineKristina Anapau
als GalinaMarcia Jean Kurtz
als Costume MistressDeborah Offner
als SusieAdriene Couvillion
als ViolinistSebastian Stan
als Andrew


















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