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Große Kinomomente 2 Kritik & Meinung

DVD-Editionen mit Spiel- und Dokumentarfilmen sind seit einigen Jahren wichtige Nebengeschäfte großer Printverlage und erfreuen sich einer großen Beliebtheit nicht nur unter Cineasten. In unserer schnelllebigen Zeit und bei der Masse an Neuerscheinungen, die die Kinos immer mehr überschwemmt, fällt es zunehmend schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen und die wertvolle Zeit nicht mit hochgejubelten, aber dennoch überflüssigen Filmen zu vergeuden.

Redakteure des KulturSPIEGEL haben eine Qualitätsauswahl getroffen und verschiedene preiswerte DVD-Editionen in schöner Aufmachung und mit fachkundigen Einführungen herausgegeben. Auf „Die 50 besten guten Filme“ mit potentiellen Kultfilmen folgten Auswahlen mit deutschen, asiatischen, britischen, unabhängigen amerikanischen und dokumentarischen Filmen, außerdem Klassiker, Literaturverfilmungen und Kinderfilme. Die innovative Reihe „Große Kinomomente“ brachte 50 hochwertige Filme aus neuerer Zeit und wurde zu einem großen Erfolg. Das veranlasste die Redaktion zusammen mit Universum Film als Lizenzgeber zu einer Fortsetzung mit weiteren 50 Filmen.

Im Gegensatz zur ersten Staffel liegt die thematische Ausrichtung der Filme jetzt einheitlicher besonders auf anspruchsvoller Unterhaltung und wird dadurch familiengerechter. 34 der Filme sind FSK 12, nur acht FSK 16 und acht sogar für Kinder ab 6 Jahren geeignet. Die Filme stammen fast alle aus dem letzten Jahrzehnt, nur sechs sind vor 2000 entstanden, über 20 dagegen 2008 und 2009, darunter sind auch aktuelle DVD-Premieren.
In der Länderwertung nehmen die USA mit 21 Filmen die Spitzenstellung ein, gefolgt von Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Aber auch die „übrige Welt“ wurde nicht übersehen, wie zum Teil preisgekrönte Filme aus Spanien, Australien, Japan, Belgien, Mexiko und Indien zeigen.
Unter den Regisseuren sind Altbekannte wie Pedro Almodóvar, Detlev Buck, Steven Soderbergh, Andreas Dresen, Jim Jarmusch, Ang Lee, Roman Polanksi oder die Coen-Brüder, aber auch viele junge Talente. Die Riege der Darsteller kann sich sehen lassen und bietet für jeden Geschmack etwas: Juliette Binoche, Cate Blanchett, Jennifer Connelly, Penélope Cruz, Corinna Harfouch, Nicole Kidman, Julianne Moore, Franka Potente, Ludivine Sagnier, Andrea Sawatzki, Tilda Swinton, Audrey Tautou, Kate Winslet und bei den Männern Christian Berkel, Moritz Bleibtreu, Steve Buscemi, Vincent Cassel, George Clooney, Kevin Costner, Matt Damon, Gerard Depardieu, Johnny Depp, August Diehl, Ralph Fiennes, Harrison Ford, Bruno Ganz, Philip Seymour Hoffman, Dennis Hopper, Henry Hübchen, Ben Kingsley, Thomas Kretschmann, Joachim Król, John Malkovich, Joaquin Phoenix, Brad Pitt, Kurt Russell, Adam Sandler, Tom Schilling, Edgar Selge, Robert Stadlober und Devid Striesow.

Die Genres der Filme beschränken sich vor allem auf Dramen und Komödien.
20 Dramen von der indischen Slum-Geschichte Salaam Bombay! von 1988 bis zum aktuellen „The Messenger“ lassen in ihrer thematischen Bandbreite keinen Wunsch offen. In chronologischer Reihenfolge sind es Salaam Bombay!, Der Liebhaber, Kikujiros Sommer, Die Liebe der Charlotte Gray, Der stille Amerikaner, Spun, Haus aus Sand und Nebel, Oliver Twist, Die Fälscher, Knallhart, Boy A, Ein einziger Augenblick, Bright Star, Ché – Revolución, Ché – Guerilla, Der Vorleser, Elegy oder die Kunst zu lieben, A Single Man, Crossing Over, The Messenger. Zur amüsanten Unterhaltung kam man unter 19 Komödien wählen: Wir können auch anders, East is east, Chocolat, Crazy, Ghost World, L’auberge espganole, Punch-drunk love, Was nicht passt, wird passend gemacht, Volver – Zurückkehren, Happy-go-lucky, A Serious Man, Burn after reading, Neulich in Belgien, Rudo y cursi – Kick it, Away we go, Die Eleganz der Madame Michel, Taking Woodstock, Whisky mit Wodka, Zerrissene Umarmungen.

Wer eher Action und Gewalt bevorzugt, wird mit acht Thrillern bedient: Das Experiment, The Others, Kein Sterbenswort, Death Proof, Public Enemy Nr. 1 – Mordinstinkt, Public Enemy Nr. 1 – Todestrieb, Transsiberian, The Limits of Conrol.
Drei Filmgenres sind nur je einmal vertreten. Kevin Costners Western „Open Range – Weites Land“ mit seinen herrlichen Landschaftsaufnahmen zeigt den typischen Showdown am Schluss, ist aber mehr Zeugnis einer im Kino längst ausgestorbenen Art.
„Velvet Goldmine“ ist ein schillerndes Rock-Musical mit grellen Kostümen und faszinierenden Konzertszenen.
Dokumentarisches gibt es nur einmal in „Religulous“ von Larry Charles, dem Regisseur des Kassenknüllers „Borat“. Fast könnte man diesen Streifen zu den Komödien zählen. Er zeigt einen schlagfertigen Fernsehkomiker auf einem religiösen Erkundungstrip. In Interviews geht es um kritische Fragen zu Gott und der Welt mit dem Fazit: Das Ende der Welt scheint nah, zumindest wenn der Menschheit eine fragwürdige himmlische Macht wichtiger ist als die irdische Realität. Für christliche Fundamentalisten und Sektierer ist der Film nicht zu empfehlen.

Je nach Geschmack gibt es unter diesen 50 guten Filmen bessere und schlechtere. Einige besonders sehenswerte seien hier hervorgehoben. Mira Nair gelingt im Slum-Drama „Salaam Bombay!“ lange vor ihrem Oscar-gekrönten „Monsoon Wedding“ ein einfühlsames und erschütterndes Portrait von einem Land im Umbruch.

Zwei Filme zeigen Beziehungsdramen in Indochina. „Der Liebhaber“ nach Marguerite Duras spielt im Saigon der 1920er Jahre. Eine junge Weiße verliebt sich in einen älteren wohlhabenden Chinesen. Obwohl die Beziehung gesellschaftlich untragbar ist, kommt es zur Affäre. Das Mädchen sieht sich konfrontiert mit sozialen Schranken und der Scham ihres Liebhabers. Suggestive Bilder und eine sorgfältige Ausstattung machen den Film zum Meisterwerk.

„Der stille Amerikaner“ nach Graham Greene zeigt Saigon 1952 während der Zeit unter französischer Besatzung. Der englische Reporter Thomas Fowler lernt den Amerikaner Alden Pyle kennen, der ein medizinisches Hilfsprojekt aufbaut. Die beiden werden Freunde und Fowler stellt Pyle seine junge Geliebte vor. Pyle verliebt sich in sie und es kommt zu einer gefährlichen Dreiecksbeziehung.

Ebenfalls große Literatur wird in Polanskis „Oliver Twist“ in Bilder umgesetzt. Der entflohene Waisenjunge Oliver gerät in die Fänge des berüchtigten Bandenchefs Fagin (Ben Kingsley), der elternlose Jungen als Taschendiebe für sich arbeiten lässt. Unter Polanskis Händen wird aus dem Charles-Dickens-Roman ein sozialkritischer Horrorfilm.

Detlev Bucks „Knallhart“ erzählt schonungslos von der Brutalität unter Jugendlichen in den Hinterhöfen von Berlin-Neukölln. David Kross, der später durch den ebenfalls in der Edition enthaltenen Film „Der Vorleser“ berühmt wird, spielt in diesem realistischen Drama die geschundene Hauptperson.

„Bright Star“ handelt von einer komplizierten Liebe. Zu groß sind die Unterschiede zwischen der einfachen Schneiderin Fanny (Abbie Cornish) und dem schwermütigen Poeten John (Ben Whishaw). Fannys Mutter (Kerry Fox) ist in Sorge, weil John ziemlich mittellos ist. Johns väterlichem Mentor Brown (Paul Scheider) missfällt die hübsche Fanny, weil er sie für eine bloße Ablenkung von der Dichtkunst hält. Immer wieder voneinander getrennt, bleibt den Liebenden ein inniger Briefwechsel. Doch als John schwer erkrankt, spitzt sich die Lage dramatisch zu. In dieser tragischen Romanze geht es um eine durch soziale Konventionen gehinderte und von den Geschlechterrollen geprägte Beziehung.

Verehrern des südamerikanischen Revolutionärs Ché Guevara sei das aufwendig produzierte zweiteilige Biopic „Ché“ von Steven Soderbergh empfohlen. Benicio Del Toro verkörpert den Arzt und Freiheitskämpfer Ché als einen kriegerischen Humanisten.

„A Single man“ von Tom Ford zeigt einen Professor, der seinem Leben nach dem Tod seines Partners Jim (Matthew Goode) wieder eine Bedeutung geben will. Gefangen in der Vergangenheit, sieht er keine Zukunft mehr, doch die Ereignisse eines einzigen Tages helfen ihm bei der Lösung der Sinnfrage. Trost findet er bei seiner Freundin Charley (Julianne Moore), die aber selbst mit Zukunftsfragen zu kämpfen hat. Dieser rührende Film zeigt vor allem die schmerzlichen Aspekte der Liebe.

„The Messenger“ ist ein aktuelles Kriegsdrama. Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) kehrt schwer verletzt aus dem Irak zurück. Während der restlichen drei Monate seines Militärdienstes muss er den Angehörigen gefallener Soldaten die Todesnachricht überbringen. Dabei soll er Ruhe bewahren, klare Worte finden, keine Emotionen zeigen und Körperkontakt vermeiden. Will hält sich daran und beginnt zu funktionieren. Seine Gefühle unterdrückt er bis zu dem Tag als er auf Olivia (Samantha Morton) trifft, für die er ebenfalls eine Nachricht zu überbringen hat. Einfühlsam wird hier gezeigt, welch seelische Schäden und Entfremdung ein Kriegseinsatz hervorrufen kann.

A serious manUnter den Komödien glänzt „A Serious Man“ von den beiden Coen-Brüdern. Larry Gopnik führt ein ruhiges Leben in einer kleinen jüdischen Gemeinde. Er ist ein liebender Ehemann, fürsorglicher Vater und erfolgreicher Professor. Aber plötzlich gerät diese Idylle aus dem Ruder. Seine Frau hat einen neuen Liebhaber und reicht die Scheidung ein, sein Sohn schwänzt die Schule und die Tochter bestiehlt ihn, um eine Nasenkorrektur zu finanzieren. Schließlich gerät auch noch Larrys Karriere ins Wanken. Anonyme Briefschreiber verbreiten falsche Anschuldigungen über ihn, und ein Student will ihn bestechen. Larry sucht Hilfe bei einem Rabbi. Diese schwarze Komödie mit ihrem Katastrophenszenario erinnert an die biblische Hiob-Geschichte.

„Die Eleganz der Madame Michel“ handelt von der Concierge Reneé Michel (Josiane Balasko). Ihre Leidenschaft für Bücher hält sie geheim und spielt nach außen die kratzbürstige Zicke. Paloma (Garance Le Guillermic) lebt im selben Haus zurückgezogen in einer eigenen Welt. Sie will sich an ihrem zwölften Geburtstag das Leben nehmen, sollte sie bis dahin nicht irgendwas entdecken, was das Leben lebenswert macht. Das Schicksal der beiden Einzelgänger nimmt eine neue Wendung mit dem Einzug des geheimnisvollen Japaners Kakuro Ozu. (Togo Igawa). Langsam bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an. Ein umwerfender Dialogwitz und gute Schauspieler machen diesen Film zu einem heiter-ironischen Genuss.

Ein probates Mittel gegen depressive Phasen ist die britische Komödie „Happy-go-lucky“ von Mike Leigh. Sie erzählt von einer Londoner Lehrerin, umwerfend gespielt von Sally Hawkins, die sich ihre gute Laune durch nichts verderben lässt. Ihre schlecht gelaunten Zeitgenossen finden das gar nicht immer lustig. Bei so viel ansteckender Lebensfreude kann man die Probleme im richtigen Leben gerne für zwei Stunden vergessen.

Andreas Dresen präsentiert in seiner melancholischen Tragikomödie „Whisky mit Wodka“ glänzende Darsteller in ihrem eigenen Milieu beim Filmemachen. Der Schauspieler Otto Kullberg (Henry Hübchen) ist allseits beliebt, nur manchmal trinkt er etwas zu viel. Im Film spielt er einen Mann zwischen zwei Frauen. Diese Rolle muss er bald auch im wahren Leben lernen. Denn vor längerer Zeit gab es eine Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Partnerin Bettina (Corinna Harfouch), die jetzt die Frau des Regisseurs (Sylvester Groth) ist. Kino und Realität scheinen durcheinander zu geraten. Nachdenklich stimmen Probleme um Leistungstruck, Altern und verpasste Lebenschancen.

Herausragend unter den Thrillern ist Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“, von dem es zwischenzeitlich ein US-Remake zum Vergleich gibt. 20 Freiwillige sollen das Aggressionsverhalten in einer nachgestellten Gefängnissituation testen. Aufgeteilt in Gefangene und Wärter werden sie von Überwachungskameras beobachtet. Die Wärter pochen auf ihre Autorität, die Gefangenen rebellieren gegen Demütigungen und Schikanen, eine Spirale der Gewalt setzt sich in Bewegung. Bald eskalieren die Ereignisse und aus dem Spiel wird ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod. Mit Moritz Bleibtreu, Christian Berkel, seiner Frau Andrea Sawatzki und Edgar Selge bietet dieser packende Psychothriller eine großartige Besetzung.

Die englisch-deutsche Koproduktion „Transsiberian“ ist ein Thriller mit atmosphärisch-dichten Bildern und einem atemberaubenden Tempo. Nach einem Aufenthalt in China tritt das amerikanische Ehepaar Roy (Woddy Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer) die Heimreise an. Die Transsibirische Eisenbahn soll sie nach Moskau bringen. In ihrem Abteil lernen sie den undurchschaubaren Carlos (Eudardo Noriega) und seine Freundin Abby (Kate Mara) kennen. Als Roy nach einem Zwischenstopp den Zug verpasst und zwei russische Polizeibeamte (Ben Kingsley, Thomas Kretschmann) auftauchen, kommt es zu einer Verkettung tragischer Ereignissen mit Verrat, Betrug und Mord.
Einzelne Filme oder die komplette Edition mit Preisvorteil sind im Online-Handel oder direkt im Spiegel-Onlineshop erhältlich.

von

Eure Meinungen & Kommentare

  • 10.11.10 um 17:25 Uhr
    Antworten

    “Transsiberian” ist tatsächlich ein sehr spannender Film mit großartigen Szenen – obwohl sie größtenteils nicht in Sibirien gedreht wurden. Habe mir den Film schon zweimal angesehen – und bin ebenso oft mit der legendären Eisenbahn durch Russland gefahren. Aber ein kleiner Tipp von mir: Als “Reisevorbereitung” auf eine echte Transsib-Reise ist der Film nicht geeignet. Besser danach ansehen ;-)


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