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Mount St. Elias“ – Wie man seine Grenzen überwinden kann

Die meis­ten Zeit­ge­nos­sen ken­nen das Pro­blem: Ein Berg von Arbeit über­zieht den Schreib­tisch, der Rech­ner quillt förm­lich über, das Mail­pro­gramm gibt den Geist auf. Dazu noch eine lapi­dare Fest­stel­lung, wie: „das ist völ­lig unmög­lich und nicht mach­bar“ und die Lage wirkt fast schon aus­sichts­los. Dass eine Sache angeb­lich nicht zu schaf­fen ist, kann aller­dings auch beflü­geln und egal ob im Gro­ßen oder Klei­nen, eine hand­li­che Anlei­tung, die einem sagt: „Du kannst es schaf­fen!“ kann jeder irgend­wann im Leben gut gebrauchen.

Der Berg

Mount St. Elias“ kann man als eine sol­che Anlei­tung betrach­ten. Der Doku­men­tar­film wid­met sich dem schein­bar Aus­sichts­lo­sen auf ganz beson­dere Weise. Die Ski­al­pi­nis­ten Axel Nag­lich und Peter Ress­mann demons­trie­ren in Alaska ein­drucks­voll, wie man einen wahn­sin­nig gro­ßen Berg bezwin­gen und das Unmög­li­che mög­lich machen kann. Der St. Elias ist der welt­weit höchste Gip­fel eines Küs­ten­ge­bir­ges und ragt 5.489 Meter in den stahl­blauen Him­mel eines men­schen­lee­ren Lan­des. Die­sen Koloss zu bestei­gen ist schon schwer genug. Ihn anschlie­ßend auch noch von ganz oben bis zum Meer hinab auf Ski­ern zu befah­ren ist… Unmög­lich? Davon war man fel­sen­fest über­zeugt – bis die bei­den Öster­rei­cher mit ihrer Expe­di­tion das Gegen­teil bewiesen.

Uner­reich­bar groß

Von außen betrach­tet wir­ken viele Dinge im Leben kom­plex, über­mensch­lich groß, undurch­schau­bar und mit mensch­li­chen Fähig­kei­ten allein nicht zu bezwin­gen. Einen ähn­li­chen Ein­druck dürfte ein gigan­ti­scher Berg in einer Land­schaft aus Fels­ge­stein, Eis und Schnee an den rauen Gesta­den Alas­kas auf so ziem­lich Jeden machen, der sich in diese unwirt­li­che Wild­nis begibt. Selbst den Extrem­sport­ler Axel Nag­lich, der im All­tag als Archi­tekt arbei­tet, haben die unge­heu­ren Dimen­sio­nen des Mount St. Elias zunächst völ­lig über­wäl­tigt. Doch nach­dem sich der erste Schre­cken gelegt hatte, begann ihn der Berg auch zu faszinieren.

Gren­zen überwinden

Eine Expe­di­tion durch­zu­füh­ren und die Bezie­hung zwi­schen Mensch und Berg in ihrer extrems­ten Form mit einem Doku­men­tar­film zu erzäh­len, das ist die Grund­idee von „Mount St. Elias“. Warum peit­schen sich Men­schen immer wie­der an ihre phy­si­schen und men­ta­len Gren­zen? Wor­aus schöp­fen sie ihre Moti­va­tion, und wel­che Fähig­kei­ten müs­sen sie bewei­sen, um ein Leben am Rande des Abgrunds zu füh­ren? Diese Frage trieb Regis­seur Gerald Sal­mina an, führte auch ihn nach Alaska und ließ den Film selbst zu einem Aben­teuer wer­den, das auf­zeigt, wie man Gren­zen überwindet.

Kon­zen­tra­tion und kleine Schritte

Wenn die zu lösende Auf­gabe wie eine gewal­tige Berg­wand vor einem steht, dann sollte man sich vor allem eines ver­ge­gen­wär­ti­gen: Man darf sich nie­mals ent­mu­ti­gen las­sen! Am St. Elias bewie­sen die Expe­di­ti­ons­teil­neh­mer, dass auch ein wahr­haft gro­ßes Pro­blem in viele kleine Pro­bleme zer­legt wer­den kann und mit kon­zen­trier­ter und ent­schlos­se­ner Arbeit um ein Viel­fa­ches leich­ter zu lösen ist. Und da man den zwei­ten Schritt nicht vor dem ers­ten set­zen kann, begann man zunächst mit einer gründ­li­chen Vor­be­rei­tung. Bereits 3 Jahre vor der eigent­li­chen Expe­di­tion beschäf­tig­ten sich die Prot­ago­nis­ten Nag­lich und Ress­mann sowie Regis­seur Sal­mina akri­bisch mit lebens­wich­ti­gen logis­ti­schen Fra­gen und such­ten nach der bestän­digs­ten Tech­nik für ihr Vor­ha­ben. Um alle klei­nen Pro­bleme küm­mer­ten sie sich mit größ­ter Sorg­falt: Aus­rüs­tung zum Klet­tern und zum Abfah­ren wurde eigen­hän­dig getes­tet und opti­miert, wet­ter­feste Kame­ra­tech­nik erprobt, Kon­takte zu Pilo­ten, Berg­stei­gern und Meteo­ro­lo­gen in Alaska geknüpft, ein Begleit­team auf­ge­stellt, das kör­per­li­che und men­tale Fit­ness­trai­ning nicht zu ver­ges­sen – alle Kräfte wur­den für die ent­schei­dende Phase gebündelt.

Gip­fel­sieg und Abfahrt ins Ziel

Von Mai bis August 2007 harrte die Expe­di­tion in der Nähe des Berg-Ungetüms auf die rich­tige Gele­gen­heit für Auf­stieg und Abfahrt. Ein Basis– und ver­schie­dene Höhen­la­ger wur­den ein­ge­rich­tet, meh­rere Ver­su­che den Gip­fel zu errei­chen schei­ter­ten, ein vor­zei­ti­ger Abbruch des Unter­neh­mens drohte. Doch im August war es schließ­lich soweit: Hoch kon­zen­triert began­nen die Män­ner den Auf­stieg. Nach drei Tagen erreich­ten sie den Gip­fel, bereits nach 10 Minu­ten mach­ten sie sich auf den Weg tal­wärts. Nach­dem sie sicher auf Mee­res­ni­veau ange­kom­men waren, hat­ten sie das Unmög­li­che geschafft. Für den glück­li­chen Axel Nag­lich trotz aller Stra­pa­zen ein fol­ge­rich­ti­ges Ergeb­nis: „Es ist befrie­di­gend, aber ich flippe nicht aus vor lau­ter Begeis­te­rung. Ich sage immer, es ist die logi­sche Kon­se­quenz aus all den Mona­ten der Pla­nung, der Orga­ni­sa­tion und des Trai­nings. Es ist das­selbe wie in der Architektur.“

Mount St. Elias“ lie­fert bes­tes Anschau­ungs­ma­te­rial in Sachen Grenz­er­fah­rung und –über­win­dung. Seit dem 7. April gibt es das eisige Aben­teuer auf DVD und Blu-ray zu kau­fen – eine abso­lute Emp­feh­lung für alle, die eben­falls ihre klei­nen oder gro­ßen Pro­bleme bewäl­ti­gen wol­len und einen ordent­li­chen Schuss Moti­va­tion gebrau­chen können.

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