Die Rebellin Kritik & Meinung
In der Reihe „Große Geschichten“ präsentiert Studio Hamburg mit „Die Rebellin“ eine ZDF-Produktion von 2008. Der Dreiteiler mit 275 Minuten Spielzeit ist mit vielen bekannten Gesichtern besetzt, die man bisher eher in anderem Zusammenhang kennt. So spielt Ulrike Folkerts ausnahmsweise einmal nicht Lena Odenthal und Sebastian Bezzel nicht den Kollegen Kai Perlmann der Konstanzer Tatort-Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes).
Hauptentdeckung ist jedoch die talentierte Alexandra Neldel, die als Lena Berkow eine mutige und unternehmenslustige Frau verkörpert, wie sie auch in Fernsehfilmen über Margarete Steiff oder Bertha Benz vorkamen. Regisseurin Ute Wieland schwärmt von der Hauptdarstellerin, da sie ein „altmodisches“ Gesicht hat, das in die 1950er Jahre passt, aber auch einen modernen Frauentyp in einer Zeit spielen kann, als Frauen meist noch an Heim und Herd gebunden waren. Gedreht wurde der Dreiteiler in Tschechien, weil es dort noch Schauplätze gibt, die dem zerstörten Nachkriegsdeutschland sehr ähneln. Außerdem bietet ein renommiertes Filmstudio die Infrastruktur, die auch schon größere US-Produktionen mit Erfolg nutzten.
Schon als Kind spürt Lena Berkow am Arbeitsplatz ihres Vaters eine große Faszination für Technik, besonders für Fernsehgeräte. Ihr Vater Gustav (Dominique Horwitz) entwickelte bei den Nazis in einem geheimen Forschungslabor für Hochtechnik angeblich die Technik für das neue Medium. Lena träumt vom fernen Amerika und hat die Vision vom Fernsehen für jedermann. Als ihr Vater nach einem Bombenangriff sterbend in Lenas Armen liegt, werden seine letzten Worte Lenas Schicksal für immer bestimmen. Er hinterlässt ihr sein Notizbuch mit geheimen Bauplänen und den Namen Sattler (Friedrich von Thun), der ihm angeblich eine große Summe Geld schuldet. Sie möchte unbedingt das Lebenswerk ihres Vaters vollenden. Doch zunächst gilt es viele Hürden, Enttäuschungen und Intrigen zu bewältigen. Sehr einfühlsam wird die Lebensgeschichte dieser mutigen Frau geschildert, die ihren Weg beharrlich trotz der größten Widerstände geht. Auch als das Geheimnis gelüftet wird, dass sie gar nicht Tochter ihres angeblichen Vaters ist, der im Dritten Reich statt an Fernseher für Kriegswaffen forschte, lässt sie sich nicht abbringen, ihren Traum vom Fernsehgerät für Jedermann zu verwirklichen. Dazu entwickelt sie ein kompaktes Fernsehgerät mit Fernbedienung, das für weniger als 800 Mark für jeden erschwinglich sein soll und per Versandkatalog vertrieben werden soll. Neben familiären Problemen – eine kranke Schwester und ein betrügender Ehemann – muss sie auch noch einen Kredit für ihr fast insolventes Unternehmen besorgen und streikende Arbeiter beschwichtigen. Schließlich erreicht sie ihr Ziel und kommt in Amerika an. Sehr realistisch sind hier die 1950er Jahre mit BMW Isetta und Cha Cha Cha eingefangen, die Kinderstube des noch jungen Nachkriegsdeutschlands, als noch die Besatzungsmächte streng alle Aktivitäten deutscher Unternehmen kontrollierten. Dazu gehörten vor allem auch die mächtigen Medien wie Presse und Fernsehen. Dadurch dauerte es in Deutschland länger als in den USA, Frankreich oder England, bis sich das neue elektronische Medium durchsetzen konnte. 1957 wurde erstmals die Millionenmarke erreicht, und ab 1959 wurde das Fernsehen zum Massenmedium. 1960 gab es bereits über drei Millionen Geräte und 1961 weltweit 100 Millionen Fernsehteilnehmer.
Fazit: Die Geschichte einer technikbegeisterten, jungen Frau im Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre wurde im ZDF zu einem Quotenhit. Dafür sorgte auch die dem Fernsehpublikum bekannte Besetzung mit Alexandra Neldel, Friedrich von Thun, Anna Fischer, David Rott, Rosel Zech, Dominique Horwitz, Ulrike Folkerts, Michael Mendl und Vadim Glowna. Anna Fischer erhielt 2009 den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Nebenrolle“ als Lenas Schwester Betty. Wie bei den „Großen Geschichten“ üblich bietet Studio Hamburg wieder ein umfangreiches Bonusmaterial mit einem Booklet, exklusiven Einblicken in die Dreharbeiten, Alexandra Neldel bei „Leute heute“ und David Rott im „ZDF Morgenmagazin“.
von Johannes Kösegi
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