Die unendliche Geschichte Kritik & Meinung
In der Übergangszeit zwischen seiner deutschen und amerikanischen Phase inszenierte Wolfgang Petersen 1983 einen Kinofilm von Michael Endes Bestseller „Die unendliche Geschichte“. Der Roman wurde in über 20 Sprachen übersetzt, erhielt viele Auszeichnungen und ist ein Kultbuch, das von Erwachsenen ebenso wie von Kindern und Jugendlichen gelesen wird. Endes zentrales Thema ist das Verhältnis von Realität und Fantasie. Kunst und Poesie sind hier Medien der Selbst– und Welterfahrung. Die Fantasie ist eine Möglichkeit, die Realität zu verändern.
Bernd Eichinger erkannte in diesem Stoff eine ideale Vorlage für großes Kino und investierte rund 60 Millionen DM in eine europäische Großproduktion, um dem übermächtigen Hollywoodsystem Paroli bieten zu können. Für die weltweite Vermarktung wurde mit Muttersprachlern auf Englisch gedreht. Das Ergebnis ist mehr als nur eine industrielle Filmproduktion aus der Retorte. In einer Zeit, als es die Computeranimation im Filmgeschäft noch nicht gab, scheute Regisseur Petersen keinen Aufwand für Tricks wie den Ritt auf dem Drachen oder Laserkanonen. Die technische Perfektion ist jedoch kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zur filmischen Adaption von Endes zeitloser und spannender Geschichte. Somit bekommt der Zuschauer ein fantastisches Universum für seine eigenen Träume geboten. Michael Ende, ausgebildeter Schauspieler und Sohn eines surrealistischen Malers, hat sich das in seiner Fantasie wohl etwas anders vorgestellt. Nachdem er das Projekt anfänglich unterstütze, distanzierte er sich später davon und kritisierte „zu wenig Fantasie, banal statt magisch“ und nannte das Ergebnis eine „unsägliche Geschichte“. Der überwältigende Kinoerfolg gab ihm nicht Recht. Jetzt im Abstand von fast 30 Jahren kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. Universum Film bringt „Die unendliche Geschichte“ erstmals in HD-Qualität auf Blu-ray Disc heraus. Der Aufwand hat sich gelohnt, den Unterschied zeigt am besten der Vergleich des Hauptfilmes mit dem Trailer, der noch in geringer Auflösung ist.
Erzählt wird etwa die erste Hälfte des Romans. Der etwas verträumte Schüler Bastian (Barrett Oliver) wird von seinen Mitschülern verspottet. In einem Antiquariat stößt er eines Tages auf ein geheimnisvolles Buch, dessen Titel „Die unendliche Geschichte“ immer währendes Träumen verspricht. Er leiht es sich aus und vertieft sich auf dem Schulspeicher immer mehr in seine Lektüre. Berichtet wird vom Land Fantásien, das vom alles zerfressenden Nichts bedroht wird. Die kindliche Kaiserin (Tami Stronach) ist bereits schwer erkrankt. Die Hoffnung der skurrilen Wesen, die Fantásien bevölkern, ruht nun auf Atréju (Noah Hathaway), einem Altersgenossen Bastians, der das Land retten soll. Atemlos verfolgt Bastian Atréjus Flucht vor dem Höllenhund Gmork, seine Begegnung mit der weisen Schildkröte Gmorla, den Kampf gegen den Sumpf der Hoffnungslosigkeit und die Rettung durch den Glücksdrachen Fuchur. Immer mehr fühlt sich Bastian als Grenzgänger zwischen der Fantasiewelt und der Menschenwelt in die Geschichte hineingezogen. Schließlich taucht er darin ein und kann in einem glücklichen Ende die Kaiserin und das Land retten, weil er sich zur Fantasie und zu den Träumen bekennt.
Petersen hat aus Endes Roman einen unterschwellig politischen Film gemacht. Denn die Zerstörung des Reiches Fantásien durch das Nichts erinnert mit seinen apokalyptischen Bildern an die Auswirkungen von Kernwaffentests. Interessant ist der 45-minütige Bonusfilm „60 Millionen für Fantásien – Wie die unendliche Geschichte ins Kino kam“. SPIEGEL-Autor Wilhelm Bittorf zeigt in dem Beitrag für den Süddeutschen Rundfunk von 1984 Szenen von den Dreharbeiten mit den damaligen technischen Möglichkeiten einer industriellen Filmproduktion, die es mit Hollywood aufnehmen wollte und dafür keine Kosten und Mühen scheute.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Gerald McRaney
als Bastian's FatherNoah Hathaway
als AtreyuDeep Roy
als Teeny Weeny-
Barret Oliver
als Bastian










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