Nostalghia Kritik & Meinung
Die meisten Nordeuropäer zieht es nach Italien wegen der Wärme, der hellen klaren Landschaften und der glänzenden Renaissance-Kunst in der Toskana. Dass man dieses Land mit seiner zeitlosen Kultur des klassischen Altertums auch ganz anders sehen kann, beweist der legendäre Film „Nostalghia“ des russischen Regisseurs Andrej Tarkowski (1932–1986) von 1983, der jetzt in einer restaurierten Neuauflage mit vielen Extras auf DVD erschienen ist.
Der russische Schriftsteller Andrej (Oleg Jankowski) reist auf den Spuren eines russischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert zusammen mit der Dolmetscherin Eugenia (Domiziana Giordano) durch Italien. Doch statt heller klarer Kunst wird dieses Land hier durch die Brille einer melancholischen russischen Seele wie Schottland im Herbst dargestellt. Es ist neblig, düster und regnet fast ununterbrochen.
Als Kulisse dienen rätselhafte Ruinenlandschaften. Die „Nostalgie“, das Heimweh, setzen dem Protagonisten derart zu, dass er kaum etwas Positives sehen kann. Statt die Liebe Eugenias zu erwidern, wendet er sich dem exzentrischen Eremiten Domenico (Erland Josephson, bekannt u.a. aus Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe) zu, in dem er einen Seelenverwandten erkennt und der ihn schließlich mit dem Ansinnen ansteckt, sich das Leben zu nehmen.
Tarkowski selbst bezeichnet „Nostalghia“ auf russisch als eine lebensgefährliche Krankheit, denn ohne seine Wurzeln kann ein Mensch nicht vollwertig leben. Der Film trägt viele autobiographische Züge Tarkowskis, denn er musste selbst als russischer Künstler ins westliche Exil und vermisste dabei seine geliebte Heimat Russland mit seinen weiten Landschaften. Wie dem Titelhelden geht es auch ihm, wenn er als Unbehauster ständig nach einer Heimat sucht.
„Nostalghia“ war der erste Film, den Tarkowski außerhalb Russlands und ohne staatliche Zwänge, jedoch mit wenigen Finanzmitteln produzierte. Die Darsteller und der Kameramann sind aus dem Westen. Der ursprünglich vorgesehene russische Hauptdarsteller verstarb während der Dreharbeiten an Krebs. Dasselbe Schicksal ereilte Tarkowskij vier Jahre später im Pariser Exil. Somit wurde „Nostalghia“ eine Art Schwanengesang seines eigenen Lebens.
Mit ihrem sehr individuellen Stil beeinflusste Tarkowskis Ästhetik viele Autorenfilmer der achtziger und neunziger Jahre in Ost und West, wie z.B. Lars von Trier. Sehr aufschlussreich ist dazu auch die 90-minütige Dokumentation über Tarkowski mit einer Würdigung vieler Weggefährten und Kollegen.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Oleg Yankovskiy
als Andrei GorchakovErland Josephson
als DomenicoMilena Vukotic
als Civil Servant







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