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Collapse Kritik & Meinung

In jeder Gene­ra­tion ist eine Revo­lu­tion nötig.“ Die­ses Zitat vom drit­ten Prä­si­den­ten der USA Tho­mas Jef­fer­son gefällt Michael C. Rup­pert beson­ders. Von ihm und sei­nen Gedan­ken über die Zukunft der Mensch­heit han­delt der auf­rüt­telnde Doku-Thriller „Col­lapse“, der wäh­rend der Ber­li­nale 2010 Deutschland-Premiere fei­erte und jetzt bei Sun­film Enter­tain­ment auf DVD erschie­nen ist. Rup­pert war CIA-Agent und Dro­gen­fahn­der in der gefähr­lichs­ten Gegend von Los Ange­les. Seit 30 Jah­ren arbei­tet er als inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­list und Buch­au­tor und hat sich viele Feinde gemacht.

Denn auch Kor­rup­tion und Dro­gen­han­del inner­halb der CIA hat er ent­larvt. Ket­ten­rau­chend steht er Regis­seur Chris Smith in einem bun­ker­ar­ti­gen Kel­ler Rede und Ant­wort. Elo­quent ver­mischt er in sei­nen Kern­the­sen das Insi­der­wis­sen eines Geheim­dienst­lers mit natur– und wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen. Bereits 2006 sagte er die welt­weite Finanz­krise von 2008 vor­aus, heute spricht er vom bevor­ste­hen­den Kol­laps der gan­zen Mensch­heit. Aus­lö­ser sind nach sei­ner Mei­nung die schwin­den­den Ölre­ser­ven. Denn ohne Öl ver­sie­gen nicht nur die Ener­gie­re­ser­ven. Pro­dukte aus Öl wer­den für Kunst­stoffe, Far­ben, Zahn­pasta, Dün­ge­mit­tel und viele andere Dinge gebraucht, ohne die mensch­li­ches Leben nicht denk­bar wäre. Der Schei­tel­punkt der Ölför­de­rung („Peak Oil“) ist längst über­schrit­ten. Jeder weiß mitt­ler­weile, dass die Ira­ker nichts mit den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 zu tun hat­ten. Den­noch boten sie der Bush-Regierung eine güns­tige Gele­gen­heit, um dort dau­er­hafte Stütz­punkte zu errich­ten und sich Ölvor­räte zu sichern. Aber auch die sind begrenzt. Und wie soll es dann wei­ter­ge­hen? Das Öl unter den Polar­kap­pen ist kaum zu erschlie­ßen, alter­na­tive Antriebs­for­men wie Etha­nol oder Strom brau­chen mehr Ener­gie als sie brin­gen oder müs­sen aus ande­ren Ener­gie­quel­len gewon­nen wer­den. Gezei­te­n­en­er­gie gibt es nur an den Küs­ten und Solar– und Wind­en­er­gie muss trans­por­tiert wer­den, wozu man wie­der Ener­gie braucht.

Nur das Öl hat dazu beige­tra­gen, dass die Mensch­heit in den letz­ten 100 Jah­ren so exor­bi­tant gewach­sen ist. Das Dilemma ist ein unend­li­ches Wachs­tums­pa­ra­digma der Wirt­schaft bei einem end­li­chen Ener­gie­po­ten­tial. End­gül­tige Lösun­gen hat Rup­pert nicht zu bie­ten. Wich­tig wäre zunächst ein Para­dig­men­wech­sel wäh­rend einer Über­gangs­phase, in der nach Alter­na­ti­ven gesucht wer­den müsste. Lange erzählt er seine Ansich­ten kühl wie ein Wis­sen­schaft­ler, doch auf ein­mal über­kom­men ihn Emo­tio­nen und er bricht in Trä­nen aus. Hier wird deut­lich, dass er kein Mes­sias sein will, son­dern dass ihn der der­zei­tige Zustand der Mensch­heit sehr betrof­fen macht. Er sieht sich nicht als Sozi­al­dar­wi­nist, fühlt sich nur für sich selbst ver­ant­wort­lich und gibt Rat­schläge, was man tun könnte, damit Wirt­schaft und Öko­lo­gie weit­ge­hend sta­bil blei­ben. Um eine ähn­li­che Finanz­krise zu ver­mei­den, sollte Gold statt nutz­lo­ser Deri­vate gehal­ten wer­den. Zum Erhalt der Öko­lo­gie emp­fiehlt er, alter­na­tive Ener­gie­for­men staat­lich zu för­dern und bio­lo­gisch erzeugte Nah­rungs­mit­tel vor Ort zu pro­du­zie­ren.
Kuba hat 1991 nach dem Aus­blei­ben von Öl und Gas aus Russ­land die­sen Weg mit Erfolg beschrit­ten, im Gegen­satz zu Nord­ko­rea, wo viele Men­schen Hun­ger lei­den muss­ten. Wich­tig sei auch, den Hanf­an­bau wie­der zu lega­li­sie­ren, denn neben Mari­huana lie­ßen sich auch viele nütz­li­che Dinge aus Hanf her­stel­len. Schließ­lich emp­fiehlt er sein Buch „Cros­sing the Rubi­con“ mit wei­te­ren Lösun­gen. Sein Inter­net­blog unter www.collapsenet.com bie­tet ein Dis­kus­si­ons­fo­rum für Interessierte.

Rup­perts Bot­schaft mag man­chen mis­sio­na­risch und über­trie­ben klin­gen, aber selbst wenn nur die Hälfte sei­ner Befürch­tun­gen stimmt, ist der Film kein harm­lo­ser Weck­ruf, son­dern bereits ein Feu­er­alarm. Und Jef­fer­sons Idee, dass sich ein Volk in jeder Gene­ra­tion neu über­den­ken sollte, klingt sehr ver­nünf­tig. Das Bonus­ma­te­rial bringt noch wei­tere Aus­schnitte aus dem Inter­view. Hier wird auch die Was­ser­knapp­heit ange­spro­chen, die ein wei­te­res drän­gen­des Pro­blem der Zukunft sein wird. Kom­post­toi­let­ten ohne Was­ser­spü­lung wären ein guter Weg zur Ein­spa­rung von Was­ser. Nicht ohne Stolz sagt Rup­pert, seine Boten­rolle zumin­dest in der Finanz­krise erfüllt zu haben, denn alle seine schlim­men Befürch­tun­gen sind ein­ge­trof­fen. 900.000 ver­lo­ren ihren Job, bekom­men kein Arbeits­lo­sen­geld und wer­den teils zu Obdach­lo­sen, und das in einem rei­chen Land wie den USA. Und die Invest­ment­ban­ker mit ihrer gren­zen­lo­sen Gier hat­ten danach nichts Bes­se­res zu tun, als auf bank­rotte Staa­ten wie Grie­chen­land zu wet­ten. Es bleibt zu hof­fen, dass Rup­perts neue Pro­gnose des Zusam­men­bruchs der Indus­trie­na­tio­nen nicht so ein­tre­ten wird.

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