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Hereafter – Das Leben danach Kritik & Meinung

Eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „visuelle Effekte“, Matt Damon in der Hauptrolle und Clint Eastwood auf dem Regiestuhl. Dazu noch eine gefühlvolle Geschichte mit einem dramatischen Hintergrund, in dem es um das verlieren von geliebten Menschen geht. Dies alles in Kombination miteinander bekam den Namen „Hereafter“ und erzählt die Geschichte von drei Menschen, welche sich nicht kennen, aber alle ein und dasselbe Schicksal teilen. Sie sahen sich mit dem Tod konfrontiert.

Bleibt nur noch die Frage ob die Oscar-Nominierung gerechtfertigt und der knallharte Eastwood auch dieses Mal in der Lage war, eine dramatische Geschichte gefühlvoll zu inszenieren.

Story / Inhalt

Marie Lelay (Cécile de France) ist eine französische TV-Moderatorin, welche gemeinsam mit ihrem Freund Urlaub in Thailand macht. Als sie alleine über den Markt spaziert, werden sie und die anderen Passanten von einem unheimlichen Grollen erschrocken. Autos werden von der Straße gedrückt und Palmen brechen wie Streichhölzer zur Seite weg. Marie beginnt, um ihr Leben zu rennen, doch sie wird von einer, sich mit aller Brutalität platzverschaffenden Welle erfasst, wodurch sie eine Nahtoderfahrung erlebt. Durchwühlt von diesem Gefühl, welches sie während dieses Ereignisses erlebt hat und ermutigt von ihrem Lebensgefährten, beschließt sie die Ereignisse in einem Buch zu verarbeiten.

George Lonegan (Matt Damon) lebt in San Francisco und arbeitet dort als Fabrikarbeiter, der regelmäßig ein geringes Gehalt nach Hause bringt. Doch George war nicht immer Angestellter in dieser Fabrik, denn er besitzt die besondere Gabe mit toten Menschen zu kommunizieren. Einst übte er dieses beruflich als Medium aus und wurde dabei von seinem Bruder unterstützt, welcher ihn vermarktete. So gab es schnell ein Buch über George und eine Internetseite, die über seine Gabe berichtet. Doch diesen Beruf konnte George nicht mehr ausführen, obwohl ihn immer wieder Menschen anflehen, er möge zu ihren verstorbenen Verwandten Kontakt aufnehmen.

Marcus (Frankie McLaren) und Jason (George McLaren) sind Zwillinge und unzertrennlich. Doch ist die Kindheit der Beiden nicht vom Glück beseelt. Ihre Mutter ist drogenabhängig und das Sozialamt lässt nichts unversucht, die beiden Jungs von ihrer Mutter zu trennen. Nachdem die Sozialarbeiter ein weiteres Mal abgewimmelt werden konnten, bittet die Mutter Marcus darum, ihr etwas von der Apotheke zu holen. Doch Jason erklärt, dass Marcus noch seine Hausaufgaben zu machen hat und er stattdessen gehen wird. Während Jason auf dem Weg zur Apotheke und wieder von dieser zurück ist, telefoniert er mit seinem Bruder, sodass dieser schließlich auch mitbekommt, wie einige Jugendliche Jason das Handy abnehmen wollen, doch dieser rennt davon und läuft auf die Straße, wo er von einem Auto tödlich erfasst wird. Kurz nach Jasons Tod bricht für Marcus eine Welt zusammen. Seine Mutter kommt in eine Entzugsklinik und er selbst wird zu Pflegeeltern gebracht. Nach einem Ausflug durch die Tiefen des Internets beschließt Marcus ein Medium zu suchen, welches ihn dabei helfen kann mit seinem verstorbenen Bruder Kontakt aufzunehmen.

Drei Menschen, drei Schicksale und alle führen sie zu einem Punkt. Und zwar zueinander.

Meinung zum Film

Wenn man an Clint Eastwood denkt, dann denkt man beispielsweise an Dirty Harry oder an Sergeant Highway wie er dem glatzköpfigen Fettsack in einer Gefängniszelle folgendes an den Kopf schmeißt: „Pass auf! Ich bin hinterhältig, unausgeschlafen und fies. Ich fresse grundsätzlich nur Stacheldraht und pisse Napalm und ich kann einer Fliege aus 200 Metern Entfernung ein Loch in den Hintern schießen. Also verschwinde lieber und *piep* nen anderen an – Schwabbel – bevor ich dich umlege.“

Ja, genauso hat man den guten alten Clint in Erinnerung. Um so überraschender waren dann sicherlich Filme wie „Mystic River“, „Million Dollar Baby“ oder „Gran Torino“. Wobei er im letzteren Film, was die Sprüche betrifft, wieder zu alter Stärke gefunden hatte. Darum sollte es auch weniger überraschend sein, wenn man hört, dass ein Schicksalsfilm wie „Hereafter“ von Eastwood persönlich inszeniert wurde.

Was ihm bisher als Regisseur recht gut gelungen war, war die Darstellung der inneren Konflikte seiner Hauptcharaktere. Auch in „Hereafter“ wimmelt es geradezu von inneren Konflikten der einzelnen Protagonisten. Und das bringt uns zurück zu dieser herrlichen Trockenheit, mit der Eastwood seine eigenen Rollen bestückt hatte, wenn er beispielsweise zum Sergeant sagt: „Sergeant, nehmen Sie augenblicklich diesen Schmuggel-Stumpen aus meinem Gesicht, bevor ich Ihnen den so weit in den *Piep* reinramme, dass Sie sich beim anstecken die Nase verbrennen.“

So herrlich trocken damals seine eigenen Sprüche waren, so grausam trocken sind in „Hereafter“ die Charaktere. Aalglatt schlängeln sie sich durch die 129 Minuten des Filmes und machen dabei dem Zuschauer unmissverständlich klar, dass es ihnen ziemlich pumpe ist, was der Kinobesucher in diesem Augenblick von ihnen denkt. Viele gezeigte Sequenzen und Konversationen wirken unnütz und treiben die Geschichte nicht wirklich voran.

Wenn man drei voneinander unabhängige Geschichten erzählt und diese zusammen führen will, dann sollte man auch eine Zusammenführung auf der Leinwand präsentieren, wo der Zuschauer nicht das Gefühl hat, dem Schreiberling ist gerade der Kaffee ausgegangen und es nur noch zwei Möglichkeiten für ihn gibt: Entweder ein gutes Ende finden ohne Kaffee oder kack auf das Ende und lieber Bohnen pflücken gehen. Offensichlich haben die Kaffeebohnen gewonnen, denn das Ende und damit die Zusammenführung der drei Charaktere ist recht einfallslos gestaltet und passt nicht wirklich zur eigentlichen Botschaft des Filmes.

Hinzu kommt, dass man mit keinem der Charaktere so richtig mittrauern will. Nicht mal der um seinen Bruder trauernde Marcus will einem das Herz in der Brust zerreißen lassen. Die einzelnen Darstellungen wirken einfach zu sehr nach einer Schablone und jeder der Schauspieler scheint nicht mehr geben zu wollen als nötig, obwohl wesentlich mehr nötig gewesen wäre.

Während sich Cécile de France auf ihrer charmanten französischen Art ausruht und der Jungdarsteller Frankie McLaren scheinbar nicht hinter die Kamera guckt, um diese zu ignorieren, sondern um seinen Text nochmal ablesen zu können, wirkt Matt Damon als wolle er sich gleich eine Waffe schnappen, um im Bourne-Stil Vergeltung zu üben, wenn da nicht Mister Eastwood wäre, der ihm mit einem mahnenden Zeigefinger verständlich macht, dass er sich gefälligst auf seine Rolle zu konzentrieren hat. Der vierte Teil der Bourne-Saga wird schon noch früh genug kommen.

Es ist schade mit anzusehen, wie Geschichten mit Potenzial immer häufiger schlecht erzählt und grottig ausgeschöpft werden, denn „Hereafter“ hätte ein Film mit Tränengarantie werden können. Doch dafür sind die einzelnen Geschichten in wichtigen Momenten einfach zu lieblos erzählt und in unwichtigen Momenten zu detailliert dargestellt, sodass wichtige Filmminuten unnötig ins Land verstreichen, während das Popcorn pappig, die Cola schal, der Kinositz steinhart wird und der Zuschauer sich denkt: Sag mal, was wollt ihr Vögel eigentlich von mir?

Dafür ist die Flutwelle wenigstens gelungen. Wahrscheinlich ist dieser Moment der spannendste, dramatischste, traurigste und am besten in Szene gesetzte Teil des Filmes. Diese Tatsache wiegt noch schlimmer, wenn man bedenkt, dass die Flutwelle innerhalb der ersten zehn Filmminuten über die Leinwand rauscht, ca. fünf Minuten lang Palmen, Autos und Menschen mit sich reißt und dafür sogar noch eine Oscar-Nominierung einheimsen konnte. Die Tragik des Eigentlichen scheint in diesem Wellen-Wirrwarr regelrecht mit ersoffen zu sein, sodass der Wunsch nahe liegt, Marie aufgrund eines anderen Ereignisses eine Nahtoderfahrung zu bescheren.

Fazit

Potenzial ist vorhanden, mehr leider auch nicht. Die Darsteller sind zwar im Bild, finden dort aber kaum statt. Mitleid empfindet man höchsten kurz für Marcus der um seinen Bruder trauert, doch ist diese schauspielerische Leistung wohl noch eine der schlechteren wobei die Frage erlaubt sein dürfte, ob es der Casting-Crew nicht möglich war, in den USA talentierte Zwillinge ausfindig zu machen. Bleibt einem am Ende nur noch zu sagen: „Clint, wenn du mir nochmal so einen Schrott vor die Linse schiebst, haue ich dir so eine rein, dass du dein Müsli nur noch im Nacken kauen kannst.“

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