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Luther Kritik & Meinung

Mit der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung der ame­ri­ka­ni­schen Luthe­ra­ner ver­wirk­lichte der englisch-kanadische Regis­seur Eric Till 2003 seit vie­len Jah­ren wie­der einen gro­ßen Kino­film über den gro­ßen Refor­ma­tor Mar­tin Luther aus Wit­ten­berg, der durch sei­nen Streit mit der alten Kir­che in Rom unbe­wusst die Neu­zeit auslöste.

Durch Nacht zum Licht“ könnte das Motto hei­ßen, wenn der junge Jura­stu­dent Mar­tin nach sei­nem befrei­en­den Gewit­ter bei Stot­tern­heim zunächst ins Klos­ter ein­tritt und spä­ter als Theo­loge mit sei­nen Rom-kritischen The­sen das gesamte Abend­land aus dem fins­te­ren Mit­tel­al­ter in die Bah­nen der Auf­klä­rung lenkt. War­ner Bro­thers bringt die­sen Film, der Mil­lio­nen Zuschauer in die Kinos lockte, erst­mals als Blu-ray Disc heraus.

Till und sei­nem her­vor­ra­gen­den Team aus Schau­spie­lern, Kame­ra­leu­ten und Aus­stat­tern gelingt hier rela­tiv gut ein schwie­ri­ger Spa­gat bei der Ver­mitt­lung von Sta­tio­nen in Luthers Leben. Einer­seits muss die Span­nung erhal­ten wer­den, ohne die kein Kino­film aus­kommt, zum ande­ren sol­len zumin­dest Luthers Ker­nar­gu­mente ver­mit­telt wer­den, mit denen er schließ­lich ohne direkte Absicht die beste­hende römi­sche Kir­che spal­tet. Der Kom­pro­miss für diese Grat­wan­de­rung besteht aus Ver­ein­fa­chung und Geschichts­ver­fäl­schung. Für aus­führ­li­che Aus­züge aus sei­nen Pre­dig­ten oder Schrif­ten bleibt in zwei Stun­den keine Zeit. In die­ser Hin­sicht kommt keine Film­bio­gra­fie des Refor­ma­tors an die fünf­tei­lige Pro­duk­tion des DDR-Fernsehens zum Luther­jahr 1983 heran. Hier wurde mit weni­ger finan­zi­el­len Mit­teln mehr aus­ge­sagt. Tills Pro­duk­tion musste dage­gen schon wegen der Haupt­fi­nan­zie­rung durch US-Lutheraner – der Etat lag bei über 20 Mil­lio­nen Euro – inter­na­tio­nal aus­ge­rich­tet sein. Die Beset­zung mit dem eng­li­schen Hollywood-Star Joseph Fien­nes („Shake­speare in Love“) als Luther soll vor allem ein jun­ges Publi­kum in die Kinos locken. Lei­der ent­spricht die­ser hagere, groß­ge­wach­sene Schön­ling wenig dem Mar­tin Luther, den wir von zahl­rei­chen Por­träts sei­nes Maler­freun­des Lucas Cra­nach d. Ä. ken­nen. Bes­ser besetzt sind da schon der ruhige Bruno Ganz als Luthers geis­ti­ger Zieh­va­ter Johann von Stau­pitz und Sir Peter Usti­nov in sei­ner letz­ten Film­rolle mit weni­gen Ges­ten und fast nur in sit­zen­der Posi­tion als ver­schmitz­ter Kur­fürst Fried­rich der Weise, der Luther durch die fin­gierte Ent­füh­rung auf die Wart­burg das Leben ret­tete, selbst aber zeit­le­bens Rom die Treue hielt. Der den welt­li­chen Genüs­sen wie der Jagd zuge­neigte und theo­lo­gisch total unbe­darfte Papst Leo X. wird von Uwe Och­sen­knecht und seine theo­lo­gi­sche Speer­spitze Kar­di­nal Cajetan von Matthieu Car­ri­ère glaub­haft reprä­sen­tiert. Lars Rudolph ent­spricht äußer­lich eher sei­ner Rolle des Phil­ipp Melan­chthon, dem wich­tigs­ten theo­lo­gi­schen Mit­strei­ter Luthers, des­sen enorme Bedeu­tung für die Refor­ma­tion der Film igno­riert. Durch die inter­na­tio­nale Ver­mark­tungs­stra­te­gie wird nur eng­lisch gespro­chen, die deutsch­spra­chi­gen Dar­stel­ler syn­chro­ni­sie­ren sich selbst.

Wie meist im Kino muss der Film stark redu­zie­ren und auch fäl­schen, um keine Lan­ge­weile auf­kom­men zu las­sen. Der zeit­li­che Bogen spannt sich vom bekeh­ren­den Gewit­ter bei Stot­tern­heim 1505 bis zum Augs­bur­ger Reichs­tag 1530, wo die pro­tes­tan­ti­schen Kir­chen ihre bis heute bedeu­tende „Con­fes­sio Augustana“ ein­brach­ten. Von ihrem Inhalt wird nichts ver­mit­telt. Luthers eigent­li­cher bis heute gefei­er­ter revo­lu­tio­näre Akt, der Anschlag der 95 The­sen gegen den Ablass­han­del am 31. Okto­ber 1517 an das Kir­chen­por­tal der Wit­ten­ber­ger Schloss­kir­che, wird nur kurz abge­han­delt, kaum aber, um was es Luther dabei eigent­lich ging. Dage­gen wer­den fik­tive Ereig­nisse gezeigt, die es gar nicht gab, und die nur wegen der Dra­ma­tur­gie ein­ge­baut wur­den. So beer­digt der Film-Luther einen jun­gen Selbst­mör­der oder bekehrt eine arme Mut­ter, die Rei­sig sam­melt und ver­kauft, um für ihr behin­der­tes Kind Geld für Ablass­briefe zu bekom­men. Luthers Bibel­über­set­zung ist eine der wich­tigs­ten Errun­gen­schaf­ten der deut­schen Geis­tes­ge­schichte und stil­bil­dend für die deut­sche Hoch­spra­che bis heute. So bot es sich an, Luther seine frisch­ge­druckte deut­sche Bibel sei­nem Lan­des­fürs­ten und Lebens­ret­ter Fried­rich dem Wei­ßen per­sön­lich zu über­rei­chen. In Wirk­lich­keit sind sich die bei­den jedoch nie per­sön­lich begeg­net. Neben der­ar­ti­gen his­to­ri­schen Unge­nau­ig­kei­ten fällt noch eine gewisse Heroi­sie­rung Luthers auf, die nicht dem For­schungs­stand selbst der pro­tes­tan­ti­schen Theo­lo­gie ent­spricht. So war Luther alles andere als ein Freund der armen Bau­ern, denn Gott bestimmt nach sei­ner Mei­nung gemäß der Bibel dar­über, wel­chen Stan­des man ist. Außer­dem gilt es, der welt­li­chen Obrig­keit zu gehor­chen. Luthers Waffe war nicht das Gewehr oder die Mist­ga­bel, son­dern das Wort. Den­noch bereute er spä­ter, dass es in sei­nem Namen in den Bau­ern­krie­gen zu dem grau­sa­men Gemet­zel mit vie­len Toten gekom­men ist. Sol­che Dinge blen­det der Film ebenso aus wie Luthers nicht gerade freund­li­che Worte über die Juden, die in man­chen his­to­ri­schen Inter­pre­ta­tio­nen dann bis zu den Gas­kam­mern des 20. Jahr­hun­derts führ­ten. Schließ­lich betont der Film zu wenig, dass Luther pri­mär ein Theo­loge ist und kein Sozialreformer.

Wenn ein Film für ein gro­ßes Publi­kum mit sol­chen Tat­sa­chen über­for­dert wäre, so hätte doch an eini­gen Stel­len eine dif­fe­ren­zierte Sicht­weise nicht gescha­det. Aber dafür blieb ein­fach zu wenig Zeit. So ist es den­noch ein Ver­dienst von Tills Werk, das Phä­no­men Luther einem gro­ßen Publi­kum bild­ge­wal­tig gezeigt zu haben. Und das ist für ein Medium für das Auge wie den Film nicht ein­fach, denn Luthers Refor­ma­tion brachte im Chris­ten­tum den Über­gang vom Sehen der Hei­li­gen­bil­der, Mons­tran­zen und Showauf­füh­run­gen am Altar zum Hören der Pre­digt in der Lan­des­spra­che und zur Betei­li­gung aller Gläu­bi­gen etwa durch Sin­gen von Cho­rä­len am Got­tes­dienst. Mit dem deka­den­ten Rom und dem macht­gie­ri­gen Karl V., in des­sen Reich die Sonne nie unter­ging, gibt es wich­tige Gegen­spie­ler, die als idea­les Feind­bild zu Luther das Böse ver­kör­pern und so die Gegen­sätze eines Kino­dra­mas gut erfül­len. In plas­ti­schen Bil­dern wird die schein­hei­lige Dop­pel­mo­ral der alten Kir­che in Rom vor­ge­führt, wo Kle­ri­ker ins Bor­dell gehen und büßende Sün­der auf Knien betend die Trep­pen hoch­stei­gen. Für Luthers Ehe­le­ben mit der adli­gen Nonne Katha­rina von Bora bleibt zum Glück nicht mehr allzu viel Zeit. Denn sonst wäre viel­leicht noch eine rich­tige Schnulze nach dem Motto „Luther in Love“ dar­aus gewor­den. Unab­hän­gig von den geschicht­li­chen Wahr­hei­ten bie­tet die Blu-ray Disc auch zu Hause einen ästhe­ti­schen Genuss in HD-Qualität mit bril­lan­ten digi­tal ange­rei­cher­ten Bil­dern, die die Stim­mung der beweg­ten Zeit des aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ters gut wie­der­ge­ben. Als nütz­li­ches Bonus­ma­te­rial gibt es einen Audio­kom­men­tar, Hintergrund-Informationen, Inter­views und ein Making Of.

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Eure Meinungen & Kommentare

  • sunshine1995jr
    also der film ist wirklich seeeehr gut gemacht und ich bin der meinung luther war einer der menschen die am meisten etwas für unsere heutige welt gemacht hat wir nehmen das thema gerade in geschichte durch und deshalb haben wir in der klasse den film geschaut wirklich empfehlenswert !!! nicht nur für protestanten denn ich bin christ und bin trotzdem luthers ansichten !!

  • lovelyboy102
    Ich wünschte wir hätten heute noch einige Politiker und Landesbischöffedie so wären wie Luther die gegen die permantenen Verbrechen des Vatikans und der päpstlichen Einmischungsversuche in der deutschen Politik vorgehen würden.

  • qooe1
    Ich finde, dass der Film viel zu einseitig ist! Hier sieht man nicht, wie die Gewährleistung der Ausbreitung der lutheranischen Lehren den protestantischen Fürsten als ideale Rechtfertigung diensten, um ihre Macht auszuweiten und eine Art Polizeistaat manifestierten, der die Ausübung der lutheranischen Lehren minutiös überwachte und nicht die geringste Abweichung tolerierte!!!!

  • Baba Bart67
    @moni123469 "..von sich selbst berauscht!"

  • zitronenroller
    Der Film ist wunderbar, die beiden oberen Kommentare sind (in Bezug auf Homosexuellen-Diskriminierung) einfach nur ekelhaft. Es sind Menschen, die sich über andere erhaben fühlen, mit Gott hat das nichts zu tun.

  • moni123469
    danke fürs video bin mega aufgewirbelt und lustig heute wer mag mit mir schreiben und so

  • Little Eaqle
    Wir mussten dem Film im Rahmen des Konfirmantenunterrichts schauen, weil wir damals gerade über Luther gesprochen haben. Ich bin zwar nicht alzu gläubig aber als ich diesem FIlm sah, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Dieser Film ist einfach echt klasse gemacht und wirklich real. Bis heute, schaue ich diesen Film immer wieder gerne an, nicht nur am Reformationstag, auch einfach mal um Abstand von heute zu bekommen.

  • thestore2010
    @styleyabrain Ja - und genau unter diesem Gesichtspunkt muß man auch Filme wie "Luther" sehen - sie spiegeln nicht die historische Wahrheit, sondern die subjektive Wahrheit der Filmemacher.

  • styleyabrain
    @thestore2010 Nun, eine Mutmaßung beinhaltet stets ein persönliches Urteil über eine Sache, Person etc. - und da ich nicht persönlich dabei war als Luther gutes und schlechtes tat, möchte ich kein Urteil über die Person Luthers sprechen. Alles andere ist spekulativ und nennt sich "Glaube". Natürlich kann ich temporäre Umstände mit Wahrscheinlichkeiten weiterführen bis endlich das vor Augen steht was ich vorab gezeichnet habe...

  • thestore2010
    @styleyabrain Wieso sollte Dir diese Mutmaßung nicht zustehen? Es ist gut möglich, daß wir heute ein etwas ins Positive verzerrte Bild von Luther serviert bekommen. Er mag die Kirche reformiert haben, aber man sollte nicht vergessen, daß er vor Allem ein Christ seiner Zeit war, was einen gewissen Fanatismus und Dogmatismus sicherlich voraussetzte.

  • styleyabrain
    @thestore2010 dazu kann ich nur sagen: Niemand ist frei von Fehlern, ob Papst oder Luther... mit dem von dir angeführten Zitat bezieht er sich auf eine Stelle im AT, scheinbar hatte er das NT nicht vollständig in seiner Gesamtheit erfasst (aber solches steht mir nicht zu, zu mutmaßen).

  • styleyabrain
    @MegaMartin47 die Dinge die ich anspreche umfassen den gesamten Klerus egal ob kathol. oder ev. !! Weder die katholische noch die evangelische vertreten heutzutage in geschlossener Einigkeit (natürl. gibt es in beiden Kirchen, lokale Ausnahmen) das Wort Gottes ! Ergebnis: Leere Bänke und kein Sinn mehr für wahren Glauben

  • Mega Martin47
    @styleyabrain Er selber kritisierte seiner Zeit schon die Kirch, nämlich der Herr Luther war der Begründer der evangl. Kirche, diese Dinge, die du ansprachst beziehen sich auf die kathol. Kirche...

  • flaminia5
    ich habe mich über die Wahl des Hauptdarstellers gewundert, bis ich das portrait von Martin Luther aus dem Jahr 1520 gesehen habe: es gibt eine gewisse ähnlichkeit tatsächlich!

  • E R S G U T E R J U N G E727
    waaaaa wir schauen den film grad in geschichte eigendlich nicht so schlecht eigendlich gut

  • Malus Baccata
    @styleyabrain wunderbar, dass noch jmd weiß, wie man sinnvolle kommentare schreibt und sogar über alles nachdenk :) *däumchen hoch*

  • styleyabrain
    Ich denke Luther würde "sich im Grab umdrehen" wenn er sehen würde was heute mit "der" Kirche geschieht bzw. innerhalb derer .... :( dabei gibt es so viele klare 1 to 1 Bibelaussagen bezgl. Kindesmissbrauch, schwule etc. .... ok heutzutage würde ml wahrsch. als gefährl. fundamentalist eingestuft werden obwohl er nur das Wort Gottes

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