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Cell 211 Kritik & Meinung

Gefäng­nisse sind ganz beson­dere Orte, in denen Men­schen viel leich­ter als im „nor­ma­len“ Leben in gefähr­li­che Extrem­si­tua­tio­nen kom­men kön­nen. Das Gefäng­nis gilt als Sym­bol für das all­sei­tig redu­zierte Dasein. Es gibt hier weder freie Bewe­gung noch Selbst­be­stim­mung. Und der psy­cho­lo­gi­sche Stress der Haft­si­tua­tion sorgt oft für eine zusätz­li­che Bru­ta­li­sie­rung der Indi­vi­duen. Wie in der „freien“ Gesell­schaft bil­den sich auch in Haft­an­stal­ten gefähr­li­che Hier­ar­chien mit Alpha­tie­ren, Anpas­sern und Verlierern.

Diese Kon­stel­la­tio­nen lie­fern ideale Vor­aus­set­zun­gen für span­nende Geschich­ten in Roma­nen und Fil­men. Mit „Cell 211“ gelang dem spa­ni­schen Regis­seur Daniel Mon­zón 2009 ein psy­cho­lo­gisch dich­ter und actionge­la­de­ner Gefäng­nis­thril­ler, der in sei­ner Hei­mat mit acht Goyas, unter ande­rem für die beste Regie und das beste Dreh­buch aus­ge­zeich­net wurde.

Juan Oli­ver tritt sei­nen neuen Job als Gefäng­nis­wär­ter frei­wil­lig einen Tag frü­her als geplant an. Die­ser Über­ei­fer wird ihm zum Ver­häng­nis. Beim Rund­gang mit zwei Kol­le­gen durch das Gefäng­nis bekommt er plötz­lich einen Schlag auf den Kopf und wird bewusst­los. Die Kol­le­gen ste­cken ihn in die leere Zelle 211 und flüch­ten. Als Juan wie­der erwacht, bemerkt er, dass im Hoch­si­cher­heits­trakt ein Auf­stand aus­ge­bro­chen ist und er irgend­wie seine Haut ret­ten muss. Um zu über­le­ben, gibt er sich gegen­über den Meu­te­rern als neuer Mit­häft­ling aus, der einen Mord began­gen hat. Er lässt sich mit dem Haupt­an­füh­rer des Auf­stands Mala­ma­dre ein, der drei ein­sit­zende ETA-Angehörige als Gei­seln nimmt und diese zu ermor­den droht, falls die Regie­rung nicht sei­nen For­de­run­gen nach­kommt. Damit gewinnt der Auf­stand zusätz­lich eine poli­ti­sche Dimen­sion. Als außer­halb des Gefäng­nis­ses auch noch Juans hoch­schwan­gere Frau in die Ereig­nisse ver­wi­ckelt wird, steht er plötz­lich zwi­schen den Fron­ten und muss sich entscheiden.

Mon­zóns an rea­len Schau­plät­zen gedrehte Roman­ver­fil­mung beein­druckt durch ein her­aus­ra­gen­des Ensem­ble, an des­sen Spitze der argen­ti­ni­sche Debü­tant Alberto Ammann als Juan sowie der drei­fa­che Goya-Gewinner Luis Tosar (inter­na­tio­nal bekannt durch Jim Jar­muschs „The Limits of Con­trol“ und Michael Manns „Miami Vice“) als Mala­ma­dre ste­hen.
Mon­zón legt gro­ßen Wert auf Authen­ti­zi­tät. So haben viele Sze­nen fast doku­men­ta­ri­schen Cha­rak­ter. Gedreht wurde in einem ehe­ma­li­gen Gefäng­nis, das für den Film mona­te­lang auf­wän­dig restau­riert wurde.
Wie in Rein­hard Hauffs Gefäng­nis­klas­si­ker „Die Ver­ro­hung des Franz Blum“ von 1974 wir­ken auch in „Cell 211“ echte Gefan­gene als Sta­tis­ten mit, denn sie ken­nen am bes­ten die Umgangs­wei­sen unter­ein­an­der und steu­er­ten wich­tige Infor­ma­tio­nen für Stab und Regie bei. In den action­be­ton­ten Sze­nen, z.B. wäh­rend der Meu­te­rei, sorgt eine beweg­li­che Hand­ka­mera für ein haut­na­hes Erle­ben des Zuschau­ers, der sich mit­ten im Getüm­mel wähnt.

Der Regis­seur über­mit­telt mit sei­nem Film über­zeu­gend die Bot­schaft, dass sich im abge­schlos­se­nen Sys­tem eines Gefäng­nis­ses in kon­zen­trier­ter Form die Gesell­schaft von „drau­ßen“ wider­spie­gelt. So kann man die Geschichte fast als klas­si­sche Tra­gö­die sehen, beson­ders durch das Schick­sal Juans, des­sen Leben sich auf­grund einer klei­nen Ent­schei­dung für immer ver­än­dert.
Im Zen­trum der Erzäh­lung steht die erzwun­gene „Freund­schaft“ zwi­schen ihm und Mal­madre. Es sind zwei Män­ner, deren Leben kaum unter­schied­li­cher sein könn­ten, aber die durch eine schick­sal­hafte Wen­dung zusam­men­ge­schweißt wer­den. Juan muss erken­nen, dass alles rela­tiv ist. Ein ver­ur­teil­ter Mör­der kann ebenso zuver­läs­sig und ehr­lich sein wie ein Voll­zugs­be­am­ter bar­ba­risch und unge­recht. Der Zuschauer erlebt die Ent­wick­lung Juans förm­lich mit und erkennt dabei die Zer­brech­lich­keit des mensch­li­chen Daseins.

Der Film, der nicht geeig­net ist für emp­find­li­che Ner­ven, endet tra­gisch und ohne Hoff­nungs­schim­mer. Am Schluss gibt es nur noch Ver­lie­rer. Ein etwa halb­stün­di­ger Bonus­film zeigt Kom­men­tare von Regis­seur und Schau­spie­lern und Sze­nen von den Dreharbeiten.

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Eure Meinungen & Kommentare

  • schigeding1
    Ich glaube der sagt "mach schon" auf sehr behinderte Art o.0

  • Ballermann9991
    dumm ehy xD

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