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MORE THAN HONEY Kritik & Meinung

Mit beeindruckenden Bildern führt uns der Oscar-nominierte Schweizer Filmregisseur Markus Imhoof in das Universum der Honigbienen ein. Der ungewohnte Einblick in diese Insektenvölker, die stark vom Aussterben bedroht sind, erscheint jetzt bei Senator Film im Vertrieb von Universum Film mit interessantem Bonusmaterial auf Blu-ray Disc. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und ist in der Schweiz der erfolgreichste Kinodokumentarfilm aller Zeiten. Ausgangspunkt für Imhoofs Recherchen waren die Meldungen über das Aussterben vieler Bienenvölker.

Bereits als Kind war er bei seinem Großvater auf dem Land mit dem Summen der Bienen aufgewachsen. Der wurde aufwändig mit modernster Kameratechnik in fünf Jahren realisiert. Das „mehr als Honig“ bezieht sich auf die Leistung der Bienen, die durch Bestäubung vieler Pflanzen für das Gedeihen von mehr als einem Drittel unserer Nahrungsmittel verantwortlich sind. Der Physiker Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen aus.“ Ein Leben ohne sie ist undenkbar, denn sie sind die großen Ernährer der Menschheit.

Markus Imhoof gelingt es wie einst Horst Stern, auf ruhige, sachliche und unpolemische Art auf ein höchst brisantes Thema vom Verhältnis von Tieren und Menschen aufmerksam zu machen. Er hat Imker und Forscher in verschiedenen Lebensräumen begleitet, von der Schweiz bis nach Kalifornien, von China bis Australien. In Kalifornien wird Bienenzucht aus rein kommerziellen Gründen im großen Stil betrieben. Im Berner Oberland berichtet ein bärtiger Landmann in Schweizerdeutsch, zum Glück mit Untertitel, über seine Beobachtungen während der letzten Jahre. In der Steiermark wird eine Imkerin gezeigt, die Königinnen und damit neue Bienenvölker züchtet. Denn um die Bienen zu beherrschen, muss man die Königin beherrschen. In den USA gibt es bei der Bienenzucht keine Bergromantik und Idylle mehr, hier zählt nur der Profit. Obstbauern und Bienenzüchter sind eine Symbiose eingegangen, die Imker folgen den blühenden Bäumen quer durch das Land. Sterbende Bienenvölker sind einkalkuliert und wecken keine Emotionen. Diese industrielle Bienenhaltung, verbunden mit dem Einsatz von Pestiziden und Fungiziden bei den Obst- und Pflanzenzüchtern, ist wohl die Hauptursache für das massenhafte Bienensterben in letzter Zeit. Durch Massentierhaltung, Behandlung mit Antibiotika und Zusammenführung von Bienenvölkern breiten sich die Krankheiten schnell aus. Der weite Transport quer durch die USA und verschiedene Klimazonen sorgt für zusätzlichen Stress bei den Bienen, wodurch ganze Völker aussterben. Imhoof hat auch Bienenforscher in Deutschland und Australien beobachtet. In China müssen bereits die zahlreich vorhandenen Menschen die Bestäubungsarbeit der ausgestorbenen Bienenvölker übernehmen. Auch die afrikanische Honigbiene, eine besonders aggressive und gefährliche Spezies, wird vorgestellt. Sie ist wesentlich resistenter gegenüber Krankheitskeimen und Parasiten wie Milben als die bei uns verbreiteten Bienen.

Das Bonusmaterial enthält ein Interview mit Regisseur Markus Imhoof über seine Motivation und Erfahrungen, zusätzliche Szenen, ein Making-of, eine Fotogalerie von den Dreharbeiten sowie den Original-Kinotrailer. Es wird gezeigt, wie die atemberaubenden Großaufnahmen um die Bienenstöcke mit modernster Kameratechnik entstanden sind. Sie bleiben noch lange im Gedächtnis und gemahnen uns, mit der Natur schonend umzugehen. Denn wenn der Raubbau an den Ökosystemen so weitergeht, könnte es diese disziplinierten und fleißigen Lebensgemeinschaften, denen wir nicht nur den Honig zu verdanken haben, bald nicht mehr geben.

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