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Das Kriminalmuseum 17-29 Kritik & Meinung

Als dritte Phase bringt Studio Hamburg in seiner Serie „Straßenfeger“ Klassiker, Remakes und Krimi-Spielfilme. Dazu gehören auch die besten Krimis der 1960er und 1970er Jahre. Damals hatte das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehprogramm traumhafte Einschaltquoten. Das lag nicht nur an der Monopolstellung des staatlich kontrollierten Fernsehens, sondern auch an der hohen Qualität von Dokumentationen und im Gegensatz zur heutigen Zeit der fiktiven Filme und Serien.

Als eine der markantesten Wegemarken bei den öffentlich-rechtlichen Krimiserien bot das von konservativ-katholischen Kreisen um die Adenauer-Regierung etablierte Zweite Deutsche Fernsehen bereits ab seinem Gründungsjahr 1963 als erste Krimiserie seines Programmangebots „Das Kriminalmuseum“. Dass die gebotenen nachgespielten echten Fälle bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben, zeigt diese DVD-Veröffentlichung. Der für heutige Verhältnisse etwas lang geratene Vorspann zeigt zunächst den Flur einer Polizeibehörde. Die Kamera fährt langsam auf ein Schild mit der Aufschrift „Kriminalmuseum“ zu. Die später von „Der Kommissar“ bekannte Stimme von Reinhard Glemnitz ist immer wieder in leicht veränderten Varianten mit folgenden Worten zu vernehmen. „Es darf nicht jeder, so wie wir das jetzt tun, in die Tür eines der Kriminalmuseen hineingehen, die sich im Polizeipräsidium einiger deutscher Großstädte befinden. Sie dienen dazu, jungen Justiz- und Polizeibeamten zu zeigen, wie die moderne Wissenschaft der Kriminalistik stumme Zeugen zum Sprechen bringt. Jede dieser Gegenstände hier, wie die aufgebrochenen Panzerschränke, hat einmal seine Rolle gespielt im unaufhörlichen Kampf, den die Polizei gegen das Verbrechertum führen muss. Die Aufklärung eines schwierigen Falles hängt davon ab, wie die Erfahrung, der Instinkt und die Hartnäckigkeit der Polizei sich mit der methodischen Sorgfalt der Kriminalisten verbinden. Also jenes Stabes von Wissenschaftlern, deren oberste Zentrale das Bundeskriminalamt ist. Die Einbruchswerkzeuge, Waffen, Gaunerrequisiten, Mordinstrumente, Schmuggelgeräte, die Polizeifotos von Verbrechen, Tatortskizzen und Indizien dieser Lehrmittelsammlung sind alle einmal befragt worden. Von einem dieser Fälle wollen wir berichten.“ Zu einem der Beweisstücke folgt dann die Filmgeschichte, die sich wirklich so zugetragen hat.

Damit hat das ZDF die erfolgreichen Konzepte der ARD-Serie „Stahlnetz“ und der DDR-Serie „Blaulicht“ übernommen, die damals schon etabliert waren. Auch hier galten echte Fälle der Kriminalpolizei als Vorlage, die von verschiedenen Kommissaren gelöst wurden. Die Erfolgszutaten sind erstklassige Drehbücher und herausragende Darsteller. Alles, was damals an Film- und Fernsehprominenz vorhanden war, trat im Kriminalmuseum auf. Die sechs DVDs dieser Box enthalten 13 Folgen aus den Jahren 1965-1967 mit einer Laufzeit von 901 Minuten. Außerdem gibt es als Bonus ein Interview mit dem Regisseur Erich Neureuther, der viele Fernsehfilme inszeniert hat.

Von 1963 bis 1970 wurden insgesamt 41 Folgen von „Das Kriminalmuseum“ gesendet. Die Filme waren 60 bis 75 Minuten lang und wurden meist in fünf bis sieben Folgen pro Jahr ausgestrahlt. Sendeplatz war anfangs donnerstags, ab 1965 dienstags und ab 1966 schließlich freitags um 20 Uhr. Seitdem wurde der Freitagabend im ZDF zum festen Krimitermin, fortgesetzt in den Serien „Der Kommissar“, „Der Alte“, „Ein Fall für zwei“ und viele andere. Produziert wurden die Filme von der Intertel Television GmbH, deren Geschäftsführer bis 1968 Helmut Ringelmann war, der viele Jahrzehnte für ZDF-Serien verantwortlich war. Die bis zuletzt erfolgreiche Sendereihe, die Einschaltquoten zwischen 45 und 60 Prozent erreichte, wurde 1968 eingestellt und von „Der Kommissar“ abgelöst. In Aufmachung und im Ambiente, etwa in noblen Grünwalder Millionärsvillen, ähnelt „Das Kriminalmuseum“ bereits deutlich seiner Nachfolgeserie, mit dem Unterschied, dass es noch kein festes Ermittlerteam gibtViele der Schauspieler sind aus beiden Krimireihen bekannt. 1969 und 1970 wurden noch zwei Episoden von „Das Kriminalmuseum“ außerhalb der eigentlichen Reihe gesendet. Die Fälle sind authentisch, jedoch mit veränderten Orts- und Personennamen, eine deutliche Anlehnung an die ARD-Serie „Stahlnetz“. In den frühen Episoden wurden zumeist Fälle aus den „besseren Kreisen“ vorgestellt, erst später kamen dann auch „normale“ Bevölkerungsschichten zum Zug.

Trotz der hohen Einschaltquoten wurde „Das Kriminalmuseum“ 1968 eingestellt. Dem damaligen ZDF-Programmchef Joseph Viehöver wurde vorgeworfen, Intertel-Produktionen aus dem Programm genommen zu haben, weil sein Freund Helmut Ringelmann mittlerweile eine eigene Fernsehproduktionsgesellschaft gegründet hatte, die die Nachfolgeserie „Der Kommissar“ betreute. Wie in dieser erfolgreichen Serie lebt auch „Das Kriminalmuseum“ von großartigen Charakterdarstellern wie Paul Dahlke, René Deltgen, Heinz Engelmann, Alexander Kerst, Kurt Meisel, Günther Neutze, Werner Peters, Günter Pfitzmann, Alfred Schieske, Günther Ungeheuer, Wolfgang Völz, Heinz Weiss, Ivan Desny, Hannelore Elsner, Gustav Fröhlich, Wolfgang Kieling, Paul Klinger, Ruth Maria Kubitschek, Helmuth Lohner, Hubert von Meyerinck, Günther Neutze, Eva Pflug, Wolfgang Preiss, Dunja Rajter, Franz Schafheitlin, Hannelore Schroth, Erik Schumann, Horst Tappert, Gisela Uhlen oder Christian Wolff. Die prominent besetzten Gastrollen trugen wesentlich zum Erfolg der Serie bei und gehörten später ebenso bei „Der Kommissar“, „Derrick“ und „Der Alte“ zum Markenzeichen der Produktionen von Helmut Ringelmann. Auch die später im „Kommissar“ mitwirkenden Darsteller Reinhard Glemnitz, Günther Schramm, Emely Reuer und Rosemarie Fendel sind bereits im „Kriminalmuseum“ zu sehen. Für viele damals junge Nachwuchsschauspieler wie Horst Janson oder Monika Peitsch bedeutete diese Serie ein wichtiges Sprungbrett für ihre spätere Karriere. Im Gegensatz zu anderen Krimiserien wie „Stahlnetz“ oder „Der Kommissar“ sorgt hier ein ganzer Stab von Autoren für mehr Abwechslung in den Geschichten. Viele der Regisseure haben später auch Folgen von „Der Kommissar“ inszeniert.

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