Interview Kritik & Meinung
Der niederländische Filmemacher, Publizist und Satiriker Theo van Gogh (1957–2004) war einer der umstrittensten seiner Zunft. Er führte bei 13 Filmen Regie und bekam so viele nationale Auszeichnungen wie kein anderer Regisseur. Dennoch ist sein Name vielen Menschen erst seit seiner Ermordung bekannt. Er wurde am 2. November 2004 von einem religiösen Fundamentalisten erschossen, offenbar als Reaktion auf die Darstellung des Islam in seinem Kurzfilm „Submission“. Auch gegenüber anderen Religionen und Konventionen brach er Tabus und legte sich mit vielen Gruppierungen an, ohne sich dabei der Gefahr bewusst zu sein, in die er sich als öffentliche Person damit begibt. Sein Filmdrama „Interview“ von 2003 wurde zu seinem vorletzten Werk und erst richtig bekannt durch das Remake von und mit dem amerikanischen Independent-Star Steve Buscemi und Sienna Miller aus dem Jahr 2007.
Erstmals gibt es jetzt die originale niederländische Urfassung, den bedeutendsten Film des ermordeten Regisseurs, in Deutschland auf DVD.
Ausgerechnet während einer Regierungskrise muss der niederländische Politikjournalist Pierre Peters zur Strafe ein Interview mit der Soap-Darstellerin Katja Schuurman machen. Vollkommen unmotiviert weiß er zunächst gar nicht, was er diese Frau fragen soll, die bisher eher durch ihren Brustumfang bekannt wurde. Doch allmählich entwickelt das Gespräch eine Eigendynamik und die Rollen von Frager und Gefragten wechseln hin und her.
Schließlich wird aus dem Dialog ein psychologischer Machtkampf, bei dem beide tief in ihr Seelenleben blicken lassen. Van Gogh setzte in seinem Kammerspiel für zwei Personen mit Pierre Bokma und Katja Schuurman bewusst einen bekannten Charakterdarsteller und eine ehemalige Soap-Darstellerin der niederländischen Ausgabe von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ein, die ihre Rollen dadurch überzeugend und ungekünstelt spielen können.
Die echte Wohnung der Hauptdarstellerin als Kulisse macht alles noch glaubhafter.
Gedreht wurde in fünf Nächten mit drei digitalen Videokameras gleichzeitig. Dadurch konnte das Projekt mit einem geringen Budget von 200.000 Gulden verwirklicht werden. Van Gogh stellt hier wie in vielen seiner anderen Projekte das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt. Eine Frau und einen Mann, die komplexe, dynamische und leidenschaftliche Beziehungen miteinander verbinden.
Hier lässt er einen „Theater-Gott“ gegen eine „Soap-Göttin“ antreten und hat während der Dreharbeiten „die Akteure oft an den Rand des Wahnsinns getrieben“, wie er gesteht. Dieses Geschlechterduell geht schließlich unentschieden aus, denn beide glauben nicht an Beziehungen. „Alle menschlichen Beziehungen sind ein Missverständnis“ stellen sie übereinstimmend fest.
Wähnt man zunächst Pierre als Punktsieger gegen eine dümmliche Gelegenheitsdarstellerin, spielt Katja im Lauf der Zeit mehr und mehr ihre weiblichen Vorzüge aus. Sie gibt vor, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein und bringt ihn schließlich so weit, dass er vor laufender Kamera den Mord an seiner Frau gesteht.
Am Schluss des Films führen ihn zwei Polizisten ab. Ob Katja sich jetzt als moralische Siegerin sieht, bleibt offen. Die Low-Budget-Produktion macht sich auch noch in der DVD-Edition bemerkbar, denn es gibt keine Synchronisation, was auch wieder teuer geworden wäre. Wer kein Niederländisch versteht, muss mit den Untertiteln Vorlieb nehmen. Es lohnt sich dennoch, gerade wenn man das Remake von Buscemi kennt, auch einmal das authentische Original gesehen zu haben.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Sienna Miller
als KatyaSteve Buscemi
als Pierre PedersTara Elders
als Maggie









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