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Max Schmeling — Eine deutsche Legende Kritik & Meinung

Pro­fi­bo­xen hat für viele einen zwei­fel­haf­ten Ruf. Leute der Unter– und Halb­welt krei­schen und buhen in sti­cki­gen Hal­len und freuen sich, wenn einer zur Stre­cke gebracht ist. Sind es Urinstinkte des Men­schen, sich daran zu erfreuen, wenn zwei gegen­sei­tig oft bis zur Bewusst­lo­sig­keit auf­ein­an­der ein­dre­schen? Trotz der­ar­ti­ger Vor­be­halte gab es im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert einen deut­schen Boxer als über alle Zwei­fel erha­be­nes Sport­idol, und das trotz König Fuß­ball und einem kurz­zei­ti­gen Tennisboom.

Max Schme­ling galt in sei­nem lan­gen Leben (1905–2005) nicht nur wegen sei­ner Erfolge im Ring als einer der popu­lärs­ten deut­schen Sport­ler über­haupt. Bis ins hohe Alter bewahrte er seine Beschei­den­heit und Boden­stän­dig­keit. Auch seine Dis­tanz zum natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Regime, das ihn zunächst als Aus­hän­ge­schild benut­zen wollte, spä­ter dann nach einer Nie­der­lage fal­len ließ, brachte ihm viele Sym­pa­thien ein. Er nutzte seine Kon­takte, um Juden und Regime­geg­ner vor dem Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger zu bewah­ren und wei­gerte sich, sei­nen jüdi­schen Man­ger Joe Jacobs zu ver­las­sen. Schme­ling und seine Ehe­frau, der Ufa-Filmstar Anny Ondra, gal­ten als Traum­paar. Im Box­ring fei­erte er Erfolge ab 1926 als Profi. 1930 besiegte er in New York Jack Shar­key nach Dis­qua­li­fi­ka­tion und wurde bis­lang als ein­zi­ger Deut­scher Welt­meis­ter im Schwer­ge­wicht. Sei­nen größ­ten Sieg fei­erte er 1936 durch K.o. in der 12. Runde eben­falls in New York gegen den bis dahin unge­schla­ge­nen Joe Louis. Hier ging es zwar um kei­nen Titel, aber Schme­ling galt als kras­ser Außen­sei­ter. Die Natio­nal­so­zia­lis­ten fei­er­ten die­sen Sieg Schme­lings gegen einen Far­bi­gen. Nach sei­ner Nie­der­lage 1938 gegen Louis um die Welt­meis­ter­schaft fiel er dann in Ungnade. Ein Come­back nach dem Krieg schei­terte. Da er kei­nen „nor­ma­len“ Beruf erlernt hatte, bekam er zunächst keine Arbeit. Spä­ter wurde er ein erfolg­rei­cher Unter­neh­mer mit der nord­deut­schen Coca-Cola-Lizenz.

Die inter­es­san­tes­ten zwei Jahr­zehnte die­ses erfüll­ten Lebens ab etwa 1930 zeigt das Bio­pic „Max Schme­ling – Eine deut­sche Legende“, das bei KSM auf Blu-ray Disc erschie­nen ist. Dem Regis­seur Uwe Boll eilt kein guter Ruf vor­aus. Bis­lang hat er vor allem Video­spiele ver­filmt und gilt als Meis­ter des Trash­films. So hatte er für sei­nen Schmeling-Film große Pro­bleme, an öffent­li­che För­der­gel­der zu kom­men. Zwei groß­zü­gige Spen­der, die nicht genannt wer­den wol­len, hal­fen aus. Haupt­dar­stel­ler ist der ehe­ma­lige DDR-Amateur– und spä­tere Profi-Boxer Henry Maske (gebo­ren 1964), der durch sei­nen ele­gan­ten Stil als Gent­le­man im Ring berühmt wurde. Ihn hatte sich Max Schme­ling noch selbst in sei­ner Rolle gewünscht. Die Ähn­lich­keit der bei­den Box­idole ist ver­blüf­fend. Henry Maske ist zwar eine andere Gewichts­klasse, aber in Größe und Figur Max Schme­ling sehr ähn­lich. Bei Bio­pics über große Sport­idole muss immer ein Kom­pro­miss ein­ge­gan­gen wer­den. Mit einem Schau­spie­ler müs­sen die Kampf­sze­nen gedou­belt wer­den. Bei „Max Schme­ling“ dage­gen sind die Kampf­sze­nen mit Henry Maske und Pro­fi­bo­xern sehr rea­lis­tisch, dafür müs­sen kleine Abstri­che bei der schau­spie­le­ri­schen Qua­li­tät des Prot­ago­nis­ten hin­ge­nom­men wer­den. Meh­rere Monate nahm Maske Schau­spiel­un­ter­richt und ließ sich wäh­rend der Dreh­ar­bei­ten von Arved Birn­baum coa­chen. Der spielt als Reichs­sport­füh­rer den bösen Ant­ago­nis­ten des Titel­hel­den. Das Dreh­buch for­dert Maske nicht zu sehr mit Dia­lo­gen. Sel­ten hat er meh­rere Sätze am Stück auf­zu­sa­gen. Mit sei­nem bran­den­bur­gi­schen Dia­lekt unter­schei­det er sich etwas von Schme­ling, der im meck­len­bur­gi­schen Klein-Luckow gebo­ren wurde und spä­ter in Hol­len­s­tedt bei Har­burg lebte, wo inzwi­schen ein Schmeling-Denkmal steht. Außer Henry Maske und sei­nen Boxer­kol­le­gen Arthur Abra­ham und Yoan Pablo Hernán­dez als Joe Louis wir­ken einige renom­mierte Schau­spie­ler mit, Susanne Wüst als Anny Ondra, Heino Ferch als Trai­ner Max Machon und Wla­di­mir Weigl als Mana­ger Joe Jacobs.

Die Hel­den­ge­schichte um die Box­kämpfe als rotem Faden ist recht ein­fach und epi­so­den­haft ange­legt. Gegen Ende des zwei­ten Welt­kriegs bekommt der am Bein ver­letzte Schme­ling in Kreta den Auf­trag, einen bri­ti­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen zu über­füh­ren. Es war eine Art Straf­mis­sion, weil sich Schme­ling nicht vom Reichs­sport­füh­rer ein­span­nen las­sen wollte. Wäh­rend des Mar­sches erzählt er dem Gefan­ge­nen seine Lebens­ge­schichte, die in Rück­bli­cken gezeigt wird. Vor allem die Kampf­sze­nen wur­den von Uwe Boll, der frü­her selbst 14 Jahre Ama­teur­bo­xer bei Bayer Lever­ku­sen war, rea­lis­tisch insze­niert. Dadurch kom­men die Box­freunde voll auf ihre Kos­ten. Maske ist sicht­lich bemüht, das große Idol rea­lis­tisch zu ver­kör­pern. Etwas steife Dia­loge stö­ren weni­ger, denn Schme­ling war bekannt für seine spröde und wort­karge Art. Dass der Film in den deut­schen Kinos trotz der Detail­liebe sei­ner Macher nicht sehr gut lief, könnte damit zusam­men­hän­gen, dass Schme­ling vie­len der meist jugend­li­chen Kino­gän­ger kein Begriff mehr ist. Das Vor­ur­teil eines schlech­ten Regis­seurs hat Uwe Boll jeden­falls mit die­sem enga­gier­ten Strei­fen widerlegt.

©NEW KSM Cinema

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Eure Meinungen & Kommentare

  • mindbrix
    @XxTestProfilxX Bei Herr Lehmann stimme ich dir 100 % zu. Der ist echt gut... Ich fand auch "Schulze gets the blues" ziehmlich gut. ..

  • Xx Test Profilx X
    @mindbrix Die Feuerzangenbowle, Anatomie, Die Brücke, Der Bewegte Mann, Herr Lehmann, Das Boot, 23-Nichts ist so wie es scheint (ich glaub so hieß der), Die fetten Jahre sind vorbei, Napola, Keinohrhasen, Die Welle .... und evtl. der Untergang (obwohl ich persönlich den auch nicht so gut fand)

  • shadows006
    @TheChrischi1981 : kann ich Dir einfach nur Recht geben, habe den Film mir gestern ausgeliehen und er hat meine Befürchtung bestätigt ;). Gute Boxszenen, (keine Frage Maske ist ein toller Boxer), eine gute Wahl mit Heino Ferch als Trainer, Maske hatte nicht so viele Dialoge, und die welche er hatte. Nun ja wir wollen fair sein, er ist eben ein BOXER und kein Schauspieler.

  • 69schorse
    also ich fand den Film widererwartend recht gut. Die Boxszenen sind echt klasse a la "Ali" und auch Henry (der natürlich kein Schauspieler ist) bringt die Stoische und holprige Art von Schmeling recht gut rüber. Qualitativ gibts nicht viel zu meckern. Ist aber natürlich kein Meisterwerk und wird sicher kommerziell kein grosser Wurf mehr. Trotzdem kurzweilige Unterhaltung! Und ja: Ich weiss, wer Boll ist..habe fast alle Filme gesehen

  • Stinkaa200
    Kann das nich noch ein besserer Regisseure neu verfilmen.Die Geschichte ist so genial und der Film ist einfach schwach.

  • Sagradugo
    omg PU-Leder Handschuhe 14 unzen für die kampfszenen hahaha wie unrealistisch ist das denn bitte??

  • brudi12
    Ein peinlicher Film und wiedereinmal ein Beleg dafür, daß deutsche Filme einfach geringstes Mittelmaß sind. Und Henry Maske mit den aufgeklebeten Augsbrauen....

  • vidchris0044
    Jetzt kann man nur hoffen, dass sich ein adäquater Regisseur, ein exzellenter Drehbuchautor und ein ausdrucksstarker Charakterdarsteller finden, damit d e r deutschen Legende im Boxsport ein filmisches Denkmal gesetzt wird.

  • vidchris0044
    Also der "Film" ist ein hoffnungsloser Flop geworden. 16.000 Zuschauer seit dem Filmbeginn. Deutlicher geht es nun wirklich nicht! Dem Gentleman seine Profilierungssucht war für ihn ein deutlicher Schlag in sein Gesicht. Er hat versucht d i e Boxlegende zu mimen und wurde zu Recht bestraft. Uwe Boll hat sich als nun der überlebensgroße Dilletant offenbart der er auch ist.

  • alfred024
    @rosenkranz007 Warten wir die Reaktionen der Zuschauer ab.

  • Streetfighters F F O
    ich find den film nich schlecht das sag ich nicht nur weil ich aus frankfurt oder komme :)

  • Mrs Fashion Queen1
    Weiß gar nicht was ihr alle habt hab den Film gesehn und fand ihn echt gut. Wenn man keinen ehemaligen Boxer nehmen will wen dann nen ehemaligen Golf Spieler ?!^^ (nicht mein account)

  • Faxe1985
    wer gibt ihm denn jedesmal die Kohle so eine scheiße zu Produzieren? Das ist ja wohl mal echt ein schrecklicher Trailer

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