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Das weiße Band Kritik & Meinung

1913 – ein Dorf in Nordeutsch­land. Plötz­lich ereig­nen sich schreck­li­che Dinge, die sich nie­mand erklä­ren kann. Ein­zig die Kin­der schei­nen mehr zu wissen.

Story / Inhalt

Der neue Film von Michael Han­eke erzählt eine düs­tere Kri­mi­nal­ge­schichte, die die Zwei­deu­tig­keit der Welt in ihrer grau­sams­ten Art dar­stellt. Im Zen­trum ste­hen die bekann­ten Per­sön­lich­kei­ten des Dor­fes: Bauer, Pfar­rer, Arzt, Graf – beschrie­ben und erzäh­le­risch dar­ge­stellt durch die Stimme des Dorf­leh­rers (Ernst Jakobi). Am Anfang steht der Reit­un­fall des Dorf­arz­tes (Rai­ner Bock), in des­sen Hof ein Draht­seil gespannt ist, über das sein Pferd stol­pert, und sich dabei das Bein bricht. Der Medi­zi­ner selbst ver­letzt sich schwer und kommt für meh­rere Monate in ein Kran­ken­haus in der Stadt. Kurze Zeit spä­ter pas­sie­ren wei­tere Unfälle, deren Auf­klä­rung für Zwie­tracht und Miss­trauen unter den Dorf­be­woh­nern führt. Die Gewalt macht noch nicht mal vor der Fami­lie des Gra­fen (Ulrich Tukur) halt, der doch der ein­zige Arbeit­ge­ber des Dor­fes ist.

Mei­nung zum Film

Wäh­rend der Lauf der Gescheh­nisse immer dras­ti­scher wird, erfährt der Zuschauer einen Blick hin­ter die Kulis­sen der Dorf­ge­mein­schaft, ange­fan­gen vom kleins­ten Bau­ern (Klaus Man­chen), der nicht wagt, wegen vor­han­de­ner Unge­rech­tig­kei­ten gegen sei­nen Dienst­her­ren auf­zu­be­geh­ren, bis hin zum Pfar­rer (Burg­hart Klauß­ner), der der end­schei­den­den Wahr­heit nicht ins Gesicht bli­cken kann, weil er sich dann mit der Tat­sa­che des eige­nen Ver­sa­gens beschäf­ti­gen müsste.

Das Bild der dama­li­gen Gesell­schaft, das geprägt ist von Neid, häus­li­cher Gewalt, Miss­hand­lun­gen, Inzest, täg­li­chen Ernied­ri­gun­gen, Ras­sis­mus, Klas­sen­den­ken, Affä­ren, Lieb­lo­sig­keit und Des­in­ter­esse, alles sorg­sam ver­steckt unter dem Man­tel der bür­ger­li­chen Gesell­schaft und des unwie­der­frag­ba­ren Gehor­sams, erklärt auch, warum es zwan­zig Jahre spä­ter einem klei­nen Öster­rei­cher gelin­gen konnte, die Mas­sen zu ande­ren, weit­aus schlim­me­ren Greul­ta­ten zu bewegen.

Wäh­rend die schwarz/weißen Bil­der über die Lein­wand huschen und in einem ein Gefühl der Beklem­mung erzeu­gen, all das schon ein­mal selbst erlebt zu haben, ist man doch gespannt wie das Ganze endet. Doch dazu muss der Zuschauer eigene Ermitt­lungs­ar­bei­ten füh­ren, denn obwohl es man­che Hin­weise und sogar einen geäu­ßer­ten Ver­dacht gibt, blei­ben die Gescheh­nisse weit­ge­hend ungeklärt.

Beson­dere Beach­tung ver­dient hier­bei die künst­le­ri­sche Dar­stel­lung der gesam­ten Kin­der­cast, die so rea­lis­tisch wirkt, dass eine Gän­se­haut unver­meid­bar scheint. Allen voran Maria-Victoria Dra­gus, die als Pfar­rersto­cher Klara direkt aus John Car­pen­ters “Dorf der Ver­damm­ten” (1995) ent­sprun­gen zu sein scheint. Aber auch die Erwach­se­nen zei­gen, dass sich ein gro­ßer Teil der deut­schen Schau­pie­le­relite in die­sem Film zusam­men­ge­fun­den hat.

Auch die äußerst künst­le­ri­sche Kame­ra­füh­rung und die teil­weise spär­lich bis ganz feh­lende Beleuch­tung tra­gen dazu bei, dass viele Ereig­nisse sich erst im Kopf des Zuschau­ers ent­fal­ten, was einer detek­ti­vi­schen Leis­tung à la Sher­lock Hol­mes entspricht.

Fazit

Alles in allem ein her­vor­ra­gen­der klas­si­scher Kri­mi­nal­film, der die Gemü­ter bewegt. Zurecht wurde er mit der Gol­de­nen Palme in Can­nes aus­ge­zeich­net, nomi­niert für die Euro­päi­schen Film­fest­spiele und ist ver­mut­lich Deutsch­lands Anwär­ter auf die Oscar-Nominierung 2010. Ob ein so sub­ti­les Kino, in dem einem nicht alles vor­ge­kaut wird, aller­dings in den Staa­ten einen Erfolg ver­zeich­nen kann, mag zwei­fel­haft sein.

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Eure Meinungen & Kommentare

  • Dschengisch Tschokus
    Hast du überhaupt verstanden um was es geht? ;-)

  • x Bambasqax20x
    genau bei uns auch.. waren jetzt die kinder für die unfälle zuständig?

  • Mrs Lynn Emma
    ein meisterwerk !

  • Internet Revolution
    Es ist sehr üblich bei Haneke-Filmen keinen eigenen Soundtrack vorzufinden, weil Haneke gewissermaßen einen Realismus vertritt. Im richtigen Leben wird ja auch nicht Musik automatisch abgespielt, wenn man bspw traurig ist oder irgendetwas schlimmes passiert.

  • Kannelore Hohl
    der film wirkt im kopf, hab ihn auch im fernsehen gesehen und musste anschliessend drüber nachdenken, ist halt kein popcorn-kino, es ging nicht darum, dass die kinder überführt werden wie bei einem krimi, sondern viel mehr was für eine generation unter diesen verlogenen umständen groß gezogen wurde

  • x Ddraig Cymraeg
    Ich finde den Film weder langweilig noch auf einem so hohen Niveau, dass man ihn nicht verstehen würde. Als ich den Film gestern im Ersten sah, war ich enttäuscht, weil man viel mehr aus der Film hätte machen können., v.a. in puncto Soundtrack (der im Prinzip überhaupt nicht vorhanden war). Dass viele Schauspieler Laien sind, merkt man einfach an ihrer Sprechart, das klingt nicht natürlich. Und die Auflösung der Geschichte liegt schon von Anfang an auf der Hand. Ich schaus mir nicht nochmal an.

  • microsoft597
    Dass die Kinder für die mysteriösen Unfälle verantwortlich waren, liegt doch auf der Hand. Dafür gibt es zahlreiche Andeutungen im Film und der Pfarrer wusste das, dafür gibt es auch Beispiele.

  • Bubbufx
    Auf den Chor wurdne noch zusätzliche "Volksstimmen" draufgesetzt, da der klang des Chores zu rein gewesen wäre

  • der Krausi
    22 leute schlafen nachts mit einem weissen band ein

  • Pure79er
    Gestern das erste mal gesehen und war teilweise tief berührt über die hässlichkeit der worte die in diesem Film so manches mal verwendet worden sind. Schockierend, dennoch eine glanzleistung aller Schauspieler...

  • derralf03
    Ja - stimmt. Genau nach diesem Muster ist die Geschichte ausgedacht. Es gibt eben "Freiheit der Dichtung" - das muss man wissen wenn man Filme schaut, sonst verzweifelt man an der Traumfabrik.

  • hammaerst
    Manchmal kann das abstrakte Gerede und das Aufstellen irgendwelche verrückten Thesen schon nerven. Doch lässt sich das Thema der Geschichte auf linearem Weg leider nicht diskutieren. Es lässt sich nunmal nicht alles rationalisieren und runterbrechen, wie in der Mathematik. Was viele Leute wütend dabei wütend macht ist, dass man bei dieser letztlich nie zu einem abschließenden Ergebnis kommt und es also auch keinen Gewinner gibt. Wut und Streitsucht treffen führen hier zu nichts ;-) 

  • derralf03
    Wie ich schon sagte: Ein Film voller ermüdender Klischees. Was wirklich amüsant an einer "Analyse" dieses Films ist - das ist das Aufdecken dieser Platitüden. Das ist Dir mit Deinem Beitrag prima gelungen. Ja, es sind diese pseudointelektuellen Worthülsen wie "gesellschaftliches Klima das Radikalismus ermöglicht", "eine Dynamik, die für alle Beteiligten im Hass endet" etc. pp. die wahrscheinlich auch die "Macher" dieses Werkes nutzen müssten - wenn sie nicht Filme drehen würden.

  • hammaerst
    Obs die Kinder waren oder nicht spielt vermutlich für sich eine untergeordnete Rolle. Haneke sagt selbst: "Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht. Das ist die Grundidee." Niemand in dieser Gesellschat kann entfalten. Jeder versucht sich gegenseitig das Leben schwer zu machen und so ensteht eine Dynamik die für alle Beteiligten im Hass endet. Fazit: Es könnten viele getan haben, denn fast alle haben ein Motiv. Es geht nicht um eine Tätersuche!

  • piathe Wombat
    wir auch :D

  • derralf03
    Sehe ich tatsächlich auch so. Es sind zwar viele Klischees über die "Gesellschaft vor dem 1. WK" die in diesem Film bedient werden - und es gibt auch interessante Ansätze in der Kriminalgeschichte dieses Films, aber gerade mit letzterem wird der Zuschauer allein gelassen. Netter Film - aber genial ist wirklich anders. Autor und Regisseur haben den Kritikern vorgesetzt was sie sehen wollten (eine unter der Oberfläche völlig verdorbene Gesellschaft) und ernten jetzt das Geld dafür

Wie findest Du den Film "Das weiße Band"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!

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