Die Päpstin Kritik & Meinung
Eine Frau als Papst scheint so wahrscheinlich wie ein Mann als Chefredakteur der feministischen Zeitschrift „Emma“. Doch es gibt eine, was die Wahrheit betrifft, der Artus-Geschichte ähnliche Sage, nach der es wirklich einmal eine Frau – als Mann verkleidet – ins höchste Amt der römischen Kirche geschafft haben soll. Der Glaube daran wurde zusätzlich genährt durch den millionenfach verkauften Weltbestseller „Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross.
Der Regisseur Sönke Wortmann, bisher vor allem durch Komödien („Der bewegte Mann“) oder Fußballfilme („Das Wunder von Bern“, „Deutschland – Ein Sommermärchen“) bekannt geworden, hat diese historisch zweifelhafte Geschichte filmisch so spannend umgesetzt, dass man meinen könnte, sie habe sich wirklich so zugetragen.
Im Jahre 814 wird Johanna in Ingelheim bei Mainz als Tochter eines Pfarrers geboren, was damals in der alten Kirche noch wie heute nach der Reformation wieder nichts Besonderes war und ist. Der strenge Vater sieht Bildung für Mädchen als Verschwendung und will sie ihr vorenthalten. Doch die wissbegierige und intelligente Johanna lässt sich von ihrem älteren Bruder ausbilden und überragt bald alle in ihren Latein– und Griechisch-Kenntnissen. Gegen den Willen ihres Vaters kommt sie in die Mainzer Domschule und wird in die Familie des Grafen Gerold aufgenommen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art Vater-Tochter-Verhältnis. Als sie mit einem ungebildeten Handwerksgesellen zwangsverheiratet werden soll, flüchtet sie ins Benediktinerkloster in Fulda, nachdem sie sich als Mann verkleidet hat. Sie wird dort medizinisch ausgebildet. Kurz bevor sie enttarnt wird, kann sie flüchten und kommt schließlich ihrer Berufung folgend nach Rom in den Vatikan, wo sie es, immer noch als Mann verkleidet, bis zum Leibarzt des schwer gichtkranken Papstes bringt. Der Zufall will es, dass ihre Jugendliebe Gerold mit den kaiserlichen Truppen nach Rom kommt, Johanna wieder erkennt und sich in sie verliebt.
Als der Papst gestorben ist, wird sie als Nachfolger vorgeschlagen, und sie ist hin– und hergerissen zwischen der Liebe zu Gerold, von dem sie schwanger wird, und dem Papstamt, an dem sie schließlich scheitert. Ihr Hauptwidersacher vernichtet alle überlieferten Tatsachen von ihr, so dass heute keine schlüssigen Dokumente zu ihrer Amtszeit, die von 853 bis 855 gedauert haben soll, mehr existieren. Ob alles nur eine fromme Legende ist oder ob die Abenteuer der Johanna tatsächlich auf Fakten beruhen, lässt sich damit nicht mit Gewissheit sagen, und man wird es wohl niemals herausfinden können.
Die Hauptzeit des Filmes widmet sich der Kindheit und Jugend Johannas. Dabei ist das Frauenbild im mittelalterlichen christlichen Abendland interessant, das es noch heute in anderen Kulturkreisen gibt. Was den Film auszeichnet, sind neben der spannenden Geschichte die teils hervorragenden Schauspieler. In der internationalen Produktion, die in der Eifel, in Sachsen-Anhalt und Marokko auf Englisch gedreht wurde, sei besonders Johanna Wokalek in ihrer Hosenrolle als „Papst Johannes Anglicus“ erwähnt, die bereits auf der Bühne (Burgtheater Wien) und im Film („Barfuß“, „Der Baader Meinhof Komplex“) auf sich aufmerksam gemacht hat.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
John Goodman
als GeroldJohanna Wokalek
als Johanna von Ingelheim











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