Che — Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerrilla Kritik & Meinung
Für viele wird er bis heute als Volksheld, Messias und Märtyrer verehrt: Che Guevara (eigentlich Erneste Guevara de la Serna, 1928–1967), ein aus Argentinien stammender Arzt, Revolutionsführer, Politiker und Autor. Er wirkte zwar vor allem in Lateinamerika, dennoch war seine Ausstrahlung so enorm, dass er in der ganzen Welt bis heute als Symbol für Revolution und Freiheit verehrt wird, besonders von politisch links stehenden Staaten und Bewegungen. Viele dokumentarische und fiktionale Filme gibt es bereits über sein Leben und Wirken.
Der amerikanische Starregisseur Steven Soderbergh („Ocean’s Eleven“, „Traffic“, „Out of Sight“) hat 2008 ein über vierstündiges zweiteiliges Biopic besonders über die revolutionäre Zeit Che Guevaras in Kuba und Bolivien von 1956 bis zu seiner Ermordung 1967 präsentiert, das jetzt auf DVD herausgekommen ist.
Das relativ späte Erscheinen nach der Kinovermarktung lässt ahnen, dass Revolutionäre heute nicht mehr so gefragt sind wie noch zu Zeiten des Vietnam-Kriegs oder des Kalten Kriegs zwischen Ost und West.
Der erste Teil „Revolución“ schildert minutiös den Kampf der Aufständischen unter der Leitung Che Guevaras und des Politikers Fidel Castro während der kubanischen Revolution in der Zeit von 1956 bis 1959. Zusammen mit achtzig Rebellen gelangen die beiden auf einem Schiff nach Kuba. Ihr Ziel ist der Sturz des korrupten Diktators Batista, der von den USA unterstützt wird.
Aus dem Arzt Che Guevara wird durch seine charismatische Ausstrahlung schnell ein Held der Revolution, der die Kunst des Guerillakriegs ebenso perfekt beherrscht wie die der demagogischen Rhetorik.
Kann man den ersten Teil des Films als seinen erfolgreichen Aufstieg bezeichnen, so kommt er im zweiten Teil „Guerilla“ schließlich zu Fall. Nach dem erfolgreichen Umsturz in Kuba – Che Guevara wird Industrie– und Handelsminister, dessen Wirkungskreis vom Kongo bis zur UNO in New York reicht, wo er eine Rede hält – verschwindet er zunächst scheinbar spurlos. Ein Jahr später reist er unerkannt in Bolivien ein, wo er die Revolution weiterführen möchte. Mit der Unterstützung ausländischer Sympathisanten wie der ostdeutschen Tanja (Franka Potente) nimmt er mit einer kleinen bewaffneten Einheit den Kampf gegen Präsident Barrientos und dessen Truppen auf. Doch im Gegensatz zu Kuba stehen Bevölkerung und Kommunistische Partei hier nicht hinter ihnen und die zunehmend demoralisierten Guerillas geraten in einen Hinterhalt der von der CIA unterstützen Militärs, wobei der schwer unter Asthma leidende Che Guevara schließlich erschossen wird. Dieses heroische Scheitern und sein früher Tod machen ihn bis heute zur Ikone und zum Märtyrer.
Außer Franka Potente wirken vor allem spanisch sprechende Schauspieler in dem Film mit, wobei neben dem Hauptdarsteller Benicio Del Toro (Preisträger als bester Schauspieler in Cannes für „Che“, Oscar für „Traffic“) besonders die Kolumbianerin Catalina Sandino Moreno (Oscar-Nominierung und Silberner Bär für „Maria voll der Gnade“) herausragt.
Regisseur Soderbergh legt akribisch Wert auf historische Detailgenauigkeit. Über sieben Jahre dauerten die Recherchen zum Film, wobei neben Che Guevaras Tagebuchaufzeichnungen viele noch lebende Zeitzeugen die Informationen lieferten. Viele Szenen, darunter einige in Schwarz-Weiß, wirken authentisch wie in einem Dokumentarfilm des „Direct Cinema“. Diese direkte Teilhabe des Zuschauers wird ermöglicht durch eine neuartige digitale Kamera. Sie wiegt weniger als fünf Kilogramm und erlaubt sensationelle Bewegungsaufnahmen aus der Hand und bei natürlichem Licht. Dadurch erhält der Film eine sehr realistische Darstellung aus der subjektiven Sichtweise der Hauptperson. Der Regisseur möchte die Alltagsarbeit des Aufrührers nicht bewerten, sondern er betrachtet sie scheinbar neutral. Dies gilt auch für Che Guevaras strenges Durchgreifen gegenüber Deserteuren der Bewegung und Plünderern, die er notfalls eigenhändig erschießt. Denn ein Revolutionär ist der „Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit“ verpflichtet.
Das Filmepos ist unterhaltend und informativ, für Guevara-Fans wie Altachtundsechziger wahrscheinlich ein Muss und ergänzt ideal das Roadmovie „Die Reisen des jungen Che“ von Walter Salles aus dem Jahr 2004. Leider enthalten die beiden DVDs außer einem kurzen Trailer kein Bonusmaterial. Es wäre nicht nur für die Nachachtundsechziger interessant gewesen, dokumentarisches Filmmaterial des echten Che Guevara und etwas von den Dreharbeiten zu sehen.
von Johannes Kösegi
TweetShopping
Eure Meinungen & Kommentare
Wertung
Leser-Wertung
Infos
Links
Und Dein Link?
Verlinke diese Seite in Deinem Che — Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerrilla Beitrag und wir verlinken Deinen Beitrag hier.
Soundtrack
Schauspieler
Julia Ormond
als Lisa HowardBenicio Del Toro
als Ernesto Che GuevaraRodrigo Santoro
als Raúl CastroDemián Bichir
als Fidel CastroYul Vazquez
als Alejandro RamirezJsu Garcia
als Jorge Sotus








![Che - Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerrilla [3 DVDs]](http://ecx.images-amazon.com/images/I/51YKAIdx62L._SL500_.jpg)
![Che - Revolucion/Guerrilla [Blu-ray]](http://ecx.images-amazon.com/images/I/515YN4qsM2L._SL500_.jpg)

Wie findest Du den Film "Che — Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerrilla"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!