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Der Dialog Kritik & Meinung

Der italo-amerikanische Auto­ren­fil­mer Fran­cis Ford Cop­pola wurde beson­ders durch seine poli­ti­schen Filme berühmt. Seit dem gro­ßen finan­zi­el­len Erfolg von „Der Pate“ konnte er es sich leis­ten, unab­hän­gig vom Hollywood-Mainstream zu arbei­ten. Noch vor dem zwei­ten Teil sei­ner Mafia-Trilogie ent­stand 1973 „Der Dia­log“, pas­send zum Zeit­geist der Watergate-Affäre. Ein Abhör­spe­zia­list wird in eine undurch­sich­tige Intrige ver­wi­ckelt und spä­ter selbst zum Opfer der eige­nen Methoden.

Es ist ein fins­te­res Drama über die Ein­sam­keit eines Man­nes, der sich in der Anony­mi­tät allen über­le­gen fühlt und doch nie­man­dem trauen kann. In die­sem Thril­ler gibt es sehr viele Abhän­gig­kei­ten, die Pri­vat­sphäre wird dabei sys­te­ma­tisch zer­stört. Starre Kame­ra­ein­stel­lun­gen schaf­fen Dis­tanz zu dem Gesche­hen, das einem Expe­ri­ment gleicht und dem Zuschauer die emo­tio­nal dis­tan­zierte Per­spek­tive des Prot­ago­nis­ten ermög­licht. Cop­pola erhielt für seine dra­ma­tur­gi­sche Meis­ter­leis­tung die Gol­dene Palme in Can­nes, was ihm viele Türen in der Film­in­dus­trie öff­nete. Stu­dio­Ca­nal bringt die­sen Thril­ler um das per­sön­li­che Schick­sal eines Abhör­spe­zia­lis­ten erst­mals mit vie­len Extras auf Blu-ray Disc heraus.

Harry Caul (Gene Hack­man) gilt bes­ter Abhör­spe­zia­list von San Fran­cisco. Er ver­fügt über die modernste Tech­nik und ver­rich­tet skru­pel­los sei­nen Job wie jeden ande­ren, auch als wegen sei­ner Erkennt­nisse drei Men­schen getö­tet wer­den. Doch als er ein jun­ges Lie­bes­paar (Cindy Wil­liams, Fre­de­ric For­rest) belau­schen soll und mit­be­kommt, dass sie sich bedroht füh­len, kom­men ihm Zwei­fel an sei­ner Arbeit. Er möchte die Bän­der mit sei­nen Auf­zeich­nun­gen nicht ablie­fern, doch nach einer feucht­fröh­li­chen Party nimmt es ihm ein Call­girl (Eliza­beth MacRae) ab. Als Harry schließ­lich vor der Lei­che sei­nes Auf­trag­ge­bers (Robert Duvall) steht, stellt er fest, dass er die Gesprä­che des abge­hör­ten Paa­res miss­ver­stan­den hat. Die bei­den plan­ten ein Mord­kom­plott gegen den Mann, der ihnen im Weg stand. Sie war seine Frau, er seine Geliebte. Harry fühlt sich schul­dig an sei­nem Tod und erhält bald eine geheim­nis­volle War­nung. Aus dem Täter ist ein Opfer gewor­den. Ver­zwei­felt sucht er zuhause nach Abhör­ge­rä­ten, die auf ihn ange­setzt wer­den. Am Ende sitzt er dem Wahn­sinn nahe in den Trüm­mern sei­ner demo­lier­ten Wohnung.

Vie­les erin­nert an die Watergate-Affäre und spä­te­ren Prak­ti­ken der Stasi, doch der Autor und Regis­seur Cop­pola hatte die Idee zu die­sem Film bereits 1966, inspi­riert von Miche­lan­gelo Anto­nio­nis „Blow up“ und Her­mann Hes­ses „Der Step­pen­wolf“. Fas­zi­nie­rend zeigt der Film die Men­ta­li­tät eines Spe­zia­lis­ten, der pro­fes­sio­nell und skru­pel­los in das Pri­vat­le­ben und die Intim­sphäre sei­ner Mit­bür­ger ein­dringt. Die Opfer sind ihm blind­lings aus­ge­lie­fert und wis­sen nicht, was mit ihnen geschieht. Die­ses Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Täter und Opfer, das sich spä­ter umkehrt, könnte man nicht bes­ser ver­mit­teln. Die Opfer wer­den dis­tan­ziert und neu­tral wie Ver­suchs­tiere im Labor beob­ach­tet. Als sich spä­ter dann das Blatt wen­det, wird Harry Craul des­halb so wahn­sin­nig, weil er im Gegen­satz zu sei­nen Opfern seine Ohn­macht erkennt und genau weiß, was mit ihm geschieht.

Gene Hack­man spielt in einer sei­ner bes­ten Rol­len den eis­kal­ten Harry Caul, der selbst seine Freun­din mehr über­wacht, als dass er sie liebt. Auch in sei­ner eige­nen Woh­nung sind dafür Abhör­ge­räte instal­liert. Seine große Pas­sion ist das Saxo­phon­spiel, die ein­zi­gen sinn­vol­len Klänge, die er selbst pro­du­ziert. Die gewal­tige Macht, die gestoh­lene Klänge haben kön­nen, erkennt er erst, als sie sich gegen ihn rich­tet. Bei­nahe apo­ka­lyp­ti­sche Bil­der zei­gen Cauls Visio­nen als Bil­der und Töne, die ihn ver­fol­gen. In einer Traum­se­quenz stirbt das junge Paar, das spä­ter selbst töten wird. Cop­pola zeigt den Haupt­dar­stel­ler in einer inten­si­ven Cha­rak­ter­stu­die, außer­dem wie er in ein Sys­tem von Abhän­gig­kei­ten ver­strickt ist und selbst Opfer einer Intrige wird. Unter den Dar­stel­lern ist neben Gene Hack­man noch Har­ri­son Ford in einer Neben­rolle am bekann­tes­ten. Viele inter­es­sante Extras wur­den 2011 neu pro­du­ziert und hin­zu­ge­fügt. Neben einem Audio­kom­men­tar von Fran­cis Ford Cop­pola und Wal­ter Murch gibt es Pro­be­auf­nah­men mit Cindy Wil­liams und Har­ri­son Ford sowie Inter­views mit Gene Hack­man und dem Film­kom­po­nis­ten David Shire. „Damals und heute“ bringt mar­kante Schau­plätze des Films in San Fran­cisco im Ver­gleich von 1973 zu 2011. Außer­dem hört man Cop­pola beim Dik­tat sei­nes Skrip­tes und sieht in einer „Nah­auf­nahme“ Sze­nen von den Dreharbeiten.

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