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Der Freischütz Kritik & Meinung

Opern­in­sze­nie­run­gen von der Bühne auf die Kino­lein­wand zu über­tra­gen ist eine schwie­rige Kunst. Denn Kino­gän­ger haben andere Erwar­tun­gen als das tra­di­tio­nelle Opern­pu­bli­kum. Ein Film braucht Aktion und Unter­hal­tung. Des­halb lohnt sich der Auf­wand einer Ver­fil­mung nur bei bekann­ten Opern mit ein­gän­gi­gen Melo­dien. Bis­lang gibt es nur wenige gelun­gene Opern­ver­fil­mun­gen. Eine der bes­ten ist Ing­mar Berg­mans Insze­nie­rung von Mozarts „Die Zau­ber­flöte“ in schwe­di­scher Spra­che im Thea­ter in Drottningholm.

Car­los Saura gelang mit sei­ner Carmen-Verfilmung mit der popu­lä­ren Musik Bizets eine künst­le­ri­sche Neu­schöp­fung. Die jüngste erfolg­rei­che Film­in­sze­nie­rung einer Oper voll­brachte Jens Neu­bert mit Carl Maria von Webers „Der Frei­schütz“. Es ist erstaun­lich, dass die­ses bekann­teste Musik­drama der deut­schen Roman­tik noch nicht frü­her für den Film ent­deckt wurde. Der inter­na­tio­nale Titel „Hunter’s Bridge“ bezieht sich auf Webers ursprüng­li­chen Titel „Die Jägers­braut“. Mit einem rie­si­gen tech­ni­schen Auf­wand und über 600 Lai­en­dar­stel­lern ent­stand diese Filmoper an male­ri­schen Ori­gi­nal­schau­plät­zen im Dres­de­ner Umland um Schloss Moritz­burg und im Natio­nal­park Säch­si­sche Schweiz, wo Weber sich die Wolfs­schlucht­szene vor­stellte. Der erfah­rene Opern­re­gis­seur Neu­bert, der auch das Dreh­buch schrieb, besetzt die Haupt­rol­len mit meist erfah­re­nen Sän­gern wie Franz Grund­he­ber (Otto­kar), Benno Schollum (Kuno), Juliane Banse (Aga­the), Regula Müh­le­mann (Änn­chen), Michael Volle (Kas­par), Michael König (Max), René Pape (Ere­mit) und Olaf Bär (Kilian). Die Ton­auf­nah­men fan­den im Abbey Road Stu­dio in Lon­don statt. Daniel Har­ding diri­giert das renom­mierte Lon­don Sym­phony Orches­tra. Es singt der Rund­funk­chor Ber­lin unter der Lei­tung von Simon Hal­sey. Die Blu-ray Disc von Con­stan­tin Film bringt das Opern­er­leb­nis in bes­ter Bild– und Ton­qua­li­tät auf den hei­mi­schen Flach­bild­schirm. So kann die­ser his­to­ri­sche Stoff mit Webers ein­gän­gi­gen Melo­dien einem jun­gen Publi­kum ver­mit­telt wer­den, das nor­ma­ler­weise nicht in die Oper geht. Außer­dem kann das tra­di­tio­nelle Opern­pu­bli­kum viel Neues in die­sem klas­si­schen Stoff entdecken.

Nach Mozarts „Zau­ber­flöte“ ist „Der Frei­schütz“ die bekann­teste und belieb­teste Oper in deut­scher Spra­che und der Inbe­griff von deut­scher Roman­tik. Sie ver­dankt das vor allem den Stim­mungs­wer­ten und dem volks­tüm­li­chen Cha­rak­ter der Musik, der dem roman­ti­schen Natur­ge­fühl poe­ti­schen Aus­druck gibt. Im Film müs­sen Musik­ge­nie­ßer auch ein­mal in Kauf neh­men, dass die Musik von Ori­gi­nal­ge­räu­schen über­tönt wird. Mit fil­mi­schen Mit­teln lässt sich vie­les ver­wirk­li­chen, was auf der Bühne nicht mög­lich ist. Für die teil­neh­men­den Opern­sän­ger ist es eine inter­es­sante neue Erfah­rung, an einem Dreh­tag bis ins kleinste Detail an einer Szene zu fei­len, die nach­her im Film fünf Minu­ten dau­ert. Es gibt neue sinn­li­che Erleb­nisse wie blaue Fle­cken von ech­ten Fel­sen oder das Rei­ten zu erler­nen. Olaf Bär fin­det, dass der Film mehr Raum für die see­li­schen Kon­flikte der Prot­ago­nis­ten lässt.

Neu­berts Kinoad­ap­tion insze­niert mit viel Liebe zum Detail die dra­ma­ti­sche Geschichte um die Jägers­braut Aga­the, die eigent­lich in Böh­men nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg spielt, vor dem Hin­ter­grund der napo­leo­ni­schen Feld­züge 1813 in und um Dres­den und ver­setzt so das 1821 urauf­ge­führte Werk in seine Ent­ste­hungs­zeit. Wäh­rend der Ouver­türe, in der die musi­ka­li­schen Haupt­mo­tive erklin­gen, wer­den bereits einige Sze­nen des Films vor­weg­ge­nom­men. Sehn­sucht und Hoff­nung auf ein bes­se­res Leben trei­ben die Jäger Max und Kas­par in einen uner­bitt­li­chen Zwei­kampf um Aga­the. Am Ende des roman­ti­schen Mär­chens geht Max als Sie­ger her­vor. Fürst Otto­kar ist bereit, ihn mit Aga­the zu ver­mäh­len, wenn er sich ein Jahr lang als tugend­haf­ter Jäger bewährt. Die Sitte mit den Pro­be­schüs­sen wird schließ­lich end­gül­tig abgeschafft.

Neu­bert nutzt die Vor­teile der Film­tech­nik mit digi­ta­len Effek­ten, etwa wäh­rend Aga­thes Traum oder beim Unwet­ter mit Sturm und Blit­zen in der Wolfs­schlucht, die vol­ler toter Sol­da­ten ist. Zwi­schen den Akten blät­tert eine Hand in der Par­ti­tur. Ori­gi­nell sind an eini­gen Stel­len kurze Sze­nen mit Pup­pen­thea­ter und ein fik­ti­ver Napo­leon, der wäh­rend des Jäger­cho­res einen Ver­trag unter­zeich­net. Die Ton­tech­ni­ker haben her­vor­ra­gende Arbeit geleis­tet, denn die rich­tige dyna­mi­sche Abstim­mung zwi­schen den Musik­spu­ren und den Außen­ge­räu­schen ist schwie­rig. Die Nach­syn­chro­ni­sa­tion der Sän­ger ist meist sehr gut, obwohl Opern­sän­ger nicht die Erfah­rung damit haben wie Inter­pre­ten der Volks­mu­sik. Die Beset­zung der Sän­ger ist ein Glücks­fall. Sie müs­sen hier neben ihren stimm­li­chen Küns­ten noch inten­si­ver und prä­sen­ter als Schau­spie­ler agie­ren als auf der Bühne. Neben den eta­blier­ten Stars wie Juliane Banse, Franz Grund­he­ber oder Olaf Bär ist beson­ders die 25jährige Schwei­ze­rin Regula Müh­le­mann als Änn­chen die Ent­de­ckung. Der Schluss­schwenk zeigt die an den Grand Can­yon erin­nern­den Tafel­berge des Elb­sand­stein­ge­bir­ges beim roman­ti­schen Mondschein.

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Eure Meinungen & Kommentare

  • Kami091190
    mich würde mal interessieren wie viele leute auf das video oder vielmehr auf die oper gestoßen sind allein durch das Hellsing OVA.

  • vidiegoquam
    Ob und wann eine US-Premiere geplant ist?

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