Straßenfeger 40 Kritik & Meinung
Hansjörg Martin (1920–1999) zählt zu den produktivsten und bekanntesten Krimiautoren Deutschlands. Der vielseitige Künstler arbeitete nach einem Kunststudium in Leipzig nach dem Krieg in Norddeutschland als Maler, Bühnenbildner, Dekorateur und Clown, bevor er 1963 freier Schriftsteller wurde. Er verfasste Kinder– und Jugendbücher, Schulfunksendungen, Features, Drehbücher.
Besonders seine über 30 Kriminalromane, von denen einige als Vorlage für Verfilmungen dienten, bringen dem politisch engagierten Autor das Bundesverdienstkreuz als „Begründer des neuen deutschen Kriminalromans“ ein. Ihm zu Ehren bringt Studio Hamburg in seiner Reihe „Straßenfeger“ vier seiner verfilmten Kultkrimis auf DVD heraus. Mit den besten Charakterdarstellern der Zeit werden die in Martins Romanen akkuraten psychologischen Zeichnungen der Charaktere in oft rätselhaften Detektivspielen ideal umgesetzt. Für die Authentizität spricht Martins Mitarbeit als Drehbuchautor oder als Darsteller in kleinen Rollen. Neben Spannung und Unterhaltung zeigen seine Kriminalgeschichten auch seine besondere Sicht auf die bundesdeutsche Gegenwart mit sozialkritischen Untertönen.
Als Erstlingswerk des „neuen deutschen Kriminalromans“ gilt Hansjörg Martins „Gefährliche Neugier“. Die Verfilmung entstand 1970 unter der Regie von Hans Dieter Schwarze. Ein Schauspieler einer norddeutschen Provinzbühne wird nach einer Vorstellung ermordet aufgefunden. Sein Freund und Kollege Jost Ziball (Claus Biederstaedt) begibt sich als Hobbydetektiv auf die Suche nach dem Mörder. Mehrere Zeugen, die er ausfindig machen kann, fallen merkwürdigen „Unfällen“ zum Opfer. Plötzlich findet er sich im Bett mit einer Kollegin und in gerät in Lebensgefahr. Angela Winkler, Elisabeth Wiedemann und Günther Strack glänzen bis zum spannenden Finale in dem spannenden Krimi mit einer mysteriösen Mordserie, vielen Leichen und Schwerverletzten. Regisseur Hans Dieter Schwarze und Autor Hansjörg Martin haben Cameoauftritte in diesem TV-Krimi.
„Einer fehlt beim Kurkonzert“ wurde 1968 für den NDR unter der Regie von Jürgen Roland verfilmt, der in einer Einführung ausdrücklich darauf hinweist, dass es sich hier nicht um eine seiner bekannten „Stahlnetz“-Krimis handelt. Oberkommissar Leo Klipp (Hans Putz) macht Urlaub auf der fiktiven Insel Langeney. In seiner Pension wird eines Morgens ein erstochener Playboy aufgefunden. Klipp übernimmt die Ermittlungen und hat es gleich mit sieben Verdächtigen zu tun. Darunter ist auch Agathe (Lale Andersen), die Geliebte des Opfers. Gedreht wurde auf Norderney. Neben dem fiktiven Krimi spielte sich hinter den Kulissen ein wahres Drama ab. Die damals 20-jährige aus Prag stammende Darstellerin Jana Novaková erlebte die Ausstrahlung des Films nicht mehr. Sie wurde von ihrem Gatten, einem um 40 Jahre älteren Mann, 25 Tage zuvor mit vier Schüssen aus Eifersucht ermordet. Der Mörder richtete sich anschließend selbst. Angeblich hatte Novaková während der Dreharbeiten eine Affäre mit einem jungen Studenten. Bereits während der Dreharbeiten störte ihr Mann regelmäßig.
„Nerze nachts am Straßenrand“ nach Motiven von Martins Roman „Feuer auf mein Haupt“ entstand 1973 unter der Regie von Wolfgang Staudte im Auftrag des ZDF. Damals aktuelle Musikstücke von den „Les Humphries Singers“ sorgten für ein modernes Flair. Unterwegs nach Frankfurt bleibt das Auto des Hamburger Kriminalbeamten Heinz Ebeling (Peter Eschberg, bekannt als Bösewicht in Durbridge-Krimis) an einem Autobahnparkplatz liegen. Auf dem Weg ins nächste Dorf entdeckt er am Straßenrand Nerzfelle und wird hinterrücks niedergeschlagen. Am Tag darauf muss Ebeling mitansehen, wie der alte Forstmeister Wussow (Herbert Steinmetz) in seinem Forsthäuschen erschossen wird. In Verdacht gerät der flüchtige Neffe des Toten, Horst Wussow (Roland Astor). Doch Ebeling findet heraus, dass der junge Mann unschuldig ist. Verdächtig scheinen ihm Gutsbesitzerin Charlotte Karding (Ruth Hausmeister) und deren Sohn Bodo (Kabarettist Jochen Busse). Besonders schön ist in diesem spannenden Krimi das norddeutsche Lokalkolorit. Kameramann Gero Erhardt, der Sohn des Komikers Heinz Erhardt, zeigt oft ungewöhnliche Perspektiven.
„Bei Westwind hört man keinen Schuss“ ist ein typischer norddeutscher Inselkrimi, wie er mittlerweile zahlreiche Nachahmer gefunden hat. Er entstand 1976 unter der Regie von Sepp Strubel für den HR. Reporter Anselm Kiwitt (Wolfgang Kieling) und seine Kollegen Jochen Kieselack (Manfred Seipold) und Harry Jungnickel (Krystian Martinek) wollen auf der Vogelinsel Mellogg einen Film über Möwen bei der Brut drehen. Zusammen mit dem Biologen Dr. Schlünz (Ernst Fritz Fürbringer) sind sie beim Inselvogt Dirk Dirksen (Siegfried Wischnewski) untergebracht, der mit seiner Tochter Swantje (Frederike Frei) gemeinsam auf der Insel lebt. Unter den Männern gibt es bald Rivalenkämpfe um die hübsche Frau. Plötzlich fallen Schüsse, zunächst ohne Folgen, dann gibt es einen Toten. Kriminalkommissar Lehmann (Hans Peter Kurr) findet heraus, dass die Schüsse von einem Toten abgefeuert wurden. Autor Martin tritt in einer kleinen Rolle als Polizeiarzt auf.
Die Spielzeit der 4 DVDs beträgt über 320 Minuten. Zusätzlich dürfen sich die Freunde hochwertiger nostalgischer Fernsehkrimis noch auf den Bonusfilm „Tamara“ (91 Minuten) freuen. Er entstand 1968 nach dem Buch „Kein Schnaps für Tamara“ und basiert auf einem ungeklärten Fall. Ein Mädchen wurde tot in einem Zug im ostfriesischen Norden aufgefunden. Autor Hansjörg Martin spielt hier die Rolle des Reporters Roth.
von Johannes Kösegi
TweetEure Meinungen & Kommentare
Wertung
Leser-Wertung
Infos
Links
Und Dein Link?
Verlinke diese Seite in Deinem Straßenfeger 40 Beitrag und wir verlinken Deinen Beitrag hier.







Wie findest Du den Film "Straßenfeger 40"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!