Berlin 36 Kritik & Meinung
Nicht erst seit den Olympia-Boykotten von 1980 (Westen außer Großbritannien) in Moskau und 1984 (Ostblock außer Rumänien) in Los Angeles ist bekannt, dass Sport und Politik nicht voneinander zu trennen sind. Besonders totalitäre Regime wollen mit erfolgreichen Sportlern die Welt von ihrer Überlegenheit überzeugen. Erstmals ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit kam dies 1936, als die Nationalsozialisten in Berlin die Olympischen Spiele ausrichteten und sich weltoffen, friedlich und tolerant geben wollten.
Im Vorfeld gab es jedoch Probleme, als die US-Mannschaft mit Boykott drohte, sollten für Deutschland keine jüdischen Sportler starten dürfen. Besonders betroffen davon war die damals überragende jüdische Hochspringerin Gretel Bergmann, eine Anwärterin auf die Goldmedaille. Die deutschen Sportfunktionäre holten sie zwar aus ihrem englischen Exil zurück ins deutsche Trainingslager. Doch um den Sieg einer jüdischen Sportlerin zu verhindern, wollten sie einen männlichen Athleten als Frau gegen sie starten und gewinnen lassen. Die Amerikaner bemerkten dieses Spiel der Nazis nicht und ließen ihre Sportler starten. Ihr damaliger Kommissions-Chef Avery Brundage, der 1972 in München als IOC-Präsident nach dem Attentat auf jüdische Sportler mit dem Satz „The games must go on“ berühmt wurde, war der naiven Meinung, dass die Spiele den Athleten und nicht den Politikern gehörten.
Wenn auch die Nazis in ihrem Rassenwahn nicht verhindern konnten, dass der dunkelhäutige US-Amerikaner Jesse Owens vier Goldmedaillen holte, so wollten sie doch in ihrer eigenen Mannschaft die Überlegenheit der „arischen“ Rasse zeigen. Dafür war ihnen jedes Mittel recht, auch einen Mann bei den Frauen starten zu lassen. Ein Trainer, der Gretel nicht „wettkampfunfähig“ machen will, wird gegen einen linientreuen ausgewechselt, der das Mobbing gegen sie unter den anderen Sportlerinnen noch anstachelt. Erst als Gretel zufällig beim Duschen erfährt, dass Marie ein Mann ist, verbünden sich die beiden Rivalinnen allmählich und widersetzen sich dem zynischen, menschenverachtenden System der Nazis.
Gretel darf schließlich bei Olympia nicht starten, da sie angeblich verletzt ist und Marie tut den NS-Funktionären absichtlich nicht den Gefallen, zu gewinnen, sondern wird nur Vierte.
Diese wahre Geschichte basiert auf der Autobiographie von Gretel Bergmann, die heute in New York lebt. Mit viel Feingefühl hat Kaspar Heidelbach die Geschichte inszeniert. Besonders das ungewöhnliche Verhältnis der beiden Außenseiterinnen im Trainingslager, der Jüdin Gretel Bergmann (Karoline Herfurth) und der männlichen Marie Ketteler (Sebastian Urzendowsky) wird durch die überragende Leistung der beiden Protagonisten eindringlich vermittelt.
Verfilmungen mit Stoffen aus der Frühzeit des „Dritten Reiches“ sind ziemlich selten, die meisten setzen erst Ende der Dreißiger Jahre mit dem Kriegsausbruch ein. Mit realistischen, detailgenauen Bildern und wie koloriert wirkenden Farben wird hier der historische Stoff umgesetzt. Auf Massenszenen im Stile Leni Riefenstahls wird bewusst verzichtet, es dominieren eher Großeinstellungen und Nahaufnahmen. Neben Kulissen und Kleidern musste alles der damaligen Zeit angepasst werden. So sprangen die Hochspringer damals noch im heute lustig wirkenden Scherenstil ohne Drehung vorwärts über die Latte. Einige echte Wochenschauaufnahmen in Schwarz-Weiß sollen die Authentizität der Geschichte unterstreichen. Schließlich kommt auch die echte Gretel Bergmann in einem kurzen Interview von 2009 zu Wort. Das Bonus-Material zeigt die Dreharbeiten und den Besuch von Karoline Herfurth bei Gretel Bergmann.
von Johannes Kösegi
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Offizielle Beschreibung
Da die Amerikaner ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen davon abhängig machen, dass jüdische Sportler(innen) und besonders die international bekannte Hochspringerin Gretel Bergmann gleichberechtigt teilnehmen können, gerät das faschistische Olympia-Komitee in Berlin in Schwierigkeiten. Als ihre Familie bedroht wird, kehrt Gretel nach Deutschland zurück und wird scheinbar gleichberechtigt im olympischen Trainingslager der Hochspringer aufgenommen. Trainer Waldmann, der von Gretels Begabung, Leistungsfähigkeit und Disziplin begeistert ist, weigert sich, sportliche Fairness und Moral aufzugeben und sie gemäß Anweisung der Parteifunktionäre wettkampfunfähig zu machen. Er wird fristlos entlassen und durch den parteitreuen Trainer Kulmbach ersetzt.
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Soundtrack
Schauspieler
Karoline Herfurth
als Gretel Bergmann
Sebastian Urzendowsky
als Marie Ketteler





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