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Schimanski — Special Edition 2011 Kritik & Meinung

Götz George alias Horst Schi­man­ski gilt als der belieb­teste „Tatort“-Kommissar aller Zei­ten. Kei­nem ande­ren Ermitt­ler war es ver­gönnt, nach sei­ner akti­ven Zeit im „Tat­ort“ in einer eige­nen Kri­mi­reihe, die sei­nen Namen trägt, wei­ter auf Ver­bre­cher­jagd gehen zu dür­fen. Am 28. Juni 1981 wurde die erste Tatort-Folge „Duis­burg Ruhr­ort“ mit dem neuen Kom­mis­sar Schi­man­ski aus­ge­strahlt. Götz George ver­kör­pert den unkon­ven­tio­nell ermit­teln­den Ruhrpott-Kommissar und sorgt zunächst für zwie­späl­tige Reaktionen.

Für die einen ist er ein Geset­zes­bre­cher und Schmuddel-Kommissar, doch für die meis­ten wird der ker­nige „Bulle“ zu einem Idol, weil er sich gegen die Obrig­keit auf­lehnt und für Arme und Benach­tei­ligte ein­tritt, ohne Kon­ven­tio­nen zu beach­ten. Er ver­fügt sowohl über kri­mi­nelle Ener­gie als auch über ein unge­heu­res Gerech­tig­keits­emp­fin­den. Dabei inter­es­sie­ren ihn die mensch­li­chen Hin­ter­gründe mehr als die Ver­bre­chen. Die­sem Sozi­al­ar­bei­ter­typ war wäh­rend sei­ner akti­ven Zeit mit Eber­hard Feik alias Chris­tian Than­ner ein pflicht­be­wuss­te­rer Vor­zei­ge­po­li­zist gegen­über­ge­stellt. Nach Feiks Tod 1994 konnte die­ses beliebte Duo nicht mehr wei­ter ermit­teln. Den­noch wirkt Götz George als Kult­kom­mis­sar in der Reihe „Schi­man­ski“ auch nach dem Errei­chen des gesetz­li­chen Ren­ten­al­ters. Stu­dio Ham­burg bringt nun drei­ßig Jahre nach Schi­mans­kis Dienst­an­tritt alle 16 „Schimanski“-Folgen von „Die Schwa­dron“ (1997) bis zum vor­läu­fig letz­ten Film „Schuld und Sühne“ (2011) in einer Box mit 9 DVDs her­aus. Es darf gerät­selt wer­den, ob und wie es mit Schi­man­ski wei­ter­ge­hen wird. Seit der vor­letz­ten Folge sind immer­hin drei Jahre ver­gan­gen. Anfangs hatte Schi­man­ski noch zwei bis drei Fälle pro Jahr gelöst. Anders als frü­her tritt George, mitt­ler­weile über 70 Jahre alt, darin keine Türen mehr ein und hat sich auch das hem­mungs­lose Flu­chen abge­wöhnt. Bei der Beob­ach­tung eines Ver­däch­ti­gen lehnt er in der Kneipe ein Bier ab, bestellt statt­des­sen Kaf­fee und schläft trotz­dem ein. Nachts auf dem Park­platz vor sei­nem Hoch­haus wird er von ganz gewöhn­li­chen Räu­bern zusam­men­ge­schla­gen und muss hilf­los zulas­sen, dass sie ihm die Geld­börse steh­len. „Man wird eben alt“, recht­fer­tigt er sich, als ein Nach­bar mit Kampf­hund ihm sein Geld zurück­holt. Doch seine soziale Ader hat er wie eh und je, wenn er etwa eine ver­zwei­felte Mut­ter vor dem Selbst­mord ret­tet, einer jugend­li­chen Pro­sti­tu­ier­ten den Weg in ein neues Leben weist und einem Spiel­süch­ti­gen eine The­ra­pie vermittelt.

Von sei­nen alten Gefähr­ten bei der Duis­bur­ger Kripo ist nur noch der Nie­der­län­der „Häns­chen“ (Chiem von Houwe­ninge) übrig­ge­blie­ben. Der Kripo-Ermittler heißt Tho­mas Hun­ger und wird von Julian Wei­gend dar­ge­stellt. Viele neue Sze­nen wur­den nicht mehr in Duis­burg gedreht, was weni­ger auf­fällt. Denn auch die Stadt hat sich im Lauf der Jahr­zehnte gewan­delt. Nach 29 Tatort-Folgen und 16 eigen­stän­di­gen „Schimanski“-Episoden bleibt offen, ob Götz George noch wei­ter­ma­chen möchte. Bereits nach der vier­zehn­ten Folge dachte man zunächst an das Ende, weil er wie in der ers­ten Folge wie­der rohe Eier aus dem Glas trinkt und somit sich ein Kreis schlie­ßen könnte. Die in der Box ent­hal­te­nen 16 Fol­gen ver­spre­chen auf jeden Fall viel Span­nung trotz des etwas alters­weise und ruhi­ger gewor­de­nen Schi­man­ski. Er über­führt einen Dro­gen­ba­ron von Bel­gien nach Deutsch­land, wird in einen Hin­ter­halt gelockt und muss mit dem Dea­ler flie­hen. Er ver­folgt eine Gruppe frü­he­rer Kol­le­gen, die bei einer gewöhn­li­chen Über­wa­chungs­ope­ra­tion einen bei­nahe töd­li­chen Feh­ler bege­hen. Er unter­sucht den Tod eines jun­gen deut­schen Söld­ners in Kroa­tien oder schleust sich in die Kreise der alba­ni­schen Mafia ein, um meh­rere Morde an Stra­ßen­kin­dern auf­zu­klä­ren. Er gerät sogar unter Mord­ver­dacht und wird von sei­nen Ex-Kollegen fest­ge­nom­men. Neben­bei gönnt sich Schi­man­ski auch etwas Pri­vat­sphäre mit sei­ner Freun­din Marie-Claire (Denise Virieux). Die Gast­rol­len sind pro­mi­nent besetzt mit Suzanne von Bor­sody, Chris­toph Waltz, Kat­rin Saß, Katha­rina Schütt­ler, Nina Petri, San­dra Spei­chert, Chris­tian Redl, Chris­tiane Hör­bi­ger oder Han­nes Jaenicke.

Ins­ge­samt bie­ten die DVDs Kri­mi­un­ter­hal­tung mit 1440 Minu­ten und als Bonus Götz George im Inter­view bei „Beck­mann“, eine Dia­show und ein umfang­rei­ches Booklet.

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