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Le nozze di Figaro Kritik & Meinung

Die zeit­kri­ti­sche Komö­die „La folle jour­née ou le Mariage de Figaro“ von Pierre-Augustin de Beaum­ar­chais erregte 1784 in Paris wegen sei­ner anti­hö­fi­schen Ein­stel­lung Auf­se­hen. Napo­leon I. äußerte spä­ter über das Stück, es sei die Revo­lu­tion in Aktion, Kai­ser Joseph II. ver­bot 1785 eine Auf­füh­rung in Wien.

Der Wie­ner Thea­ter­di­rek­tor und Hof­poet Lorenzo da Ponte hielt sich in sei­ner ita­lie­ni­schen Bear­bei­tung des Stof­fes für Wolf­gang Ama­deus Mozarts Oper „Le nozze di Figaro“ eng an das Ori­gi­nal, wobei er aller­dings alle poli­tisch gefärb­ten Stel­len ent­fernte, da nur so in Wien eine Auf­füh­rung mög­lich war. Die Oper erlebte ihre Urauf­füh­rung am 1. Mai 1786 im Wie­ner Burg­thea­ter und kam beim Publi­kum gut an, doch der Kai­ser ließ sie schon nach weni­gen Auf­füh­run­gen wie­der abset­zen. Nach dem gro­ßen Erfolg in Prag erfreute sich das Werk zahl­rei­cher Auf­füh­run­gen und gehört bis heute zum Stan­dard­re­per­toire aller gro­ßen Opern­häu­ser. Mozart formte aus dem amü­san­ten Wech­sel­spiel da Pon­tes eine Komö­die, die ganz aus dem Geist der Musik lebt. Dabei stellt er geschickt das Hei­tere und Ernste gegen­über, ver­mensch­licht die Figu­ren und ver­geis­tigt sie liebevoll-ironisch. For­mal hält er sich zwar an das Buffa-Schema mit einer Folge von Arien und Ensem­bles mit Sec­core­zi­ta­ti­ven, bän­digt aber die Viel­falt der kon­ven­tio­nel­len Mit­tel stil­voll in klas­si­scher Ein­heit. So ist immer alles in stän­di­ger Bewe­gung, und eines ergibt sich aus dem ande­ren. Den­noch hat jede Figur ihr unver­wech­sel­ba­res Pro­fil und eine bestimmte Funk­tion im dra­ma­ti­schen Gefüge.

Pseu­do­mo­derne Insze­nie­run­gen mei­nen, den Stoff der Oper wäh­rend der Auf­klä­rungs­zeit durch ein moder­nes Büh­nen­bild und heu­tige Kos­tüme in die Aktua­li­tät trans­for­mie­ren zu müs­sen. An der alt­ehr­wür­di­gen Mai­län­der Scala, die neben Wien, Ber­lin und New York zu den bes­ten Opern­häu­sern der Welt zählt, hält man sich glück­li­cher­weise noch an die Tra­di­tio­nen. Der legen­däre Gior­gio Streh­ler (1921–1997) gehörte zu den berühm­tes­ten Thea­ter­re­gis­seu­ren Euro­pas. In sei­nem Mai­län­der Pic­colo Teatro schuf er unter ande­rem her­aus­ra­gende Ber­tolt Brecht– und Wil­liam Shakespeare-Interpretationen. Als Opern­re­gis­seur war er an allen wich­ti­gen Opern­häu­sern der Welt tätig, vor allem an der Mai­län­der Scala, außer­dem bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len mit maß­stab­set­zen­den Gestal­tun­gen. Dort insze­nierte er Ver­dis Simon Boc­ca­ne­gra (1971), Mac­beth (1975) und 1980 Wolf­gang Ama­deus Mozarts Le nozze di Figaro. Diese legen­däre Insze­nie­rung von Mozarts Meis­ter­werk in einer Auf­nahme aus dem Jahr 2006 bringt Art­haus Musik auf einer Doppel-DVD her­aus. Der Süd­afri­ka­ner Gér­ard Kors­ten am Diri­gen­ten­pult sorgt in der gut drei­stün­di­gen Auf­füh­rung für ein trans­pa­ren­tes Klang­bild im Dienst des Sängerensembles.

Der Ita­lie­ner Ilde­brando D’Arcangelo beweist ein­mal mehr, dass ihm die Rolle des gräf­li­chen Kam­mer­die­ners Figaro auf den Leib geschnit­ten ist. Zwei Jahre spä­ter hat er unter Niko­laus Har­non­court in Wien diese Rolle ver­kör­pert. Der Bass­ba­ri­ton ist spe­zia­li­siert auf das klas­si­sche ita­lie­ni­sche Buffo-Fach von Mozart, Doni­zetti und Ros­sini. Die aus Günz­burg stam­mende Diana Damrau steht als Kam­mer­zofe Susanna an sei­ner Seite. Das Reper­toire der Sopra­nis­tin ist sehr viel­sei­tig, mit Schwer­punk­ten auf Mozart, Mah­ler und Richard Strauss. Die ande­ren Haupt­rol­len ver­kör­pern ita­lie­ni­sche Sän­ger, dar­un­ter Pie­tro Spa­gnoli als Graf Alma­viva, Mar­cella Orsatti Tala­manca als Grä­fin Alma­viva und Monica Bacelli mit ihrem dunk­len Mez­zo­so­pran in der Hosen­rolle des Che­ru­bino. Ihre Stim­men glän­zen in den Arien und ver­schmel­zen in den Ensem­bles her­vor­ra­gend. Auch die komö­di­en­haf­ten schau­spie­le­ri­schen Ele­mente kom­men nicht zu kurz in dem viel­schich­ti­gen Stück. Streh­lers stil­vol­les Büh­nen­bild ist klas­sisch ein­fach gehal­ten und lenkt nicht von der Hand­lung ab. Neben den Künst­lern auf der Bühne haben auch die Tech­ni­ker und Kame­ra­leute der RAI eine präch­tige Arbeit geleis­tet. Weder über­trie­be­ner Zwi­schen­ap­plaus noch Hus­ter oder sons­tige Stö­run­gen einer Live­auf­füh­rung trü­ben den opti­schen und akus­ti­schen Genuss. Die Bild­re­gie ist varia­bel wie in einem Kino­film, was nur durch eine große Werk­kennt­nis und ent­spre­chende Abstim­mung zwi­schen den ein­zel­nen Kame­ras mög­lich ist.

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