DVDs Dick und Doof als Einzel-Ausgaben bei „Kinowelt“ Kritik & Meinung
Viele Fernseh-Konsumenten, die sich heutzutage über die endlosen Daily Soaps, Sitcoms oder die Gerichts– und Talkshows ärgern und die fröhlichen Krankenhaus-Patienten und Zoo-Tierpfleger nicht mehr sehen können, werden sich noch mit Wehmut an die guten alten Zeiten zurückerinnern, als es nur drei Programme mit vielen Film– und Fernseh-Klassikern und ohne lästige Werbung gab.
Besonders beliebt für alle Altersklassen waren im ZDF die zeitlosen Slapstick-Komödien mit dem unvergesslichen englisch-amerikanischen Duo Stan Laurel, eigentlich Arthur Stanley Jefferson (1890–1965), der anfangs noch mit Charles Chaplin auf Tournee war, und Oliver Hardy (1892–1957), die im deutschsprachigen Raum als „Dick und Doof“ bekannt sind.
Eine Zeit lang wurden die Slapsticks des Komiker-Duos für eine Minderheit später im Bezahlsender „Premiere“ ausgestrahlt, da deren Eigner, die Kirchgruppe, die deutschsprachigen Rechte hält. Zum Glück für die Mehrheit gibt es aber noch das Medium DVD. Das Label „Kinowelt“ in Leipzig hat sich der beiden Starkomiker angenommen und fast alle ihre Produktionen aus den Jahren 1927 bis 1940 in neu restaurierten Fassungen herausgebracht. Bisher gab es diese Sammlung nur in kompletten Sammel-Editionen. Da aber nicht alle Filme dieselbe Qualität haben und allen gleich gut gefallen, kommt die ganze Serie jetzt innerhalb der nächsten drei Monate erstmals auf Einzel-DVDs heraus, sodass jeder sich das aussuchen kann, was ihn interessiert. Die erste Serie enthält viele der etwa 20-minütigen Kurzfilme und einige der frühen Langfilme des Komiker-Duos.
In einem ihrer ersten Langfilme „Hinter Schloss und Riegel“ landen Dick und Doof als illegale Bierbrauer im Gefängnis, wo sie sowohl die Wärter als auch ihre Mitgefangenen öfters auf die Palme bringen. Am Schluss retten sie die Tochter des Direktors während einer Meuterei vor dem Feuer und erlangen so die Freiheit. Die DVD enthält sowohl die gekürzte deutsche Synchronfassung als auch die originale englische Langfassung.
Viele Filmgenres wurden von den beiden persifliert, neben Kriminalfilmen und Western auch Fantasy– und Märchenfilme, wie etwa in „Rache ist süß“. Diese prächtige und opulent ausgestattete Musikkomödie lässt Gestalten aus der Märchenwelt wie die drei kleinen Schweinchen und Mutter Gans lebendig werden. Stan Laurel, der in Wirklichkeit gar nicht der Doofe, sondern der Kreative war und maßgeblich bei Drehbüchern und Regie mitwirkte, hielt ihn für seinen unterhaltsamsten Film überhaupt.
In „Die Klotzköpfe“ werden sogar Kriegsfilme ins Lächerliche gezogen, wenn Ollie 20 Jahre nach Kriegsende noch immer im Schützengraben sitzt. Wie schon hier löst im Streifen „In Oxford“, einem der bekanntesten und besten Langfilme von Stan und Ollie, ein großartiger Gag den nächsten ab. Die Jungs vereiteln einen Bankraub und dürfen zur Belohnung an der angesehenen Universität in Oxford studieren. Als Opfer der Streiche ihrer Studienkollegen werden sie erst in einen Irrgarten geschickt und dann in der Wohnung des Dekans einquartiert, der darüber nicht gerade erfreut ist. Berühmt ist vor allem die Szene auf einer Bank vor der Hecke im Gartenlabyrinth, hinter der die Kollegen als Gespenster verkleidet lauern. Als Stan ein Nickerchen machen will, schiebt sich eine dritte Hand durch das Gebüsch und assistiert beim Naseputzen und Däumchendrehen. Er merkt den Spuk erst, als Ollie eingreift und reagiert dann panisch.
Neben diesen Langfilmen enthält die Serie viele Kurzfilme, die angestammte Heimat von Laurel und Hardy, dem sie bis Mitte der 30er Jahre treu geblieben waren. Hier musste nicht eine längere Handlung episodenhaft konstruiert und mit oft wie aufgepfropft wirkenden Liebesgeschichten „gestreckt“ werden. Die Slapstick-Elemente wie Tortenschlachten, Wasserbäder, Stürze und andere Unfälle folgen in konzentrierter kurzweiliger Form.
In „Als Einbrecher“ stören Dick und Doof als tollpatschige Diebe die Nachtruhe des Polizeichefs, auf der anderen Seite des Gesetzes „Als Polizisten“ sorgen die beiden als Ordnungshüter eher für Chaos denn für Sicherheit. In ihrer Gutmütigkeit lassen sich Dick und Doof in „Als Scheidungsgrund“ mit einer vernachlässigten Ehefrau auf ein gefährliches Abenteuer ein.
Die Horrorfilm-Parodie „Habeas Corpus“ fordert den ganzen Mut der Jungs. In dunkler Nacht müssen sie sich auf dem Friedhof als Leichenräuber betätigen. „Als Matrosen“ haben Stan und Ollie Landgang. Bei einem Spaziergang im Park finden sie ein Paar Unterhosen. Als ihnen dann zwei hübsche junge Damen begegnen, die etwas zu suchen scheinen, kommt es zu vergnüglichen Verwicklungen. Die Seeleute Stan und Ollie „Gehen vor Anker“ und quartieren sich im Hafen in einer Absteige ein. Der Besitzer traktiert seine junge Putzhilfe. Die Jungs verhelfen der Schönen zur Flucht – zum Zorn des Wirts.
In „Kaufen ein Schiff“ sind Dick und Doof zwei Fischverkäufer. Um noch mehr zu verdienen, wollen sie die Fische selbst fangen. Dazu kaufen sie sich ein Schiff, das allerdings so einige Lecks hat und erst mit vielen Hindernissen fahrtauglich gemacht werden muss. Nachdem Ollie von seiner großen Liebe bitter enttäuscht wurde, landen Dick und Doof „In der Wüste“. Dort müssen sie als Fremdenlegionäre so manches Abenteuer bestehen und werden zu Helden wider Willen.
In „Als Mitgiftjäger“ ist Ollies großer Tag gekommen. Seine Hochzeit mit der Millionenerbin steht unmittelbar bevor. Wäre da nur nicht Stans Hochzeitsgeschenk. Ein Familientreffen der besonderen Art erleben Dick und Doof in „Als Ehemänner“. Darin glänzen die beiden in Doppelrollen als Ehemänner und Ehefrauen. Dick und Doof planen einen großen Familienausflug und „Machen eine Landpartie“. Leider endet diese ziemlich schnell und unerwartet.
„In einem Bett“ müssen sich die Jungs in einem Schlafwagen der Bahn ganz schön verrenken, um etwas Schlaf zu bekommen. „Das große Geschäft“ mit dem Verkauf von Weihnachtsbäumen führt trotz sprühender Marketingideen zum totalen Chaos. „The Battle of the Century“ ist leider nicht vollständig erhalten, aber Stan hat einen großartigen Auftritt als Boxer. Beim Zahnarzt bekommen Stan und Ollie eine Narkose mit Lachgas und lösen danach ein fröhliches Verkehrschaos aus. Wie kompliziert es ist, eine Antenne auf einem Dach anzubringen, führen uns Dick und Doof in „Panik auf der Leiter“ anschaulich vor. In „Unschuldig hinter Gittern“ sorgen die Jungs in einem Arbeitslager für Chaos. Ollie trifft mit seiner Spitzhacke statt der Straße den Kühler vom Auto des Gouverneurs. In „Das Zerlegen von Kraftwagen“ laden Laurel und Hardy zwei hübsche Damen zu einer Spritztour im Auto ein. Als sie im Stau stecken bleiben, schlägt die gute Stimmung um.
Alle DVDs bieten reichhaltige Extras wie alternative Versionen und frühere Filme, als Stan Laurel noch alleine auftrat. In manchen Folgen gibt es Einleitungen und Erklärungen zur Synchronfassung von Theo Lingen, wie man sie noch von den Fernsehausstrahlungen im ZDF kennt.
von Johannes Kösegi
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