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Bonanza — 2. Staffel Kritik & Meinung

Sie wurde oft kopiert und den­noch nie erreicht. Trotz eini­ger Vor­läu­fer und unzäh­li­ger Nach­ah­mun­gen bleibt „Bonanza“ die belieb­teste Wes­tern­se­rie im Fern­se­hen. Weit über 400 etwa 45-minütige Fol­gen ent­stan­den im Zeit­raum von 14 Jah­ren zwi­schen 1959 und 1973, als die große Zeit der Wes­tern im Kino längst zu Ende war. Die Aben­teuer der Fami­lie Cart­w­right auf der Ponderosa-Ranch begeis­tern bis heute Mil­lio­nen Fern­seh­zu­schauer in aller Welt.

In Deutsch­land spie­gelt die Rei­hen­folge der aus­strah­len­den Sen­der neben­bei etwas Fern­seh­ge­schichte wider, vom dua­len Sys­tem ARD/ZDF begin­nend bis zum Bezahl­fern­se­hen. Zunächst waren die „Bonanza“-Folgen in der ARD zu sehen, spä­ter über­nah­men das ZDF und ver­schie­dene Pri­vat­sen­der, schließ­lich gab es alle Fol­gen im Bezahl­sen­der der Kirch­gruppe zu sehen. Für den zeit­un­ab­hän­gi­gen Genuss ohne Wer­be­un­ter­bre­chun­gen ist die DVD heute das beste Medium. Stu­dio­Ca­nal setzt die Ver­öf­fent­li­chung mit der kom­plet­ten zwei­ten Staf­fel der berühm­tes­ten Western-TV-Serie aller Zei­ten auf 8 DVDs mit über 1.600 Minu­ten Spiel­dauer fort. Sie ent­hält die Fol­gen 33 bis 66 aus den Jah­ren 1960 und 1961. Gut restau­rier­tes Bild­ma­te­rial der von Beginn an auf bril­lan­tem Farb­film pro­du­zier­ten Serie und neben der deut­schen Syn­chron­fas­sung das eng­li­sche Ori­gi­nal bie­ten zusätz­lich einen deut­li­chen Mehr­wert gegen­über den Fernsehausstrahlungen.

Die große Beliebt­heit von „Bonanza“ liegt vor allem an der Iden­ti­fi­ka­tion der Zuschauer mit den Cart­w­rights, die immer für das Gute und die Gerech­tig­keit im Wil­den Wes­ten des 19. Jahr­hun­derts ein­tre­ten. Als es im Fern­se­hen und anderswo noch nicht so viele Ablen­kun­gen wie heute gab, saßen ganze Fami­lien vor dem Fern­se­her und lausch­ten gebannt den Aben­teu­ern um die Ponderosa-Ranch, gele­gen zwi­schen Vir­gi­nia City und dem Lake Tahoe in Nevada. Der Rin­der­züch­ter Ben Cart­w­right, ein Patri­arch vol­ler Wärme und Nächs­ten­liebe, hat stets ein offe­nes Ohr für die Sor­gen und Pro­bleme sei­ner Mit­men­schen. Sei­nem Dar­stel­ler Lorne Greene ver­leiht anders als bei den ande­ren Prot­ago­nis­ten in allen Fol­gen der­selbe Syn­chron­spre­cher Fried­rich Schüt­ter die deut­sche Stimme. Bereits drei Frauen hat Ben ver­lo­ren, jede von ihnen hin­ter­ließ ihm einen Sohn. Gemein­sam lösen die Cart­w­rights ihre und die Pro­bleme ande­rer. Beson­ders die phy­si­schen und cha­rak­ter­li­chen Unter­schiede der drei Söhne sor­gen für Abwechs­lung. Adam, der älteste von ihnen, steigt spä­ter als Ers­ter frei­wil­lig aus, weil sein Dar­stel­ler Per­nell Roberts nicht ewig auf den Western-Cowboy abge­stem­pelt wer­den will. Eric „Hoss“ ist ein lie­be­vol­ler, gut­mü­ti­ger Kraft­protz, der trotz aller Ver­bre­chen an das Gute im Men­schen glaubt. Nach dem Tod des Dar­stel­lers Dan Blo­cker im Jahre 1972 wird die Serie ein­ge­stellt, weil sie ohne diese gute Seele undenk­bar ist. Der jüngste der Brü­der ist der manch­mal etwas drauf­gän­ge­ri­sche „Little Joe“. Sein Dar­stel­ler Michael Lan­don ist ein wich­ti­ger Grund, wes­halb viele Frauen diese Serie so schät­zen, in der eigent­lich die raue Män­ner­welt vor­herrscht. Lan­dons Beliebt­heit ließ ihn spä­ter in wei­te­ren Serien als Haupt­dar­stel­ler und Regis­seur wirken.

Wenn auch die obli­ga­to­ri­schen Schie­ße­reien meist beim fina­len Show­down nicht feh­len dür­fen, so unter­schei­det sich „Bonanza“ wohl­tu­end von ande­ren Western-Verfilmungen. Reine Gewalt­dar­stel­lun­gen kom­men fast gar nicht vor, die huma­nis­ti­schen und den Aus­gleich suchen­den Cart­w­rights bevor­zu­gen ver­nünf­tige Lösun­gen. Zwi­schen­mensch­li­che Töne sind wich­ti­ger als viel Pul­ver­dampf. Das Män­ner­quar­tett ver­kör­pert das Gute schlecht­hin, wenn es ver­ständ­nis­voll zwi­schen strei­ten­den Par­teien wie India­nern oder ver­fein­de­ten Nach­barn schlich­tet. Schieß­wü­ti­gen Gano­ven muss öfters das Hand­werk gelegt oder Bedrängte müs­sen aus Gefah­ren geret­tet wer­den. Der Vor­teil die­ser Serie ist, dass jede Folge eine abge­schlos­sene Hand­lung hat. Ver­mut­lich haben sich im Lauf der Jahre bei weit über 400 Fol­gen die Hand­lungs­mus­ter mehr oder weni­ger wie­der­holt. Umso bes­ser und abwechs­lungs­rei­cher sind gerade diese frü­hen Fol­gen der Serie. Für wei­tere Staf­feln würde man sich Extras mit eini­gen Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen wünschen.

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