Ich sehe den Mann Deiner Träume Kritik & Meinung
In schöner Regelmäßigkeit bringt der New Yorker Autorenfilmer Woody Allen jedes Jahr einen neuen Film heraus, und das nun seit über 40 Jahren. Zu seinem 75. Geburtstag erschien 2010 sein 41. Film „Ich sehe den Mann deiner Träume“, der in London entstanden ist. Nach einigen weniger überzeugenden Filmen hat er hier nach „Match Point“ (2005) wieder zu seinen alten Qualitäten zurückgefunden.
Die Tragikomödie mit dem Originaltitel „You will meet a tall dark Stranger“ zeigt in der typisch Allen‘schen eher pessimistischen Weltsicht den ganz gewöhnlichen Alltag von zwei Ehepaaren. Sie haben sich auseinandergelebt und suchen ihr Glück woanders, bei dem „großen dunklen Fremden“. Doch schließlich merken sie, dass die vermeintliche Verbesserung ihrer Situation nur eine Illusion war. Concorde Home Entertainment bringt diesen sehenswerten Streifen um die Liebe und das Leben auf DVD und Blu-ray Disc heraus, leider ohne Extras wie Making-of oder Interviews.
Wie immer muss die Regielegende nicht lange nach guten Schauspielern suchen. Bei seinen intelligenten Drehbüchern voller Witz und Tragik kommen die Besten gerne. Allens Vorlagen sind wie gemacht für gute Darsteller, die nicht nur schöne Augen haben, sondern echte Charaktere in pausenlosen Dialogen verkörpern können. Alfie (Anthony Hopkins), altersmäßig ein Alter Ego von Woody Allen, hat nach vierzig Ehejahren genug von seiner Frau Helena (Gemma Jones) und sucht sich eine neue junge Liebe. Helena verspricht sich Erfüllung bei einer Wahrsagerin und okkulten Praktiken. Alfie und Helenas Tochter Sally (Naomi Watts) ist mit Roy (Josh Brolin) verheiratet. Auch bei Ihnen läuft die Ehe nicht mehr zum Besten. Roy versucht sich trotz abgeschlossenem Medizinstudium erfolglos als Romanautor. Sally muss das Geld in einer Galerie verdienen. Hier hat sie bald ein Auge auf ihren Chef Greg Clemente (Antonio Banderas) geworfen, der sie in die Oper einlädt. Roy dagegen ist die bildhübsche Inderin Dia (Freida Pinto) in der Nachbarschaft nicht nur durch ihr Gitarrenspiel aufgefallen. Sie ist jedoch leider schon vergeben und steht kurz vor der Hochzeit. Alfie, der Älteste im Bunde, begeht zu alledem die größte Dummheit, als er sich von dem wohlgeformten und frivolen Callgirl Charmaine (Lucy Punch) verführen lässt und sie sogar heiraten will. Vor Roy und Sally gibt sie sich als Schauspielerin aus. Doch die haben schnell begriffen, dass sie ihn nur „ausnehmen will wie eine Weihnachtsgans“. Helena hat mittlerweile ihren „dunklen Fremden“ in dem Buchhändler Jonathan (Roger Ashton-Griffiths) gefunden.
Allmählich wird die Lage für alle immer hoffnungsloser. Sally möchte gerne ihren Chef, doch der hat sich gerade in eine Malerin verliebt, Alfie kommt durch die vielen teuren Geschenke an Charmaine immer mehr in Geldnöte. Als Roys Roman vom Lektor gerade abgelehnt wurde, erfährt er vom Unfalltod seines Freundes und Kollegen Strangler (Ewen Bremner), der ein sehr gutes Manuskript hinterlassen hat. Roy stiehlt das Werk aus Stranglers Wohnung, es wird ein Bestseller. Auch mit seinen Flirts bei Dia hat er Erfolg, sie sagt im letzten Moment ihre Hochzeit ab. Lange währt das Triumphgefühl aber nicht, denn Strangler ist gar nicht tot, sondern liegt nur im Koma mit guten Genesungsaussichten. Sally möchte nach der Enttäuschung mit ihrem Chef eine eigene Galerie eröffnen. Dazu bittet sie ihre Mutter um ein Darlehen, doch die lehnt ab, weil die Sterne nicht gut stehen. Charmaine eröffnet Alfie, dass sie schwanger ist, doch er glaubt nicht, dass das Kind von ihm ist. So stehen schließlich alle am Ende vor einem Scherbenhaufen. Sie wollten ihre Lage verbessern und sich in Illusionen flüchten, die manchmal besser als Tabletten sind. Doch wie bei Shakespeare war es nur eine „Geschichte von Lärm und Raserei, die nichts bedeutet“.
Trotz dieses offenen Endes und viel Frust für die Charaktere überzeugt Woody Allen wieder mit vielen Pointen, unterstützt von einem erstklassigen Schauspielerensemble. Seine allzu menschlichen Geschichten wollen keine fertigen Lösungen anbieten, sondern die Zuschauer zum Nachdenken über ihr eigenes Leben anregen. Dass wir zum Beispiel zufrieden sein sollten statt immer unerfüllbaren Trugbildern hinterherzujagen. Fast jeder wird sich in irgendwelchen Zitaten oder Handlungen wieder gefunden haben. Woody Allen und seinen Schauspielern ist hier ein großartiges Theater des Lebens gelungen.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Naomi Watts
als SallyJosh Brolin
als RoyAntonio Banderas
als GregEwen Bremner
als Henry StranglerGemma Jones
als Helena ShepridgeRoger Ashton-Griffiths
als JonathanJim Piddock
als PeterAnthony Hopkins
als AlfieAnna Friel
als IrisFreida Pinto
als DiaLucy Punch
als CharmaineAnupam Kher
als Dia's ParentsPauline Collins
als Cristal




















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