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Die Bibel – Das große TV-Epos Kritik & Meinung

Die Bibel, für viele das „Buch der Bücher“, liefert mit seinen Helden und Geschichten ausgezeichnete Vorlagen für Verfilmungen. Nicht nur für Gläubige bieten die Schriften aus jüdischer und christlicher Tradition eine Sammlung allgemeingültiger Lebensweisheiten und historischer Erzählungen. Die ersten Bibelverfilmungen stammen bereits aus der Stummfilmzeit. Mit dem Aufkommen des Breitwandbildes folgten zahlreiche epische Monumentalfilme mit biblischen Stoffen wie Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“.

Die meisten Bibelfilme enthalten Kampf- und Massenszenen vor gigantischen Kulissen. Sie dienen eher der Unterhaltung und wollen nicht zum Glauben bekehren oder eine Ersatzpredigt sein. Die Bibellektüre kann durch sie nicht ersetzt, aber zumindest angeregt werden. Zusätzlich zu den bisherigen größeren Verfilmungen erscheint jetzt eine amerikanische TV-Serie erstmals in Deutschland auf Blu-ray Disc. Von der Genesis bis zur Geheimen Offenbarung erzählt „Die Bibel – Das große TV-Epos“ die bekanntesten Geschichten des Alten und Neuen Testaments im gut konsumierbaren Format einer Miniserie. Twentieth Century Fox Home Entertainment präsentiert „Die Bibel – Das große TV-Epos“ mit insgesamt zehn Episoden zu je etwa 50 Minuten Länge in einer Edition mit vier Blu-ray Discs. Außerdem ist die Serie als Digital HD auf iTunes, Maxdome, Xbox Video, Sony Playstation Entertainment Network, Amazon Instant Video und Videoload erhältlich. Es ist sehr löblich, dass das kommerzialisierte US-Fernsehen neben viel Sex und Gewalt auch einmal auf ein religiöses Thema zurückgreift. Jugendfrei sind die Filme dennoch nicht, sondern von der FSK erst ab 16 Jahren empfohlen. Das ist nicht verwunderlich bei den vielen blutrünstigen Geschichten im Alten Testaments und bei der Passion Jesu. Das ist auch der große Vorteil dieser epischen Serie gegenüber den meist einteiligen monumentalen Bibel-Verfilmungen, dass sie die wichtigsten Geschichten beider Bücher von den Büchern Mose mit der Genesis bis zur Geheimen Offenbarung des Johannes enthält und somit die größte Geschichte, die je erzählt wurde, als großes TV Event in epischer Breite darstellen kann. Zusätzlich zu den über 500 Minuten Film wird exklusives Bonusmaterial geboten, darunter mehrere Featurettes, diverse Making-ofs und Musikvideos.

Diese Umsetzung der größten Geschichte aller Zeiten besticht mit fesselnden Charakteren, atemberaubenden Schauplätzen und spektakulären Spezialeffekten im Stil des großen Hollywood-Kinos, wie man sie in dieser Dichte noch selten gesehen hat. „Die Bibel“ haucht den dramatischen Legenden von Glaube, Liebe und Hoffnung neues Leben ein und erzählt die biblischen Ereignisse wie nie zuvor und lässt dabei kein wichtiges Ereignis aus, von der Erschaffung der Welt über Noahs Arche bis zur Geburt, Kreuzigung und Wiederauferstehung von Jesus Christus. Die Produzenten Mark Burnett („Survivor“) und Roma Downey sowie drei Regisseure sind für diese Neuerzählung der wichtigsten biblischen Geschichten verantwortlich. Faszinierende Bilder und Aufnahmen zeichnen die hochwertige und moderne Produktion aus. Fans von Historien-Verfilmungen und Serien kommen hier definitiv auf ihre Kosten oder den Geschmack. Neben dem portugiesischen Fotomodell und Schauspieler Diogo Morgado in der Rolle des Jesus von Nazareth, der im Gegensatz zu vielen todernsten Jesusdarstellern öfters lächelt, spielt Roma Downey selbst die Rolle der Maria. Nach der erfolgreichen Ausstrahlung in den USA erreichte die „Die Bibel – Das große TV-Epos“ auch bei VOX in Deutschland ein Millionenpublikum und kann jetzt erstmals in HD-Qualität an den heimischen Bildschirmen erstrahlen.

An langen Winterabenden ist es sinnvoll, Vergleiche mit bisherigen Bibel-Verfilmungen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten anzustellen. Hierfür bieten sich neben einer internationalen 1993 bis 2002 entstandenen von der Kirch-Gruppe in Auftrag gegebenen dreizehnteiligen Serie, die jeweils eine biblische Person in den Mittelpunkt stellt, drei monumentale Breitwandepen mit je drei Stunden Spieldauer an, die ebenfalls in bestechender Farbbrillanz und bester Tonqualität auf Blu-ray Disc erschienen sind. Während in der Kirch-Produktion mehr die Detailtreue mit mehr Erzählung und Dialogen im Vordergrund stehen, glänzt die amerikanische TV-Serie eher durch ihre aktionsgeladenen Kampfszenen, deren Wirkung oft durch Zeitlupe noch verstärkt wird.

Ebenfalls bei Twentieth Century Fox Home Entertainment ist der Kinofilm „Die Bibel“ erschienen, der von der Hollywood-Legende John Huston („Die Spur des Falken“) 1966 auf Sizilien und in römischen Studios produziert wurde. Zu sehen sind die ersten 22 Kapitel des ersten Buches Mose aus dem Alten Testament. Mit getragener Stimme rezitiert Ernst Wilhelm Borchert („Die Mörder sind unter uns“) in der deutschen Synchronfassung die Schöpfungsgeschichte. Der renommierte Fotograf Ernst Haas liefert dazu eindrucksvolle Bilder aus der Natur, um das Chaos und die Entstehung der Arten zu visualisieren. Bei dem großen Umfang der Genesis-Erzählung können nur die wichtigsten Ereignisse episodenhaft vorgestellt werden, viele Generationen werden übersprungen. Nach der Erschaffung von Adam und Eva, dem Garten Eden und der Versuchung durch die Schlange folgt Kains Brudermord. Ausführlich wird Noah mit der Arche vorgestellt, überzeugend verkörpert von John Huston selbst. Es ist beeindruckend, wie der Turmbau zu Babel oder das Inferno von Sodom und Gomorrha ohne digitale Tricks verwirklicht sind. Detailliert folgt zuletzt die Geschichte um Stammvater Abraham (George C. Scott) und seine Frau Sara (Ava Gardner). Die Schlussszenen gelten dem verhinderten Opfertod Isaaks. Huston gelingt eine ruhige und dem Sujet angemessene würdevolle Darstellung.

Weitere Filme widmen sich ausschließlich dem Leben Jesu. Bei Warner Bros. erscheint „König der Könige“, 1961 unter der Regie von Nicholas Ray („Denn sie wissen nicht, was sie tun“) in Spanien entstanden. Es ist die erste Verfilmung des Lebens Jesu als Tonfilm und in Farbe, gedreht auf 70-mm-Film im Breitbildformat. Spektakuläre Massenszenen mit Tausenden von Statisten und die leitmotivische Musik von Miklós Rózsa prägen diesen Film. Jesus, dargestellt vom rotblonden und blauäugigen Jeffrey Hunter, hat mit Ausnahme der Bergpredigt relativ wenig zu sagen. Dafür wird das soziale und politische Umfeld in Palästina zur Zeit der römischen Besatzung ausführlich dargestellt. Manchmal scheinen das Leben im Palast des Königs Herodes oder die Aufstände der Juden unter ihrem Anführer Barabbas das biblische Geschehen um Jesus und seine Jünger etwas in den Hintergrund zu drängen. Als Bonus gibt es Bilder von den Dreharbeiten und von den Premieren in New York und Los Angeles.

Näher an der biblischen Erzählung orientiert hat George Stevens („Giganten“) 1965 im US-Bundesstaat Utah das Leben Jesu in „Die größte Geschichte aller Zeiten“ verfilmt. Der Schwede Max von Sydow verkörpert einen würdevollen, ernsten und sensiblen Jesus. Viele wörtliche Bibelzitate lassen Raum für eigene Interpretationen. Wie in den meisten Jesus-Biografien erfolgt auch hier nach der Geburt ein Zeitsprung von fast 30 Jahren. Es folgen die Taufe im Jordan, vierzig einsame Tage in der Wüste mit der Versuchung durch den Satan, Wunder, Bergpredigt und die zwölf Jünger. Abendmahl und Passion machen in beiden Filmen fast ein Drittel aus. „Die größte Geschichte aller Zeiten“ hat auch in den Nebenrollen eine erstklassige Besetzung mit Oscar-Gewinnern wie Charlton Heston (Johannes der Täufer), Telly Savalas (Pontius Pilatus), Sidney Poitier (Simon) oder John Wayne (Römischer Zenturio). Das Bonusmaterial enthält eine Dokumentation über den Regisseur, entfallene Szenen und den Kinotrailer.

Fazit: Vier hervorragende Bibelverfilmungen erstmals in HD-Qualität, daneben die Serie der Kirch-Gruppe bei StudioCanal auf DVD erschienen, die sich wegen ihrer verschiedenen Schwerpunkte und Stärken hervorragend ergänzen.

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