Five Minutes of Heaven Kritik & Meinung
In dem kammerspielartigen BBC-Fernsehfilm „Five Minutes of Heaven“ hat Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“, „Das Experiment“) den noch immer schwelenden Nordirland-Konflikt stellvertretend aus der persönlichen Sicht eines Täters und eines Opfers dargestellt. Koch Media bringt diesen Film jetzt auf Blu-ray Disc und DVD heraus. Der Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Protestanten forderte fast 4000 Tote. Man sollte nicht glauben, dass im 20. Jahrhundert unter Christen so etwas möglich ist, wo doch diese Religion so sehr auf Nächsten– und sogar Feindesliebe setzt.
Hirschbiegel erwähnt im Interview, dass er allgemein traumatisierte Menschen zeigen wollte, die es auch in Bosnien oder Palästina gibt, wo sich Angehörige verschiedener Religionen bekämpfen. Das Drama ist in drei Episoden angelegt. Zunächst wird in Rückblenden der Bürgerkrieg im Jahr 1975 gezeigt, als sich die katholische IRA (Irisch Republikanische Armee) und die protestantische UVF (Ulster Volonteer Force) bitter bekämpften. Das gezeigte Attentat in Lurgan fand wirklich statt, auch die Namen der Personen stimmen. Der damals siebzehnjährige Protestant Alistair Little erschießt von der Straße aus durch das Fenster einen Katholiken mit drei Schüssen. Dessen elfjähriger Bruder Joe Griffins ist Augenzeuge und wird nur deshalb nicht erschossen, weil Little vermummt ist. Seit diesem Augenblick ist das Leben beider für immer zerstört.
Die zweite Episode, die frei erfunden ist, findet 33 Jahre später statt. In einer Fernsehshow sollen die beiden unter dem Motto „Wahrheit und Versöhnung“ erstmals wieder aufeinandertreffen. Alistair (Liam Neeson) hat 12 Jahre Haft hinter sich und arbeitet zur persönlichen Vergangenheitsbewältigung als Trainer für Konfliktberatung in anderen Krisengebieten. Das Opfer Joe (James Nesbitt) lebt in bescheidenen Verhältnissen mit seiner Frau und zwei Kindern. Lange musste er sich die Vorwürfe seiner Mutter anhören, dass er seinem Bruder nicht geholfen hat.
Mit viel Spannung werden die Vorbereitungen des Zusammentreffens in einem alten Schloss inszeniert. Joe bekommt ein fürstliches Gemach, wird geschminkt und unterhält sich mit einer russischen Produktionsassistentin. Alistair kommt etwas später, doch es wird zu keinem Zusammentreffen kommen, zum Glück für Alistair. Denn Joe hat nicht Wahrheit oder Versöhnung, sondern nur Rache im Sinn, und will Alistair vor großem Publikum erstechen, um die „fünf himmlischen Minuten“ zu erleben, nach denen der Film benannt ist. Es ist ein psychologisches Spiel der beiden exzellenten Darsteller Neeson („Schindlers Liste“) und Nesbitt („Lang lebe Ned Devine!“). Sie sind auch deshalb authentisch, weil sie beide aus Nordirland stammen und den dortigen Dialekt beherrschen. Abwechselnde und getrennte Selbstreflektionen offenbaren, dass Täter und Opfer bis an ihr Lebensende gebrochene Menschen sein werden. Fernsehshows zur Offenbarung intimster privater Details vor einer großen Öffentlichkeit entsprechen ziemlich genau der Realität. Somit wird hier das Medium Fernsehen zu einer Plattform für Selbstkritik.
Die dritte Episode erreicht bei weitem nicht mehr diesen Tiefsinn und soll wohl nur diejenigen entschädigen, die in einem Bürgerkriegsdrama unbedingt Action sehen wollen. Denn wegen der vielen psychologisierenden Dialoge zuvor meint der Regisseur, unbedingt noch einen aktionsgeladenen Showdown bringen zu müssen, was gar nicht nötig gewesen wäre.
Alistair und Joe treffen noch einmal am Ort der Tat aufeinander, mittlerweile eine kaum noch bewohnbare Ruine. Es kommt zum Zweikampf auf Leben und Tod. Sie fliegen dabei zusammen aus dem Fenster auf die Straße und überleben. Erst jetzt in der Not kommt es zu einem kurzen Gespräch zwischen den beiden. Alistair gibt zu, den Mord damals zur Selbstbestätigung gebraucht zu haben, weil er mal „jemand sein wollte“. Jetzt wird er aus der Gegend wegziehen. Joe besucht ein Selbsthilfeseminar, damit er ein guter Familienvater werden kann. Schließlich teilt er Alistair telefonisch mit: „Die Sache ist erledigt“. Die wichtige Frage nach dem Vergebungswunsch des Täters und dem Rachebedürfnis des Opfers ist dadurch noch nicht beantwortet.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Liam Neeson
James Nesbitt










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