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Drei neue Tatort-Boxen bei Walt Disney Studios Kritik & Meinung

Tatort-Freunde kön­nen sich bereits kurz nach den letz­ten Neu­er­schei­nun­gen über die bereits zwölfte Ver­öf­fent­li­chungs­welle mit neuen Fol­gen der belieb­tes­ten deut­schen Fern­seh­kri­mis freuen. Walt Dis­ney Stu­dios ver­öf­fent­licht drei neue Boxen, zwei davon als limi­tierte Son­der­edi­tio­nen. Ein beson­de­rer Höhe­punkt ist der von vie­len lange erwar­tete erste Teil der Schimanski-Komplettbox. Der von Götz George unnach­ahm­lich ver­kör­perte harte Ruhrpott-Kommissar löste inner­halb der Tatort-Reihe mit sei­nem Kol­le­gen Than­ner (Eber­hard Feik) 27 Fälle.

Die 14 ers­ten Fol­gen sind in der ers­ten Box ent­hal­ten, davon sind sie­ben noch nicht auf DVD erschie­nen. In einem oft har­ten und schnodd­ri­gen Äuße­ren steckt bei Horst Schi­man­ski oft ein wei­cher Kern. Beson­ders wenn es um das schöne Geschlecht geht, wird er oft schwach. Mit den Ver­bre­chern dage­gen lie­fert er sich bei sei­nen oft lebens­ge­fähr­li­chen Ein­sät­zen in sei­ner aus­ge­franz­ten Feld­ja­cke gefähr­li­che Ein­sätze, in denen er aus­tei­len und ein­ste­cken muss. Das umfang­rei­che Bonus­ma­te­rial wurde wie­der sorg­fäl­tig aus­ge­wählt und zeigt unter ande­rem, was aus der legen­dä­ren Duis­bur­ger „Schimanski-Kneipe“ gewor­den ist, außer­dem gibt es Inter­views und viele Doku­men­ta­tio­nen rund um die beliebte Kri­mi­se­rie, ihre Macher und Dar­stel­ler. Von den über 1200 Minu­ten an span­nen­der Fern­seh­un­ter­hal­tung sind viele Fol­gen mit Unter­ti­teln für Hör­ge­schä­digte ausgestattet.

Zwei wei­tere inter­es­sante Boxen mit je drei Fäl­len ergän­zen die Schimanski-Box und erwei­tern den Bestand an Tatort-DVDs von Dis­ney und dem RBB auf ins­ge­samt 146 unter­schied­li­che Fol­gen. Die Fans sind begeis­tert von den DVD-Veröffentlichungen der ältes­ten und belieb­tes­ten Krimi-Reihe im deut­schen Fern­se­hen, was die große Reso­nanz bei der Wahl zur Fan-Box zeigte. Denn trotz zahl­rei­cher Wie­der­ho­lun­gen, die fast täg­lich in den drit­ten Fern­seh­pro­gram­men lau­fen, bie­ten die DVDs viele Vor­teile wie zeit­un­ab­hän­gige Ver­füg­bar­keit und inter­es­san­tes Bonus­ma­te­rial aus den Archi­ven der ARD-Sender.

Bei der Aus­wahl der neuen Ver­öf­fent­li­chungs­welle ste­hen neben der Beliebt­heit der Ermitt­ler­teams (Schi­man­ski, Oden­thal) drei pro­mi­nente Gast­auf­tritte im Mit­tel­punkt, dar­un­ter ein Zeit­ge­nosse, den man gar nicht als Tatort-Darsteller erwar­ten würde. Nütz­li­che und inter­es­sante Extras ergän­zen die Fol­gen auf den DVDs, dar­un­ter einige län­gere Doku­men­ta­tio­nen wie „Die legen­dä­ren Tatort-Kommissare“ und „Titel­ge­schich­ten – Taten, Orte, Kom­mis­sare“. In „Tat­ort muss nicht Dreh­ort sein – Wo Tatort-Krimis wirk­lich ent­ste­hen“ wird ver­ra­ten, dass die Kri­mis oft gar nicht dort ent­ste­hen, wo sie spie­len sol­len. Von „Dreh­ar­bei­ten aus Sicht eines Requi­si­teurs“ und einem Por­trät des Tatort-Erfinders Gün­ter Witte, der als Dra­ma­turg am Thea­ter in Karl-Marx-Stadt begon­nen hat, han­deln wei­tere Bei­träge. Neben Doku­men­ta­tio­nen zu den Dreh­ar­bei­ten gibt es als beson­de­ren Ser­vice Per­so­nal­ak­ten eini­ger Kom­mis­sare mit Anga­ben zu Per­son, Team, Akti­vi­tä­ten nach Dienst­schluss, Ein­satz­ort, Arbeits­weise und einer abschlie­ßen­den Beur­tei­lung. Selbst­ver­ständ­lich bekom­men alle Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sare ein gutes Zeug­nis, wenn auch in roter Farbe einige Schwä­chen auf­ge­führt sind, ohne die kein Mensch auskommt.

Die „Odenthal-Box Vol. 2“ bringt drei der bes­ten Fälle der belieb­tes­ten und dienst­äl­tes­ten Ermitt­le­rin aus Lud­wigs­ha­fen, Lena Oden­thal, seit 1989 dar­ge­stellt von Ulrike Fol­kerts. In den frü­hen Fäl­len begeis­tern unter­schied­li­che Kol­le­gen wie Ben Becker als jun­ger Poli­zist in der Pro­vinz, wo es einen „Tod im Häcks­ler“ (1991) zu erklä­ren gibt. Zwei Jahre nach sei­nem Ver­schwin­den fin­den Kin­der im Wald die Lei­che eines Rumä­ni­en­aus­sied­lers. Wie so oft in der­ar­ti­gen Land­kri­mis ste­hen die Ermitt­ler aus der Stadt in der Dorf­ge­mein­schaft einer Mauer des Schwei­gens gegen­über. „Schlaf­lose Nächte“ (1996) beginnt mit einem aus­ge­las­se­nen Abitur­fest. Die Gym­na­si­as­tin­nen fei­ern, wäh­rend drau­ßen eine Schü­le­rin auf der Ter­rasse war­tet. Kurz dar­auf ist sie in die Tiefe gestürzt und tot. Noch wäh­rend Lena Oden­thal rät­selt, ob es Mord oder Selbst­mord war, geschieht ein zwei­ter Mord. In „Der glück­li­che Tod“ (2008) wird wie oft im Tat­ort eine aktu­elle Pro­ble­ma­tik behan­delt. Eine Frau wurde ermor­det, die für einen Schwei­zer Ster­be­hil­fe­ver­ein gear­bei­tet hat. Sie war angeb­lich in ille­gale Geschäfte ver­wi­ckelt. Der Fall treibt Lena und ihren Kol­le­gen Kop­per (Andreas Hoppe) an die Grenze der Belastbarkeit.

Eine lange Tra­di­tion haben pro­mi­nente Gast­auf­tritte im Tat­ort. Neben hoch­ka­rä­ti­gen Schau­spie­lern wie Curd Jür­gens waren auch immer wie­der all­seits bekannte Gesich­ter zu sehen, die man in ganz ande­ren Zusam­men­hän­gen kennt. Die limi­tierte Tatort-Box „Star-Auftritte“ prä­sen­tiert drei Fol­gen mit hoch­ka­rä­ti­ger deut­scher Star­be­set­zung: Cha­rak­ter­dar­stel­le­rin Monica Bleib­treu steht 1974 in „Der Mann aus Zim­mer 22“ mit Hans-Jörg Felmy als Kom­mis­sar Hafer­kamp noch am Anfang ihrer Kar­riere. Eine junge Frau wird in ihrem Hotel­zim­mer ermor­det. Der Zeuge schweigt, obwohl er den Täter erkennt, denn er traf sich im Neben­zim­mer heim­lich mit sei­ner Gelieb­ten, der Frau eines Kol­le­gen. Der öster­rei­chi­sche Oscar-Preisträger Chris­toph Waltz stellt als Inspek­tor Pas­sini im Wie­ner Fall „Wunsch­los tot“ sein Kön­nen unter Beweis. Die Auf­klä­rung des Todes einer alten Frau führt die Wie­ner Ermitt­ler in die Dro­gen– und Rot­licht­szene. Mög­li­che Zeu­gen schwei­gen aus Angst oder wer­den nicht ernst genom­men. Doch Pas­sini ahnt die Hin­ter­män­ner und lässt nicht locker. Einen lus­ti­gen Cameo-Auftritt hatte 1999 Fuß­ball­trai­ner Berti Vogts in der Folge „Hab­gier“ mit den belieb­ten sin­gen­den Ham­bur­ger Ermitt­lern Stoever und Brock­möl­ler. Als auf­merk­sa­mer Beob­ach­ter ver­hin­dert er einen Woh­nungs­brand beim Nach­barn. Doch den Mord an einer Kin­der­psy­cho­lo­gin kann auch er nicht ver­hin­dern. Die Kom­mis­sare fin­den her­aus, dass sie einem Ver­bre­chen auf der Spur war.

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