Filme.Kino.DVD
Kinofilmer bei Twitter Kinofilmer bei Twitter

Fortsetzung der SZ-Cinemathek mit einer Western-Edition Kritik & Meinung

Die Süd­deut­sche Zei­tung gilt in Deutsch­land als Pio­nier der Nebenprodukte-Vermarktung elek­tro­ni­scher Medien. Seit 2005 erschei­nen DVD-Reihen der „SZ-Cinemathek“, zunächst 100 Film­klas­si­ker, spä­ter fran­zö­si­sche Kri­mis, Jugend­filme und Screwball-Komödien. Mitt­ler­weile über sechs Mil­lio­nen ver­kaufte Exem­plare spre­chen die Beliebt­heit die­ser the­ma­ti­schen Sammlungen.

Da die kom­pe­ten­ten Redak­teure der SZ-Kinoredaktion ihre Qua­li­täts­aus­wahl nicht auf bestimmte Rech­te­ver­wer­ter und Stu­dios beschrän­ken wol­len, lau­fen die Lizen­zen oft nach eini­gen Jah­ren aus, und die Film­ra­ri­tä­ten dür­fen nicht mehr neu ange­bo­ten wer­den. Man bleibt bei vie­len frü­he­ren SZ-Cinematheken auf Rest­be­stände oder Gebrauch­t­ar­ti­kel ange­wie­sen. Der Wes­tern gilt als das klas­si­sche Genre des Hollywood-Kinos. Sie SZ-Edition ent­hält 15 der bes­ten Wes­tern vor allem aus ihrer Glanz­zeit aus den 1940er und 1950er Jah­ren, aber auch einige aus der Spät­phase bis 1999. Der große Vor­teil für Samm­ler ist wie immer bei den SZ-Cinematheken, dass es alle Filme auch ein­zeln gibt. Das ist beson­ders inter­es­sant für fünf Strei­fen, die bis­her noch nicht auf DVD erschie­nen sind, dar­un­ter so bekannte wie „Red River“ von Howard Hawks oder „Mit stahl­har­ter Faust“ von King Vidor.

Die Western-Edition der SZ-Cinemathek wid­met sich einem Genre, das so alt ist wie das Kino selbst. Wie kein ande­res ver­kör­pert es die his­to­risch ent­stan­dene Mytho­lo­gie Ame­ri­kas als „Gunfighter-Nation“. Dies zeigt sich vor allem im Mythos der Fron­tier, der Grenze zwi­schen Wild­nis und Zivi­li­sa­tion im Zuge der Erobe­rung des India­ner­lan­des durch die Wei­ßen und dem Mythos der per­ma­nen­ten Rege­ne­ra­tion Ame­ri­kas im Kampf des Guten gegen das Böse. His­to­risch spie­len die Wes­tern meist in der Zeit zwi­schen 1776, dem Grün­dungs­jahr der USA, und dem Indus­trie­zeit­al­ter, als das weite Land all­mäh­lich kul­ti­viert und mit Fes­tun­gen, Dör­fern und Städ­ten besie­delt wurde. Die meis­ten Wes­tern spie­len wäh­rend der Züge von Osten nach Wes­ten mit der his­to­ri­schen Land­nahme durch die wei­ßen Ein­wan­de­rer. Lei­der wurde die Bekämp­fung der India­ner, die dadurch ihrer Lebens­grund­la­gen beraubt wur­den, beson­ders zwi­schen 1865 und 1890, bis in die 1950er Jahre ideo­lo­gisch legi­ti­miert. Dadurch gibt es auch kaum Wes­tern, die ohne Gewalt­sze­nen aus­kom­men. Beson­ders beliebt sind actionge­la­de­nen Stan­dard­si­tua­tio­nen wie Über­fall, Ver­fol­gungs­jagd und ritu­el­ler Shootout.

Diese Motive spin­nen sich wie ein roter Faden durch die klas­si­schen Wes­tern die­ser Edi­tion. Dabei zei­gen sich immer wie­der neue Nuan­cen und Vari­an­ten, bedingt durch die Kulis­sen, Cha­rak­tere der Schau­spie­ler und fil­mi­sche Spra­che der Regis­seure. Frauen haben meist nicht viel zu mel­den in die­sem Genre, sie die­nen meist nur als gern gese­he­ner opti­scher Kon­trast in der har­ten Män­ner­welt. So gesel­len sich zu den typi­schen Wes­tern­hel­den wie John Wayne, Kirk Dou­glas, Henry Fonda, James Ste­wart oder Clint East­wood oft attrak­tive Frau­en­fi­gu­ren. Die 15 Filme rei­chen zeit­lich von „Faust­recht der Prä­rie“ (1946) von Alt­meis­ter John Ford bis „Wer mit dem Teu­fel rei­tet“ (1999) von Ang Lee. Wie bei der SZ-Cinemathek gewohnt sind die DVDs lie­be­voll und stil­echt ver­packt. Renom­mierte Film­kri­ti­ker stel­len ihre Lieblings-Western vor, außer­dem gibt es Infor­ma­tio­nen zu den Regis­seu­ren und Pro­duk­ti­ons­um­stän­den. Meh­rere Sze­nen­fo­tos run­den das vor­bild­li­che Ver­pa­ckungs­de­sign ab.

In „Faust­recht der Prärie/Tombstone“ (1946) zeigt Western-Spezialist John Ford eine his­to­risch rea­lis­ti­sche Hand­lung. Als die vier Brü­der Earp mit ihrem Vieh in die Nähe der Stadt kom­men, wird James von den Clan­tons erschos­sen. Um die Mör­der zu stel­len nimmt Wyatt (Henry Fonda) den Pos­ten des She­riffs an. Gemein­sam mit sei­nen Brü­dern, dem Zahn­arzt Doc Holi­day (Vic­tor Mature) und der Leh­re­rin Cle­men­tine (Cathy Downs) nimmt er es mit dem Clanton-Clan auf. Am O.K. Cor­ral kommt es schließ­lich zum legen­dä­ren Show­down. Die gerad­li­nige und fol­ge­rich­tige Hand­lung bie­tet Tempo und Span­nung, nimmt sich aber den­noch genü­gend Zeit für über­zeu­gende Milieu­stu­dien. Howard Hawks schuf 1948 mit „Red River“ einen der größ­ten Wes­tern aller Zei­ten. John Wayne spielt Tim Dun­son, einen tyran­ni­schen Rin­der­ba­ron, der sich mit sei­nem Pfle­ge­sohn Matt eine rie­sige Ranch in Texas auf­ge­baut hat. Doch nun will er seine gesamte Herde nach Mis­souri füh­ren, um dort mehr Geld zu ver­die­nen. Rück­sichts­los treibt Dun­son Mensch und Vieh auf dem gefähr­li­chen Trail voran und über­schrei­tet dabei viele Gren­zen. Sein Zieh­sohn Matt (Mont­go­mery Clift) stellt sich ihm schließ­lich in den Weg. In „Vogel­frei“ (1949) von Raoul Walsh plant der aus dem Gefäng­nis ent­kom­mene Wes McQueen einen Eisenbahn-Überfall. Doch er ver­liebt sich in die schöne Far­mer­s­toch­ter Julie Ann, die ihn für ein Kopf­geld zu ver­ra­ten plant. Auch seine Ban­den­freunde wol­len ihn los­wer­den. Zusam­men mit der Hal­bin­dia­ne­rin Colo­rado, die Wes ihre Liebe gesteht, bleibt ihm nur noch die Flucht über die mexi­ka­ni­sche Grenze.

In dem monu­men­ta­len Wes­tern „The Big Sky – Der weite Him­mel“ (1952) von Howard Hawks ver­sucht der Trap­per Jim Dea­kins (Kirk Dou­glas) und seine Gefolg­schaft das Gebiet der Blackfoot-Indianer zu errei­chen, um mit ihnen Han­del zu trei­ben. Zu ihrem Schutz steht ihnen dabei eine India­ne­rin zur Seite. Doch die Gruppe hat das Risiko unter­schätzt. Die Gefah­ren der Natur set­zen ihnen zu und auf der lan­gen Reise kommt es im er wie­der zu gefähr­li­chen Angrif­fen. In „Über den Todes­pass“ (1954) von Anthony Mann begibt sich der Ein­zel­gän­ger Jeff Webs­ter (James Ste­wart) zusam­men mit sei­nem Freund Ben Tatum (Wal­ter Brennan) in das von Gold­grä­bern über­lau­fene Städt­chen Skag­wag, um von dort aus ihre Rin­der­herde nach Daw­son City zu trei­ben. Sie hof­fen auf das schnelle Geld, doch rech­nen sie nicht mit dem selbst­er­nann­ten She­riff Gan­non, der ihnen mit Ärger droht. In „Mit stahl­har­ter Faust“ (1955) von King Vidor las­sen sich der Cow­boy Demp­sey Rae (Kirk Dou­glas) und sein Freund von Reed Bow­man (Jeanne Crain) anheu­ern, um auf einer rie­si­gen Ranch zu arbei­ten. Zu Demp­seys Über­ra­schung ist Reed eine attrak­tive, junge Frau, die ehr­gei­zige Ziele ver­folgt. Als er merkt, dass das Vor­ha­ben der stu­ren Groß­grund­be­sit­ze­rin har­sche Kon­flikte mit den anlie­gen­den Nach­barn ver­ur­sacht, über­denkt Demp­sey seine Loya­li­tät. In „Zähl bis drei und bete“ (1957) von Del­mer Daves spielt Glenn Ford den Ver­bre­cher Ben Wade. Selbst die Geset­zes­hü­ter, die ihn nach einem Postkutschen-Überfall fest­neh­men, fürch­ten einen Befrei­ungs­ver­such durch seine Gang. Sie bie­ten dem ver­arm­ten Ran­cher Dan Evans (Van Hel­fin) eine Beloh­nung, damit die­ser Wade nach Yuma bringt, wo ihm der Pro­zess gemacht wer­den soll. Aber noch bevor Dan mit dem Gefan­ge­nen den Zug nach Yuma bestei­gen kann, wird er von Wades Bande in einem Hotel auf­ge­spürt. In „Rächer der Ent­erb­ten“ (1957) erzählt Nicho­las Ray die Geschichte des legen­dä­ren Gangs­ters Jesse James. Nach einem geschei­ter­ten Bank­über­fall ver­steckt sich Jesse (Robert Wag­ner) mit sei­nem Bru­der Frank (Jef­frey Hun­ter) und einem wei­te­ren Gang­mit­glied vor sei­nen Ver­fol­gern. In Rück­blen­den zeigt der Film die letz­ten 18 Jahre aus dem Leben des Jesse James und sei­nen Wan­del von einem geset­zes­treuen Mann zum berühmt-berüchtigten Ver­bre­cher. Ben Bri­gade (Ran­dolph Scott), ein ehe­ma­li­ger She­riff, fasst in „Auf eigene Faust“ (1959) von Budd Boet­ti­cher den Mör­der Billy John und will ihn nach Santa Cruz über­füh­ren. Auf dem Weg dort­hin trifft er zwei Ban­di­ten, die vor­ge­ben ihn zu unter­stüt­zen. In Wirk­lich­keit wol­len sie Billy John selbst ablie­fern und erhof­fen sich dafür Amnes­tie. Aber auch Ben ver­folgt sein eige­nes Ziel. Nicht Billy John inter­es­siert ihn, son­dern die Rache an des­sen Bru­der Frank (Lee van Cleef), dem Mör­der sei­ner Frau.

Che­yenne“ (1964) von John Ford ist benannt nach dem India­ner­stamm, der sich im Jahr 1878 gegen seine wei­ßen Unter­drü­cker und das unwür­dige Leben im Reser­vat fernab sei­ner Hei­mat wehrt. Doch der auf­rei­bende Marsch zurück in das Land ihrer Väter birgt Gefah­ren, die sie an den Rand des Unter­gangs brin­gen. John Ford insze­niert in Che­yenne meis­ter­haft gro­ßes Western-Kino und zeigt ein­drucks­voll die Kon­se­quen­zen der sich aus­brei­ten­den wei­ßen Zivi­li­sa­tion aus der Sicht der India­ner. In dem 1965 von John Stur­ges insze­nier­ten „Vier­zig Wagen west­wärts“ gehen die Whis­ky­vor­räte in Den­ver zur Neige. Nach­schub sol­len vier­zig Fuhr­werke mit Whisky und ande­rem Alko­hol brin­gen. Als das Unter­neh­men öffent­lich wird, beginnt eine wilde Jagd nach der wert­vol­len Fracht. Die­ser komö­di­en­hafte Wes­tern zeigt ein Rin­gen zwi­schen durs­ti­gen Minen­ar­bei­tern, wil­den India­nern, Femi­nis­tin­nen und berit­te­nen Soldaten.

In Sam Peckin­pahs Spät­wes­tern „Pat Gar­rett jagt Billy the Kid“ (1973, rekon­stru­iert 1993) erhält der alte She­riff Pat Gar­rett (James Coburn) von einer Gruppe mäch­ti­ger Rin­der­ba­rone den Auf­trag, sei­nen Freund Billy the Kid (Kris Kristof­fer­son) zu töten. Wider­wil­lig folgt Pat sei­ner Wei­sung und nimmt Billy fest, doch dem gelingt die Flucht. Eines Nachts jedoch kommt es zwi­schen den bei­den Freun­den zur Ent­schei­dung. Berühmt wurde die­ser pes­si­mis­ti­sche Wes­tern durch die ele­gi­sche Musik von Bob Dylan. „Pale Rider – Der namen­lose Rei­ter“ (1985) ist ein melan­cho­li­scher Wes­tern mit Clint East­wood als Haupt­dar­stel­ler, Regis­seur und Pro­du­zent. Der mäch­tige Minen­be­sit­zer Coy La Hood herrscht bru­tal über eine triste Gold­grä­ber­stadt. Die ande­ren Gold­grä­ber, ange­führt von Hull Bar­rett, kämp­fen ver­zwei­felt gegen den Tyran­nen, doch des­sen Über­macht scheint gren­zen­los. Als ein namen­lo­ser Frem­der in die Stadt rei­tet, schöp­fen die Sied­ler wie­der Hoff­nung. In „Maverick – Den Colt am Gür­tel, ein As im Ärmel“ (1994) von Richard Don­ner wit­tert der junge Zocker Brett Maverick (Mel Gib­son) seine große Chance. Auf einem Mississippi-Dampfer in St-Louis fin­det ein Poker-Turnier mit einem Preis­geld von einer hal­ben Mil­lio­nen Dol­lar statt. In Beglei­tung des Mar­shalls Zane Cooper (James Gar­ner) und der rei­zen­den Trick­be­trü­ge­rin Anna­bella Brans­ford (Jodie Fos­ter) ver­sucht er alles, um das hohe Start­geld auf­zu­trei­ben. Die Wes­tern­ko­mö­die über­zeugt mit Charme und vie­len Über­ra­schun­gen. Erfolgs­re­gis­seur Ang Lee insze­nierte 1999 den Spät­wes­tern „Wer mit dem Teu­fel rei­tet“. Die lang­jäh­ri­gen Freunde Jake Roedel (Tobey Maguire) und Jack Bull Chi­les (Skeet Ulrich) leben zur Zeit des ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­kriegs an der Grenze zwi­schen Kan­sas und Mis­souri. Als Jack Bulls Vater von Sol­da­ten der Kon­fö­de­ra­tion getö­tet wird, schlie­ßen sich die jun­gen Män­ner einer Rebel­len­truppe der Süd­staa­ten an. Die junge Witwe Sue Lee ist der ein­zige Licht­blick in dem Kampf. Doch bald for­dert das Kriegs­ge­sche­hen sei­nen Tribut.

Fazit: Eine lie­be­voll zusam­men­ge­stellte und per­fekt prä­sen­tierte Samm­lung mit 15 der bes­ten Western-Klassiker meist aus der Glanz­zeit die­ses urame­ri­ka­ni­schen Filmgenres.

von

Eure Meinungen & Kommentare

Wie findest Du den Film "Fortsetzung der SZ-Cinemathek mit einer Western-Edition"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!

?
DU