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Blu Cinemathek II Kritik & Meinung

Nach dem gro­ßen Erfolg der ers­ten „Blu Cine­ma­thek“ set­zen Arthaus/StudioCanal und der Kul­tur­SPIE­GEL die Reihe mit zehn wei­te­ren Fil­men fort. Freunde anspruchs­vol­ler Kino­filme dür­fen sich auf ältere und neuere Film­klas­si­ker in bes­ter Bild– und Ton­qua­li­tät mit reich­hal­ti­gem Bonus­ma­te­rial und kom­pe­ten­ten Kom­men­ta­ren der SPIEGEL-Kulturredakteure freuen. Erst­mals auf Blu-ray Disc erschei­nen in die­ser Samm­lung „ Frida“, „The Mis­sion“, „Dogma“ und „Wenn die Gon­deln Trauer tragen“.

Die zeit­li­che Spann­weite der Filme wurde gegen­über der ers­ten Auf­lage erwei­tert und reicht nun­mehr von 1940 („Der große Dik­ta­tor“) bis 2004 („Avia­tor“). Wie­der wird eine mög­lichst breit­ge­streute Ziel­gruppe mit einer Aus­wahl an künst­le­risch hoch­wer­ti­gen, meist mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Fil­men ange­spro­chen. Mit weni­gen Aus­nah­men sind es Filme für die ganze Fami­lie mit Alters­frei­ga­ben ab 12 Jah­ren. In der Län­der­aus­wahl ist die USA mit fünf Fil­men füh­rend, gefolgt von Frank­reich mit drei und Groß­bri­tan­nien mit zwei. Deut­sche Filme sind die­ses Mal nicht ver­tre­ten. Unter den Regis­seu­ren sind Kapa­zi­tä­ten wie Charles Chap­lin, Jean-Luc Godard, Akiro Kuro­sawa oder Mar­tin Scor­sese. Die Aus­wahl der Schau­spie­ler wird ein gro­ßes Publi­kum zufrie­den­stel­len, dar­un­ter Salma Hayek, Cate Blan­chett, Kate Beck­in­sale, Jean Seberg, Charles Chap­lin, Joseph Cot­ten, Jean-Paul Bel­mondo, Robert De Niro, Matt Damon und Leo­nardo DiCa­prio. Für Samm­ler, die schon einige Filme haben, ist beson­ders erfreu­lich, dass alle Titel der Blu Cine­ma­thek auch ein­zeln erhält­lich sind.

Fast die Hälfte der Filme sind dem Genre Drama zuzu­rech­nen. Mit dem viel­fach aus­ge­zeich­ne­ten Schlüs­sel­film der Nou­velle Vague „Außer Atem“ gelang Jean-Luc Godard 1959 der Durch­bruch. Auf der Flucht mit einem gestoh­le­nen Wagen erschießt Michel (Jean-Paul Bel­mondo) einen Poli­zis­ten. Zurück in Paris spricht er die Ame­ri­ka­ne­rin Patri­cia (Jean Seberg) an und taucht bei ihr unter. Die bei­den kom­men sich näher, doch die Poli­zei ist Michel dicht auf den Fer­sen. Godards ers­ter Lang­film ist eine Hom­mage an den ame­ri­ka­ni­schen Film noir. Mit neuen sti­lis­ti­schen Mit­teln wie Kame­ra­füh­rung und Bild­sprün­gen revo­lu­tio­niert er das Kino und zählt zu den Meis­ter­wer­ken der Film­ge­schichte. Als Extras gibt es eine Ein­füh­rung von Colin MacCabe, die Film­bei­träge „Cham­bre 12, Hôtel de Suède“ über die Dreh­ar­bei­ten mit Inter­views von Crew und Dar­stel­lern, „Luc und wie er Jean-Luc sieht“, „Godard, Made in USA“, eine Foto­ga­le­rie und den Trai­ler. Das Kriegs­drama „Ran“ des japa­ni­schen Regis­seurs Akira Kuro­sawa ist eine beson­dere Inter­pre­ta­tion von Shake­speares Tra­gö­die „König Lear“. Mit visio­nä­rer Bild­kraft, impo­san­ter Musik und vir­tuo­sem Schnitt erzählt der Film eine Para­bel über den unbän­di­gen und zer­stö­re­ri­schen Macht­wil­len einer gan­zen Dynas­tie. Der alte Fürst Hide­tora (Tats­uaya Naka­dai) ver­teilt seine Güter unter sei­nen drei Söh­nen. Der Älteste soll sein direk­ter Nach­fol­ger wer­den, doch er bringt die Geschwis­ter um ihr recht­mä­ßi­ges Erbe und beschwört einen erbar­mungs­lo­sen Krieg her­auf. Weder Ver­nunft noch Mensch­lich­keit kön­nen die Selbst­zer­stö­rung der Sippe ver­hin­dern. Kuro­sawa ver­bin­det in sei­nem fast drei­stün­di­gen Epos dif­fe­ren­zierte kam­mer­spiel­ar­tige Pas­sa­gen sou­ve­rän mit opu­len­ten Mas­sen­sze­nen. In den Extras wird die Kampf­kunst der Samu­rai erklärt, außer­dem gibt es Doku­men­ta­tio­nen über Akiro Kuro­sawa. Mit „The Mis­sion“ schuf Roland Joffé ein beein­dru­cken­des Aben­teu­er­drama mit den Hol­ly­wood­stars Robert De Niro und Jeremy Irons. Der Film gewann einen Oscar, die Gol­dene Palme in Can­nes und zwei Gol­den Glo­bes. Im 18. Jahr­hun­dert kämp­fen ein reui­ger Skla­ven­händ­ler und ein Pater an der Seite süd­ame­ri­ka­ni­scher Indios für deren men­schen­wür­di­ges Dasein. Ihre Geg­ner sind die spa­ni­schen und por­tu­gie­si­schen Kolo­ni­al­her­ren. Als auch ein Abge­sand­ter des Vati­kans nicht hel­fen kann, erwar­ten sie mit ihren Schütz­lin­gen den töd­li­chen Über­fall der her­an­zie­hen­den Sol­da­ten. Die Extras bie­ten einen Audio­kom­men­tar von Regis­seur Roland Joffé, ein Making-of und die Ana­lyse der Film­mu­sik von Ennio Morricone.

Zwei ver­filmte Lebens­ge­schich­ten von außer­ge­wöhn­li­chen Per­sön­lich­kei­ten ent­hal­ten die bei­den neu­es­ten Filme. Mit Prei­sen über­häuft wurde „Frida“ (2002), eine fil­mi­sche Bio­gra­fie der Male­rin Frida Kahlo. Neben der über­ra­gen­den Salma Hayek wan­deln Edward Nor­ton, Anto­nio Ban­de­ras, Geoff­rey Rush und Ash­ley Judd durch das tem­pe­ra­ment­volle Mexiko. Frida Kahlo und Diego Rivero waren eines der schil­lernds­ten Paare der Kunst­ge­schichte. Das Gefühls­chaos ihrer Ehe, die zahl­rei­chen Affä­ren, ihre unbän­dige Lebens­lust und die Far­ben­pracht Mexi­kos schla­gen sich in Frida Kah­los krea­ti­vem Schaf­fen nie­der und machen sie zu einer der aus­drucks­stärks­ten Male­rin­nen. Viele doku­men­ta­ri­sche Bei­träge, Audio­kom­men­tare und Erin­ne­run­gen der Crew ergän­zen den Haupt­film. Eben­falls mit Prei­sen über­häuft wurde „Avia­tor“ (2004), das Por­trät des Flug­pio­niers und Film­mo­guls Howard Hug­hes von Regie­le­gende Mar­tin Scor­sese, mit Leo­nardo DiCa­prio in der Haupt­rolle sowie Jude Law, Cate Blan­chett, Kate Beck­in­sale, Alec Bald­win und Gwen Ste­fani hoch­ka­rä­tig besetzt. Das Meis­ter­werk wurde mit fünf Oscars und drei Gol­den Glo­bes aus­ge­zeich­net. In den 1930er und 1940er Jah­ren ist der junge Mul­ti­mil­lio­när Howard Hug­hes einer der erfolg­reichs­ten Film­pro­du­zen­ten Hol­ly­woods. Neben­bei ist er wag­hal­si­ger Pilot und eine trei­bende Kraft der moder­nen kom­mer­zi­el­len Luft­fahrt. Die Frauen lie­gen ihm zu Füßen und er hat skan­dal­träch­tige Affä­ren mit den Hollywood-Diven Katha­rine Hep­burn und Ava Gard­ner. Die Extras brin­gen neben Audio­kom­men­ta­ren auch Doku­men­ta­tio­nen über den exzen­tri­schen Hug­hes, seine Obses­sio­nen und Zwangsneurosen.

Der große Dik­ta­tor“ eröff­net den Rei­gen der Komö­dien. Charles Chap­lins ers­ter Ton­film von 1940 ist eine ver­nich­tende Satire über einen zyni­schen Dem­ago­gen und zugleich eine poin­tierte Slapstick-Revue. Unver­gess­lich sind der Tanz mit der Welt­ku­gel oder die auf­brau­sende, aber unver­ständ­li­che Rede. Chap­lin glänzt in einer Dop­pel­rolle als jüdi­scher Fri­seur und Dik­ta­tor Hyn­kel, der erbar­mungs­los die Juden drang­sa­liert. Beein­dru­ckend ist seine Abschluss­rede mit einem Appell an die Moral der Welt, pas­send in der Zeit wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges. Das Bonus­ma­te­rial bringt die Doku­men­ta­tion „Chap­lin heute – Der große Dik­ta­tor“, ein Chaplin-ABC, Farb­auf­nah­men von Syd­ney Chap­lin wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten und den Kurz­film „Char­lie als Fri­seur“ (1919). Zwei schräge Komö­dien aus Frank­reich und den USA ergän­zen die hei­te­ren Filme. „Deli­ca­tes­sen“ von 1991, das Spiel­film­de­büt des fran­zö­si­schen Regie­duos Marc Caro und Jean-Pierre Jeu­net weist bereits die für ihre Filme typi­schen Stil­ele­mente auf. Der arbeits­lose Clown Loui­son wird Haus­meis­ter in einem maro­den Miets­haus. Den Flei­scher Cla­pet freut das ganz beson­ders, denn er hat die Mägen der Haus­be­woh­ner zu stop­fen und er schreckt nicht vor dem Äußers­ten zurück. Doch eine Gruppe vege­ta­ri­scher Unter­grund­kämp­fer steht Loui­son zur Seite. Unter den Extras sind die Filme „Die Krö­nung“, „Auf­schnitt“, ein Making-of und der Audio­kom­men­tar mit Jean-Pierre Jeu­net. Der kurio­seste Film der Reihe ist „Dogma“, eine bit­ter­böse Satire auf Reli­giö­ses und Kir­che. Jeder kann sich selbst sein Urteil bil­den, ob das geschmack­los oder erhei­ternd ist. Gelun­gen sind viele Anspie­lun­gen aus der Film­ge­schichte und Theo­lo­gie, ver­packt in ein aber­wit­zi­ges Him­mel­fahrts­kom­mando. Die bei­den gefal­le­nen Engel Loki und Bart­leby wol­len wie­der in den Him­mel zurück­keh­ren. Dabei beschwö­ren sie jedoch das gewalt­same Ende der Welt her­auf. Um das zu ver­hin­dern, wird Bethany zusam­men mit dem schwar­zen Apos­tel Rufus, der auf­rei­zen­den Muse Seren­di­pity und den bei­den Pro­phe­ten Jay und Silent Bob los­ge­schickt, um den Plan zu verhindern.

Zwei Thril­ler zeu­gen von der gro­ßen Band­breite der Samm­lung. Carol Reeds Klas­si­ker „Der dritte Mann“ (1949) nach einer Erzäh­lung von Gra­ham Greene zeigt das vom Krieg zer­störte Wien als eine Haupt­per­son neben Orson Wel­les und Anton Karas mit sei­nem welt­be­rühm­ten Zither-Thema. Mit viel Licht und Schat­ten setzt Kame­ra­mann Robert Kras­ker die Rui­nen, dunk­len Gas­sen und Kana­li­sa­tion der Stadt in Szene. Als der Schrift­stel­ler Mar­tins (Joseph Cot­ten) in Wien ankommt, um sei­nen alten Freund Harry Lime (Orson Wel­les) zu besu­chen, wird die­ser gerade beer­digt. Mar­tins fin­det jedoch her­aus, dass sein Freund sei­nen Tod nur insze­niert hat, um unge­stört sei­nen Schwarz­markt­ge­schäf­ten nach­ge­hen zu kön­nen. Unter den vie­len Extras ist auch eine inter­ak­tive Wien-Tour mit der Erklä­rung der Schau­plätze des Films. „Wenn die Gon­deln Trauer tra­gen“ bekommt erst durch die Kulisse des win­ter­li­chen Vene­dig seine typi­sche Stim­mung. Nico­las Roegs Ver­fil­mung der Erzäh­lung von Daphne du Mau­rier besticht durch eine erle­sene Farb­ge­bung und Bild­kom­po­si­tion. In den Haupt­rol­len des atmo­sphä­risch dich­ten Psy­cho­thril­lers glän­zen Donald Suther­land und Julie Chris­tie, deren legen­däre Sex­szene für einen Skan­dal sorgte. John Bax­ter kommt mit sei­ner Frau nach Vene­dig. Beide trau­ern um ihr Kind, das erst kürz­lich ertrun­ken ist. Als sie zwei mys­te­riö­sen Schwes­tern begeg­nen, gera­ten beide in den Bann unheim­li­cher Visio­nen und Ängste, die ihren Auf­ent­halt zum Alb­traum machen.

Fazit: Diese her­vor­ra­gende Aus­wahl an preis­ge­krön­ten Fil­men bie­tet für jeden Geschmack etwas und demons­triert ein­drucks­voll, dass die Blu-ray Disc das Bild­me­dium der Zukunft ist. Die Preis­un­ter­schiede zur DVD wer­den immer gerin­ger und mit stei­gen­der Nach­frage bald auf­ge­ho­ben sein. Die „Blu Cine­ma­thek“ gefällt durch eine schöne Auf­ma­chung mit aus­führ­li­chen Ein­füh­run­gen und sach­kun­di­gen Kri­ti­ken der KulturSPIEGEL-Redaktion.

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