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PIRATES OF THE CARIBBEAN — FREMDE GEZEITEN: Penélope Cruz im ausführlichen Interview

Als Penélope Cruz die Rolle der Ange­lica in PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN, einer Pro­duk­tion von Walt Dis­ney Pic­tures und Jerry Bruck­hei­mer Films, über­nahm, war sie begeistert.

Und dafür gab es meh­rere sehr gute Gründe.

Zunächst ein­mal war es ihre erste Rolle in einem hoch­bud­ge­tier­ten Action­film: “Ich liebe es, in Europa zu dre­hen, und wenn ich in Ame­rika vor der Kamera stehe, ten­diere ich in den meis­ten Fäl­len dazu, mir klei­nere Pro­jekte mit wenig Action aus­zu­su­chen, denn hier finde ich die inter­es­san­tes­ten Cha­rak­tere”, erklärt die spa­ni­sche Schau­spie­le­rin. “In die­sem Film aber traf bei­des zusam­men. Ich fand eine sehr inter­es­sante Figur in einem wirk­lich gro­ßen Film, hatte damit die Gele­gen­heit zu beob­ach­ten, wie diese Art Filme ent­ste­hen. Und die Welt der Pira­ten liebe ich, weil sie so anzie­hend, reiz­voll und inter­es­sant ist.”

Und dann bot sich Cruz bei die­sem Film die Gele­gen­heit zu einer wei­te­ren Zusam­men­ar­beit mit Rob Mar­shall und Johnny Depp. Zuletzt stand Cruz mit Johnny Depp vor zehn Jah­ren für BLOW (“Blow”, 2001) vor der Kamera, ver­kör­perte die Ehe­frau von Depps Figur George Jung. “Wir haben uns bei den Dreh­ar­bei­ten zu BLOW wirk­lich sehr gut ver­stan­den, sind Freunde gewor­den”, erin­nert sich Cruz. “Dann aber habe ich ihn für einen lan­gen Zeit­raum nicht gese­hen. Nach­dem ich jetzt aber, nach all die­sen Jah­ren, wie­der sehr viel Zeit an sei­ner Seite ver­brin­gen konnte, ver­ste­hen wir uns jeden Tag immer bes­ser.”

“Johnny ist jedem gegen­über so freund­lich und lie­bens­wür­dig, er ist ein wirk­lich bril­lan­ter Kopf – ist smart, sehr cle­ver, ein Schnell­den­ker und aus­ge­spro­chen komisch. Er ist einer der wit­zigs­ten Men­schen, die ich kenne, und er hat ein gro­ßes Herz. Arbei­tet man mit so jeman­dem zusam­men, ist das eine beson­dere Erfah­rung. Als Mensch ist er wirk­lich ein­zig­ar­tig.”

Penélope Cruz’ erste Zusam­men­ar­beit mit Regis­seur Rob Mar­shall war die Musi­cal­ver­fil­mung NINE (“Nine”, 2009). Ihre her­aus­ra­gende Dar­stel­lung in der Rolle der Carla brachte der Spa­nie­rin Nomi­nie­run­gen für den Screen Actors Guild Award®, für den Gol­den Globe® und für den Oscar® ein. Für ihren preis­ge­krön­ten Regis­seur fin­det Cruz nur lobende Worte.

“Ich liebe Rob”, gibt die Oscar®–Preis­trä­ge­rin zu. “Er erschafft diese groß­ar­tige Fami­lie von Men­schen, die alle das glei­che Ziel ver­fol­gen. Und jeder aus die­ser Fami­lie will ihn glück­lich machen – wegen sei­ner Art und der Weise, wie er jeden behan­delt.”

“Rob kann wirk­lich mit enor­mem Druck umge­hen. Nie­mals wird er die Beherr­schung ver­lie­ren, nie­mals respekt­los gegen­über ande­ren sein. Ich habe das nicht ein ein­zi­ges Mal bei ihm gese­hen und dabei zwei Filme mit lan­gen Dreh­ar­bei­ten mit ihm absol­viert. Dafür respek­tiere ich ihn wirk­lich”, fasst Cruz zusam­men.

Penélope Cruz ver­kör­pert im Film Ange­lica, die erste Pira­tin in der PIRATES OF THE CARIBBEAN-Reihe. Sie genoss es, als Pira­tin genauso durch­trie­ben und geris­sen sein zu kön­nen wie Cap­tain Jack Spar­row. “Beide Figu­ren ver­su­chen, die Quelle der Jugend zu fin­den, und Ange­lica besitzt Infor­ma­tio­nen, die Jack Spar­row braucht, und er Infor­ma­tio­nen, die sie benö­tigt”, erklärt Cruz. “Sie brau­chen ein­an­der aus vie­len unter­schied­li­chen Grün­den. Und die­sen Umstand ver­su­chen sie zu nut­zen, wenn sie zusam­men auf einem Schiff fest­sit­zen.”

“Die ganze Zeit über ver­su­chen sie sich gegen­sei­tig her­ein­zu­le­gen, hel­fen ein­an­der aber gleich­zei­tig. Ihre Dia­loge mit­ein­an­der sind wie ein gemein­sa­mer Tanz, das alles ist sehr cle­ver und aus­ge­spro­chen gut geschrie­ben. Ich halte unser Dreh­buch für wirk­lich groß­ar­tig.”

Ange­lica ist mit­nich­ten eine gewöhn­li­che Pira­tin. Mit dem Schwert kann sie so gut wie jeder andere umge­hen, Cap­tain Jack ein­ge­schlos­sen. Und sie kann es in jeder Situa­tion mit ihm auf­neh­men. Das liegt viel­leicht daran, dass sie die Toch­ter des meist­ge­fürch­te­ten Pira­ten aller Zei­ten ist – die Toch­ter von Black­be­ard, der von Ian McS­hane dar­ge­stellt wird.

Für Penélope Cruz war McS­hane die per­fekte Wahl für die Rolle von Black­be­ard: “Ich finde die Beset­zung von Ian McS­hane aus­ge­spro­chen cle­ver, er ist ein­fach ein groß­ar­ti­ger Schau­spie­ler und bringt etwas in diese Figur ein, das sich jedem Kli­schee ver­wei­gert. Bei allem, was er macht, bringt er Wahr­haf­tig­keit ein. Und in den Augen sei­ner Figur sieht man etwas, das einem wirk­lich Angst ein­jagt.”

“Ange­lica ist eine Pira­tin und denkt wie eine Pira­tin”, beschreibt Cruz ihre eigene Rolle. “Sie ist durch­trie­ben, mani­pu­la­tiv und auch gefähr­lich, wenn es die Situa­tion erfor­dert. Sie liebt es, Spiele zu spie­len, hat jedoch ein gutes Herz, und immer ist ihr Beweg­grund ein guter. Aber sie hat einen reli­giö­sen Hin­ter­grund und sehr aus­ge­prägte Wert­vor­stel­lun­gen.”

“Ange­lica will sich nicht ein­ge­ste­hen, dass sie ihrem Vater nicht ver­trauen kann”, fährt Cruz fort. “Sie will ihm die Chance geben, sich zu ver­än­dern, und hört nicht auf, dafür zu kämp­fen. Das aber ist sehr schwie­rig.”

“Sie steckt also vol­ler Wider­sprü­che, und das macht mei­nes Erach­tens diese Figur so inter­es­sant. Sie weiß, dass sie zur Errei­chung ihrer Ziele durch­trie­ben sein und Men­schen mani­pu­lie­ren muss, zum Bei­spiel Jack Spar­row. Um ihm eben­bür­tig zu sein, das weiß sie genau, muss sie eine sehr gute Lüg­ne­rin, eine sehr gute Schau­spie­le­rin und eine sehr gute Mani­pu­la­to­rin sein. Um ihre Ziele zu errei­chen, kann sie jeden her­ein­le­gen, aber letz­ten Endes ist das, was sie anstrebt, etwas Gutes.”

Zur Vor­be­rei­tung auf ihre Rolle musste Cruz ler­nen, mit dem Schwert zu kämp­fen. “Vor Beginn der eigent­li­chen Dreh­ar­bei­ten habe ich zwei Monate dafür trai­niert”, erin­nert sich die Schau­spie­le­rin. “Ich kannte also die ganze Cho­reo­gra­phie, trai­nierte mit allen Spe­zia­lis­ten, allen Stunt­leu­ten und mei­nem Stunt­dou­ble – sie ist groß­ar­tig.”

Regis­seur Rob Mar­shall ging die Kampf­sze­nen an, als wären es Tanz­num­mern – eine Methode, die laut Penélope Cruz den Dar­stel­lern half, ihre Bewe­gungs­ab­läufe leich­ter zu ler­nen: “In NINE gab es einige sehr große Musi­cal­num­mern. Für sie haben wir auf die glei­che Weise geprobt wie jetzt für die Kampf­sze­nen. Rob hat die Kämpfe fast wie einen Tanz cho­reo­gra­phiert, und das hat allen von uns dabei gehol­fen, sie schnel­ler ein­stu­die­ren zu kön­nen.”

Cruz bot sich die Gele­gen­heit, mit eini­gen der furcht­er­re­gends­ten Figu­ren des Films vor der Kamera zu agie­ren – mit den Zom­bies, die Black­be­ards Crew bil­den. Aber sie weist schnell dar­auf hin, dass sie nicht die geringste Angst dabei spürte: “Die Zom­bies kön­nen mich nicht wirk­lich schre­cken, denn das waren alles groß­ar­tige Typen, mit denen ich sechs Monate zusam­men war. Einige von ihnen waren täg­lich fünf bis sechs Stun­den beim Mas­ken­bild­ner, und was hier das Make-up-Department geleis­tet hat, ist ein­fach erstaun­lich.”

Wie Cruz erzählt, war jeder am Set ganz ent­zückt von den Meer­jung­frauen, die bei der Suche nach der Quelle der Jugend eine wich­tige Rolle spie­len. “Jeder will doch Meer­jung­frauen sehen. Wir haben uns alle schon vor­ge­stellt, wie Meer­jung­frauen wohl aus­se­hen wür­den, gäbe es sie wirk­lich. Die Meer­jung­frauen in die­sem Film sind wun­der­schön, aber auch gefähr­lich. Ich erin­nere mich, wie jeder am Set die Mäd­chen, die Meer­jung­frauen und die Zeich­nun­gen, die ein Bild von ihnen nach Ein­satz aller Spe­zi­al­ef­fekte ver­mit­teln, sehen wollte. Und jetzt, da ich sie selbst gese­hen habe, finde ich sie wirk­lich wun­der­schön. Sie sind sehr attrak­tiv, sehr sexy und geheim­nis­voll.”

Für die Dreh­ar­bei­ten zu PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN konnte Cruz viele auf­re­gende Ori­gi­nal­schau­plätze besu­chen und auch an Bord von Black­be­ards Pira­ten­schiff, der Queen Anne’s Revenge gehen – eine Erfah­rung, die die Schau­spie­le­rin mit gan­zem Her­zen genoss. “Es war ein­fach wun­der­schön, manch­mal dreh­ten wir mit­ten in der Nacht, bis die Sonne auf­ging. Auf die­sem Schiff zu dre­hen, war pure Magie.”

“Wir hat­ten wirk­lich gro­ßes Glück, waren an so wun­der­schö­nen Dreh­or­ten auf Hawaii, auf Puerto Rico, auf die­ser klei­nen wun­der­schö­nen Insel Palo­mi­nito, dann auch in Lon­don und Los Ange­les. Es gab so viele Schau­plätze, die wir für die­sen Film besucht haben.”

Oscar®–Preis­trä­ge­rin Penélope Cruz hat bereits eine Viel­zahl von fas­zi­nie­ren­den Figu­ren gespielt und damit bewie­sen, dass sie eine der viel­sei­tigs­ten Schau­spie­le­rin­nen über­haupt ist. Sie ist die erste spa­ni­sche Schau­spie­le­rin, die für den Oscar® nomi­niert wurde und den wich­tigs­ten Film­preis als “Beste Neben­dar­stel­le­rin” in VICKY CRISTINA BARCELONA (“Vicky Cris­tina Bar­ce­lona”, 2008) auch gewann. Für Woody Allens Film­hit wurde sie außer­dem mit dem Award der Bri­tish Aca­demy of Film and Tele­vi­sion Arts (BAFTA), dem New York Film Cri­tics Cir­cle Award sowie mit dem Natio­nal Board of Review Award aus­ge­zeich­net.

Dar­über hin­aus stand Cruz für viele wei­tere Filme vor der Kamera, drehte unter ande­rem mit Johnny Depp BLOW (“Blow”, 2001), mit Nico­las Cage CORELLIS MANDOLINE (“Cap­tain Corelli’s Man­do­lin”, 2001), mit Tom Cruise VANILLA SKY (“Vanilla Sky”, 2001), mit Matthew McCo­n­aug­hey SAHARA – ABENTEUER IN DER WÜSTE (“Sahara”, 2005), mit Sir Ben Kings­ley ELEGY ODER DIE KUNST ZU LIEBEN (“Elegy”, 2008) und mit Daniel Day Lewis und Nicole Kid­man NINE (“Nine”, 2009). Mehr­fach spielte sie in Fil­men von Regis­seur Pedro Almo­dóvar, dar­un­ter in VOLVER – ZURÜCKKEHREN (“Volver”, 2006) und ZERRISSENE UMARMUNGEN (“Los Abra­zos Rotos”, 2009).

Waren Sie ein Fan der ers­ten drei Filme und wie groß war Ihre Begeis­te­rung, als Ihnen die Rolle ange­bo­ten wurde?

Ich habe alle drei Filme gese­hen und sie geliebt. Ich musste rich­tig lachen, als ich sie mir ansah, war ich ver­blüfft von die­ser Figur, die Johnny erschaf­fen hatte. Ich erin­nere mich noch, wie ich den ers­ten Teil sah und dachte “Wow, das ist wirk­lich mutig und abso­lut bril­lant.” Ich war sehr glück­lich, als mir Rob in Aus­sicht stellte, dass wir die­sen Film zusam­men dre­hen könn­ten. Wir waren gerade in Lon­don, die Dreh­ar­bei­ten zu NINE (“Nine”, 2009) näher­ten sich dem Ende, und er fragte mich: “Wür­dest Du gerne mit mir und Johnny bei PIRATES 4 mit­ma­chen?” Auf jeden Fall, sagte ich. In einem sol­chen Film hatte ich noch nie mit­ge­spielt, und die Aus­sicht auf eine wei­tere Zusam­men­ar­beit mit bei­den machte mich sehr glück­lich. Natür­lich hat­ten Johnny und ich zu die­sem Zeit­punkt zehn Jahre nicht mehr gemein­sam vor der Kamera gestan­den.

Was gefiel Ihnen daran, wie­der mit Johnny zu dre­hen, bei die­sem Film wie­der mit ihm zusam­men­ar­bei­ten zu kön­nen?

Wir haben uns bei den Dreh­ar­bei­ten zu BLOW (“Blow”, 2001) wirk­lich sehr gut ver­stan­den, sind Freunde gewor­den. Dann aber habe ich ihn für einen lan­gen Zeit­raum nicht gese­hen. Nach­dem ich jetzt aber, nach all die­sen Jah­ren, wie­der sehr viel Zeit an sei­ner Seite ver­brin­gen konnte, ver­ste­hen wir uns jeden Tag immer bes­ser. Bei unse­rer Begeg­nung über­raschte mich neben ande­ren Din­gen ganz beson­ders, wie beschei­den er ist. Er ist jedem gegen­über so freund­lich und lie­bens­wür­dig, er ist ein wirk­lich bril­lan­ter Kopf – ist smart, sehr cle­ver, ein Schnell­den­ker und aus­ge­spro­chen komisch. Er ist einer der wit­zigs­ten Men­schen, die ich kenne, und er hat ein gro­ßes Herz. Arbei­tet man mit so jeman­dem zusam­men, ist das eine beson­dere Erfah­rung. Als Mensch ist er wirk­lich ein­zig­ar­tig.

Sie spra­chen bereits die erneute Zusam­men­ar­beit mit Rob Mar­shall an. Was gefällt Ihnen beson­ders an ihm als Regis­seur?

Ich liebe Rob, die Zusam­men­ar­beit bei NINE war für mich eine groß­ar­tige Erfah­rung. Ich wollte schon immer in einem Musi­cal mit­spie­len. Er kommt aus der Welt des Tan­zes, ist Tän­zer und Cho­reo­graph. Und ich war Tanz­schü­le­rin. Ich habe 17 Jahre getanzt, wenn auch nie pro­fes­sio­nell. Ich kenne also die erfor­der­li­che Dis­zi­plin und die Opfer, die man brin­gen muss, um Pro­fi­tän­zer zu wer­den. Und genau das war Rob und dazu noch Cho­reo­graph. Des­halb bringt er die ent­spre­chende Arbeits­mo­ral auch in seine Filme ein. Er bringt sie zum Set mit, und das wirkt sich auf den Ton des gan­zen Films und auf die ganze Crew aus. Er erschafft diese groß­ar­tige Fami­lie von Men­schen, die alle das glei­che Ziel ver­fol­gen. Und jeder aus die­ser Fami­lie will ihn glück­lich machen – wegen sei­ner Art und der Weise, wie er jeden behan­delt.

Rob kann wirk­lich mit enor­mem Druck umge­hen. Nie­mals wird er die Beherr­schung ver­lie­ren, nie­mals respekt­los gegen­über ande­ren sein. Ich habe das nicht ein ein­zi­ges Mal bei ihm gese­hen und dabei zwei Filme mit lan­gen Dreh­ar­bei­ten mit ihm absol­viert. Dafür respek­tiere ich ihn wirk­lich, denn ich weiß genau, wie schwer es ist, für einen so gro­ßen Film wie die­sen ver­ant­wort­lich zu sein, wenn täg­lich 400 Leute Fra­gen stel­len und dich wahn­sin­nig machen. Er ist zu jeder Zeit und jedem gegen­über lie­bens­wür­dig und sanft, selbst wenn er nur drei Stun­den geschla­fen hat. Er ist ein ech­ter Gent­le­man, nichts an ihm ist gestellt.

Rob hat viel Neues in den Film ein­ge­bracht. Zum einen mehr Humor, außer­dem erst­mals 3D und eine Romanze für Spar­row – auch das eine Pre­miere. Ich ver­kör­pere die erste Pira­tin [in der Film­reihe], und das ist ein erfri­schen­der, sehr neuer und wirk­lich wit­zi­ger Ansatz. Dar­über bin ich sehr glück­lich – wie auch ins­ge­samt über den fer­ti­gen Film. Er bringt einen wirk­lich zum Lachen, hat auch ein gro­ßes Tempo. Er rast vor­bei wie eine abge­schos­sene Kugel. Und dann ist Schluss und man fragt sich: Wirk­lich? Das sol­len zwei Stun­den gewe­sen sein? Ich weiß nicht genau, wie lang der Film tat­säch­lich gewor­den ist, aber man hat das Gefühl, als wären nur fünf Minu­ten ver­gan­gen. Und das ist Robs Ver­dienst.

Sie haben von der ers­ten Pira­tin gespro­chen. Was ist das für eine Figur, wie sieht ihre Per­sön­lich­keit aus?

Ange­lica ist eine Pira­tin und denkt wie eine Pira­tin. Sie ist durch­trie­ben, mani­pu­la­tiv und auch gefähr­lich, wenn es die Situa­tion erfor­dert. Sie liebt es, Spiele zu spie­len, hat jedoch ein gutes Herz, und immer ist ihr Beweg­grund ein guter. Aber sie hat einen reli­giö­sen Hin­ter­grund und sehr aus­ge­prägte Wert­vor­stel­lun­gen. Sie steckt also vol­ler Wider­sprü­che, und das macht mei­nes Erach­tens diese Figur so inter­es­sant. Sie weiß, dass sie zur Errei­chung ihrer Ziele durch­trie­ben sein und Men­schen mani­pu­lie­ren muss, zum Bei­spiel Jack Spar­row. Um ihm eben­bür­tig zu sein, das weiß sie genau, muss sie eine sehr gute Lüg­ne­rin, eine sehr gute Schau­spie­le­rin und eine sehr gute Mani­pu­la­to­rin sein. Um ihre Ziele zu errei­chen, kann sie jeden her­ein­le­gen, aber letz­ten Endes, ist das, was sie anstrebt, etwas Gutes.

Sie ver­steht sich beson­ders gut dar­auf, Jack her­ein­zu­le­gen. Wie sieht diese Dyna­mik zwi­schen den bei­den aus, was wer­den wir über Ange­lica her­aus­fin­den?

Ange­lica ist auf einem per­sön­li­chen Rache­feld­zug gegen Jack. Gleich­zei­tig aber braucht sie Jack, weil sie beide auf einer Mis­sion sind, bei der der eine ohne den ande­ren nichts errei­chen kann. Die ganze Zeit über ver­su­chen sie, sich gegen­sei­tig her­ein­zu­le­gen, hel­fen ein­an­der aber gleich­zei­tig. Ihre Dia­loge mit­ein­an­der sind wie ein gemein­sa­mer Tanz, das alles ist sehr cle­ver und aus­ge­spro­chen gut geschrie­ben. Ich halte unser Dreh­buch für wirk­lich groß­ar­tig. Es war wun­der­bar, mit Johnny diese Art Bezie­hung zu ent­wi­ckeln. Wir kämp­fen ja immer mit­ein­an­der in den Fil­men, die wir gemein­sam dre­hen. In BLOW waren wir mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet, strit­ten uns in jeder Szene. Auch in PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN strei­ten wir viel, irgend­wann müs­sen wir also einen Film fin­den, bei dem wir nicht als Feinde vor der Kamera ste­hen. Aber es sind bekannt­lich immer Feinde, die sich lie­ben.

Warum braucht Ange­lica ihn? Wie sieht diese Mis­sion aus? Um was geht es?

Beide Figu­ren ver­su­chen, die Quelle der Jugend zu fin­den, und Ange­lica besitzt Infor­ma­tio­nen, die Jack Spar­row braucht, und er Infor­ma­tio­nen, die sie benö­tigt. Sie brau­chen ein­an­der aus vie­len unter­schied­li­chen Grün­den. Und die­sen Umstand ver­su­chen sie zu nut­zen, wenn sie zusam­men auf einem Schiff fest­sit­zen. Diese Bezie­hung zwi­schen den bei­den zu ent­wi­ckeln, hat wirk­lich gro­ßen Spaß gemacht.

Wie war das, als Sie das Schiff zum ers­ten Mal sahen, als sie zum ers­ten Mal an Bord eines Pira­ten­schif­fes gin­gen?

Es war unglaub­lich, auf die­sem rie­si­gen Schiff zu dre­hen. Ein­fach wun­der­schön. Manch­mal dreh­ten wir mit­ten in der Nacht, bis die Sonne auf­ging. Auf die­sem Schiff zu dre­hen, war pure Magie. Wir hat­ten wirk­lich gro­ßes Glück, waren an so wun­der­schö­nen Dreh­or­ten auf Hawaii, auf Puerto Rico, auf die­ser klei­nen wun­der­schö­nen Insel Palo­mi­nito, dann auch in Lon­don und Los Ange­les. Es gab so viele Schau­plätze, die wir für die­sen Film besucht haben.

Wie muss man sich das vor­stel­len, ist es wie ein gro­ßes Aben­teuer, wenn man so einen Film dreht?

Eines der wun­der­ba­ren Pri­vi­le­gien unse­res Berufs ist es, so viel rei­sen und dabei wun­der­schöne Orte ent­de­cken zu kön­nen. Alles, was wir auf Hawaii gese­hen haben, war pracht­voll. Und manch­mal kommt man dank eines Films an Orte, die man ohne die­sen Beruf nie gese­hen hätte oder, die nur schwer erreich­bar bezie­hungs­weise nur mit einer Son­der­ge­neh­mi­gung zugäng­lich wären, wie diese gan­zen Gebäude in Eng­land, die für die­sen Film vor die Kame­ras kamen. Man lernt bei Fil­men auch merk­wür­dige Dinge, bei die­sem hier zum Bei­spiel den Schwert­kampf.


Wie lern­ten Sie mit dem Schwert zu kämp­fen? Wie berei­tet man sich auf die Rolle einer Pira­tin vor?

Vor Beginn der eigent­li­chen Dreh­ar­bei­ten habe ich zwei Monate dafür trai­niert. Ich kannte also die ganze Cho­reo­gra­phie, trai­nierte mit allen Spe­zia­lis­ten, allen Stunt­leu­ten und mei­nem Stunt­dou­ble – sie ist groß­ar­tig. Was wirk­lich gefähr­lich war, konnte ich nicht über­neh­men. Alle pass­ten sehr gut auf mich auf – Rob, Johnny, Jerry, das Stu­dio, ein­fach jeder.

Gefällt Ihnen die kör­per­li­che Her­aus­for­de­rung? Dre­hen Sie gerne sol­che Sze­nen?

Ja, das tue ich. Wir gin­gen die Kampf­sze­nen an, als wären es Tanz­num­mern. In NINE gab es einige sehr große Musi­cal­num­mern. Für sie haben wir auf die glei­che Weise geprobt wie jetzt für die Kampf­sze­nen. Rob hat die Kämpfe fast wie einen Tanz cho­reo­gra­phiert, und das hat allen von uns dabei gehol­fen, sie schnel­ler ein­stu­die­ren zu kön­nen.

Sie haben Black­be­ard erwähnt. Was genau macht Black­be­ard als Böse­wicht so inter­es­sant?

Er ist wirk­lich gefähr­lich. Ich finde die Beset­zung von Ian McS­hane aus­ge­spro­chen cle­ver, er ist ein­fach ein groß­ar­ti­ger Schau­spie­ler und bringt etwas in diese Figur ein, das sich jedem Kli­schee ver­wei­gert. Bei allem, was er macht, bringt er Wahr­haf­tig­keit ein. Und in den Augen sei­ner Figur sieht man etwas, das einem wirk­lich Angst ein­jagt. Nie­mals denkt man “Oh, das also ist der Böse­wicht.” Ian hat eine sehr kom­plexe Per­sön­lich­keit erschaf­fen. Ich finde das groß­ar­tig, und es war aus­ge­spro­chen cle­ver von Rob, ihn für diese Rolle zu beset­zen. In mei­nen Augen ist Ian ein­fach wun­der­bar. Nie­mand hätte diese Rolle bes­ser spie­len kön­nen, das kann ich mir nicht vor­stel­len. Er ist wirk­lich ein erstaun­li­cher Schau­spie­ler und dann hat er noch diese unglaub­li­che Stimme.

Ihre Figur will ihn ret­ten, aber es gibt ja auch diese Reiz­bar­keit und Schärfe an Black­be­ard. Kei­ner weiß genau, was er vor­hat, auf wel­cher Seite er steht, rich­tig?

Abso­lut. Ange­lica will sich nicht ein­ge­ste­hen, dass sie ihrem Vater nicht ver­trauen kann. Sie will ihm die Chance geben, sich zu ver­än­dern und hört nicht auf, dafür zu kämp­fen. Das aber ist sehr schwie­rig.

Wie schät­zen Sie die­sen Film ein? Was gefällt Ihnen daran? Was ist das Beson­dere an die­sem Film?

Viele Filme die­ses Kali­bers wer­den nicht gedreht, und ich glaube, dass es in Zukunft noch weni­ger wer­den könn­ten, denn sol­che Filme erfor­dern einen rie­si­gen Pro­duk­ti­ons­auf­wand. Als Schau­spie­ler emp­fin­det man es als gro­ßes Pri­vi­leg, an einem sol­chen Film mit­wir­ken zu kön­nen. Zunächst ein­mal bie­tet sich hier die Gele­gen­heit, als Mit­ar­bei­ter sehen zu kön­nen, wie diese Art Filme ent­ste­hen. Ich liebe es, in Europa zu dre­hen, und wenn ich in Ame­rika vor der Kamera stehe, ten­diere ich in den meis­ten Fäl­len dazu, mir klei­nere Pro­jekte mit wenig Action aus­zu­su­chen, denn hier finde ich die inter­es­san­tes­ten Cha­rak­tere. In die­sem Film aber traf bei­des zusam­men. Ich fand eine sehr inter­es­sante Figur in einem wirk­lich gro­ßen Film, hatte damit die Gele­gen­heit zu beob­ach­ten, wie diese Art Filme ent­ste­hen. Und die Welt der Pira­ten liebe ich, weil sie so anzie­hend, reiz­voll und inter­es­sant ist. Es war also aus vie­len Grün­den eine groß­ar­tige Erfah­rung. Ich schätze mich glück­lich, an die­sem Film mit­ge­wirkt zu haben.

Kön­nen Sie uns etwas von den Neu­zu­gän­gen erzäh­len, die der Zuschauer erwar­ten kann, von den Meer­jung­frauen und den Zom­bies? Wie auf­re­gend und span­nend waren diese Figu­ren?

Jeder will doch Meer­jung­frauen sehen. Wir haben uns alle schon vor­ge­stellt, wie Meer­jung­frauen wohl aus­se­hen wür­den, gäbe es sie wirk­lich. Die Meer­jung­frauen in die­sem Film sind wun­der­schön, aber auch gefähr­lich. Ich erin­nere mich, wie jeder am Set die Mäd­chen, die Meer­jung­frauen und die Zeich­nun­gen, die ein Bild von ihnen nach Ein­satz aller Spe­zi­al­ef­fekte ver­mit­teln, sehen wollte. Und jetzt, da ich sie selbst gese­hen habe, finde ich sie wirk­lich wun­der­schön. Sie sind sehr attrak­tiv, sehr sexy und geheim­nis­voll. Die Fil­me­ma­cher haben hier wirk­lich wun­der­schöne Bil­der kre­iert.

Und wie sieht es mit den Zom­bies aus? Wie haben Sie rea­giert, als Sie die Zom­bies zum ers­ten Mal sahen?

Die Zom­bies kön­nen mich nicht wirk­lich schre­cken, denn das waren alles groß­ar­tige Typen, mit denen ich sechs Monate zusam­men war. Einige von ihnen waren täg­lich fünf bis sechs Stun­den beim Mas­ken­bild­ner, und was hier das Make-up-Department geleis­tet hat, ist ein­fach erstaun­lich. Jeder von ihnen hat hart an die­sem Look gear­bei­tet. Auf­ste­hen um 3 Uhr mor­gens gehörte auch dazu.

PIRATES OF THE CARIBBEAN – FREMDE GEZEITEN ist ab 22. Sep­tem­ber 2011 auf DVD, Blu-ray, Blu-ray 3D sowie als Down­load erhält­lich.

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