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Scarface Kritik & Meinung

Howard Hawks schuf 1932 mit „Scar­face: Shame of a Nation“ einen Klas­si­ker des Gangs­ter­films. Sorg­fäl­tig hat er den Lebens­lauf des schieß­wü­ti­gen „Nar­ben­ge­sichts“ Al Capone nach­ge­zeich­net. Etwa 50 Jahre spä­ter griff Brian De Palma die­sen Stoff in „Scar­face“ noch ein­mal in einer aktua­li­sier­ten Vari­ante auf. Nach einem Dreh­buch von Oli­ver Stone zeigt De Palma den bru­ta­len Auf­stieg des kuba­ni­schen Flücht­lings Anto­nio Mon­tana (Al Pacino) an die Spitze der Koka­in­szene in Miami.

Prä­zise kalte Bil­der zei­gen auf fast doku­men­ta­ri­sche Art in knapp drei Stun­den seine schmut­zi­gen Geschäfte. Mit dem dra­ma­tur­gi­schen Gerüst des Hawks-Klassikers zeigt De Palma den aktu­el­len poli­ti­schen Dro­gen­krieg, in dem es für die Ehre eines Gangs­ters kei­nen Platz mehr gibt. Mon­tana ist sehr auf seine Schwes­ter Gina (Mary Eliza­beth Mastran­to­nio) fixiert und ermor­det schließ­lich sei­nen bes­ten Freund Manolo (Ste­ven Bauer). Von der Mut­ter wird er wegen sei­ner schmut­zi­gen Geschäfte ver­sto­ßen. Die Aggres­sio­nen des Prot­ago­nis­ten ent­ste­hen hier nicht wie bei Hawks aus gesell­schaft­li­chen, son­dern aus poli­ti­schen Grün­den. Ein frü­hes Opfer ist ein aus Kuba aus­ge­wie­se­ner Libe­ra­ler. Immer wie­der wird Mon­tana zu angeb­lich poli­ti­schen Zwe­cken miss­braucht. Auch er schei­tert wie Al Capone schließ­lich an sei­ner Unfä­hig­keit zu lie­ben. Auch seine Frau Elvira (Michelle Pfeif­fer) kann daran nichts ändern. Schließ­lich wird der rück­sichts­lose Ver­bre­cher von den Schüs­sen einer Todes­schwa­dron zer­fetzt. Ohne jede roman­ti­sche Ver­klä­rung schuf De Palma mit die­sem zwei­ten „Scarface“-Klassiker einen letz­ten gro­ßen Mei­len­stein des Gangsterfilms.

Lange wurde die­ser Strei­fen wegen eini­ger blut­rüns­ti­ger Sze­nen, Vul­gär– und Fäkal­spra­che sowie der Ver­herr­li­chung von Gewalt in Deutsch­land nur in einer ver­kürz­ten FSK-16-Version ange­bo­ten. Uni­ver­sal Pic­tures bringt „Scar­face“ erst­mals in vol­ler Länge von 169 Minu­ten in der FSK-18-Fassung und in HD-Qualität auf Blu-ray Disc her­aus. Neben den nor­ma­len Ver­sio­nen gibt es eine nur in gerin­ger Auf­lage pro­du­zierte Spe­cial Edi­tion mit exklu­si­ver Fan-Ausstattung. Dazu gehö­ren eine Holz­box in Zigarrenkasten-Optik und ein 50-Dollar-Noten-Block mit Tony Mon­ta­nas Bild sowie seine Green­card. Die Extras, die teil­weise in HD-Qualität neu pro­du­ziert wur­den, sind sehr auf­schluss­reich. Es gibt Bei­träge wie das Scarface-Phänomen, unver­öf­fent­lichte Sze­nen, die Welt von Tony Mon­tana, die Wie­der­ge­burt des Klas­si­kers, die Dar­stel­lung, die Ent­ste­hung, die TV-Version und das Making-of des Video­spiels. Der Film ist mit sei­nen vie­len rea­lis­ti­schen Gewalt­sze­nen nicht nur ein Pio­nier des moder­nen Gangs­ter­films, er hat auch einen Kult in der Rapper-Szene und bei Com­pu­ter­spie­len ausgelöst.

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