Das Boot — Jubiläums-Edition Kritik & Meinung
Zum 30-jährigen Jubiläum der Premiere des legendären deutschen Kriegsfilms „Das Boot“ veröffentlicht EuroVideo eine luxuriöse Sonderedition mit zwölf Stunden spannender Unterhaltung und Dokumentationen auf drei Blu-ray Discs. Neben vielen neu produzierten Extras gibt es ein umfangreiches Begleitbuch mit vielen Informationen und Interviews. Der Film gilt als eine der zehn erfolgreichsten deutschen Produktionen aller Zeiten. Er erhielt sechs Oscar-Nominierungen, den Deutschen Filmpreis in Gold und Silber, die Goldene Kamera, Goldene Leinwand und den Bayerischen Filmpreis.
Klaus Doldinger wurde für die Filmmusik mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet.
Im Zentrum der Edition steht der restaurierte, mit zusätzlichen Szenen und digitalem Sound ausgestattete Director’s Cut von 1997 mit einem Audiokommentar von Regisseur Wolfgang Petersen, dem dieser Film eine Karriere in Hollywood bescherte. Außerdem erscheint die Original-Kinofassung von 1981 nach einer HD-Neuabtastung erstmals auf Blu-ray Disc. Als Bonus gibt es über drei Stunden neu produziertes Material wie Interviews mit den Machern, Featurettes, einen Rundgang im Original-Boot mit „Kapitänleutnant“ Jürgen Prochnow, ein Making-of von SPIEGEL-Redakteur Wilhelm Bittorf von 1981, die Dokumentation „Die Schlacht im Atlantik“ mit englischen und deutschen Zeitzeugen sowie Erinnerungen von Wolfgang Petersen und seiner Frau Maria. Eine besondere Rarität ist das Original-Hörspiel von 2010 auf Pure Audio Blu-ray, eine Kombination aus Dialog– und Soundkulisse des Films mit Textpassagen der Romanvorlage, gelesen von Herbert Grönemeyer.
„Das Boot“ ist ein typisches Beispiel für die Praxis in den 1980er Jahren, als aufwändige Produktionen gleichzeitig als Kino– und Fernsehversionen hergestellt wurden. Die ARD beteiligte sich mit etwa neun Millionen DM an dieser 25-Millionen-DM-Produktion. Das Ergebnis war ein zweieinhalbstündiger Kinofilm und eine dreiteilige Fernsehfassung von über fünf Stunden Länge. So gelang es Produzent Günter Rohrbach von der Bavaria, dem großen Hollywood-Kino Paroli zu bieten. Die Ironie dabei war, dass zuerst die Amerikaner den Film machen wollten und das „Boot“-Set für sie in den Bavaria-Studios schon aufgebaut war. Doch dazu kam es nicht, und Wolfgang Petersen mit seiner Crew konnte die Attrappen nutzen. Zuvor mussten noch Differenzen mit dem Autor der Romanvorlage, Lothar-Günther Buchheim, ausgeräumt werden. Er hat seine Erlebnisse als Kriegsberichterstatter während einer Feindfahrt der U 96 im Zweiten Weltkrieg beschrieben. Der Film überzeugt mit einer handwerklichen und tricktechnischen Perfektion in einer Zeit, als es noch keine Computeranimationen gab und die Tricks mit Modellen nachgestellt werden mussten. Allein drei verschieden große U-Boot-Modelle waren über und unter Wasser im Einsatz. Die Innenaufnahmen wurden alle in einem detailgenauen Modell-Set in Originalgröße in den Bavaria-Studios gefilmt. Hier herrschte dieselbe Enge wie im richtigen Boot und Kameramann Jost Vacano hatte oft artistische Leistungen mit der Handkamera zu vollbringen. Die Tricktechnik im Studio ließ nichts zu wünschen übrig, von Wasserwerfern aus allen Richtungen, Windmaschinen bis zu einer Rüttelwippe, die starken Seegang oder Erschütterungen nach einem Bombeneinschlag simulieren konnte.
Bei all den Effekten bleibt die Handlung überschaubar durch einige dramatische Höhepunkte. Im Vordergrund steht die Stimmung der Mannschaft in der klaustrophobischen Enge und isoliert von der Außenwelt. In diesen Grenz– und Extremsituationen bleiben menschliche Konflikte nicht aus, besonders zwischen Kapitänleutnant Lehmann (Jürgen Prochnow) und dem Ersten Offizier (Hubertus Bengsch). Erlebt wird die gesamte Feindfahrt aus der Sicht des Kriegsberichterstatters Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer). Petersen erzählt im Interview, dass er auf zwei schauspielerische Entdeckungen besonders stolz sei, neben Nastassja Kinski im Tatort „Reifezeugnis“ ist es Jürgen Prochnow, den er zuvor schon in Fernseh– und Kinofilmen eingesetzt hat. Viele der anderen Darsteller waren damals noch unbekannt und wurden später zu Stars. Neben Herbert Grönemeyer sind es Martin Semmelrogge, Heinz Hoenig, Uwe Ochsenknecht, Claude-Oliver Rudolph, Klaus Wennemann, Sky du Mont, Otto Sander, Günter Lamprecht, Jan Fedder, Bernd Tauber, Martin May, Erwin Leder und Ralf Richter.
Nach einer opulenten Abschiedsfeier an Land folgt die Verabschiedung und Abfahrt des U-Bootes in den Atlantik. Während wochenlanger Gammelfahrten mit der Suche nach feindlichen Schiffen kommt es immer wieder zu Spannungen unter der Besatzung. Langeweile bedroht die Moral, mangelnde Hygiene die Gesundheit der Besatzung. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Als sie ein englisches Handelsschiff angreifen wollen, werden sie von einem Zerstörer überrascht und müssen in die Tiefe fliehen. Nach einem heftigen Sturm beschießen sie einen Tanker und müssen entsetzt feststellen, dass die Besatzung nicht evakuiert wurde. Das wird zu einer schweren Belastung für viele. Während der Durchfahrt durch die Meerenge von Gibraltar wird das U-Boot beschossen und sackt auf 280 Meter Tiefe ab. In einem Wettlauf mit der Zeit gelingt die Reparatur und sie erreichen wieder ihren Heimathafen La Rochelle. Doch während der Einfahrt erfolgt ein überraschender Luftangriff der Alliierten, der die halbe Besatzung tötet oder verwundet. Der sterbende Kapitänleutnant muss den Untergang des Bootes mit ansehen.
In eindrucksvollen Bildern erzählt der Film von Langeweile und Panik, dem beklemmenden Gefühl in der Enge und Tiefe und der bloßen Angst ums Überleben. Zunächst kritisierten einige den Film als zu neutral gegenüber den deutschen Kriegsverbrechern. Doch bereits bei der Uraufführung in den USA vor fast 2000 Zuschauern gab es frenetischen Applaus. Eine Texttafel hatte zuvor verkündet, dass von 40.000 deutschen U-Boot-Fahrern 30.000 starben. Keine andere Waffengattung hatte größere Verluste zu verzeichnen. Und es waren bei weitem nicht alles überzeugte Nazis wie der Erste Wachoffizier an Bord. Der Altersdurchschnitt der U-Boot-Besatzungen war am Ende auf fast 20 Jahre gesunken. Der Film möchte nicht anklagen, sondern eindringlich die Sinnlosigkeit des Krieges veranschaulichen. Petersen zeigt dies oft in den Gesichtern der Schauspieler mit ihren persönlichen Schicksalen, wofür die überlange TV-Version mehr Zeit lässt. Ein idealer Kompromiss zwischen ihr und der vor allem auf Action-Szenen fokussierten Kinoversion ist der dreieinhalbstündige Director’s Cut von 1997, der durch den Audiokommentar des Regisseurs noch interessanter wird.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Heinz Hoenig
Uwe Ochsenknecht














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