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Tatort Box: 2000er-Jahre Vol. 2 Kritik & Meinung

Knapp zwei Mona­ten nach den letz­ten neuen Ver­öf­fent­li­chun­gen bringt Walt Dis­ney Stu­dios in der nun­mehr zehn­ten Ver­öf­fent­li­chungs­welle wie­der vier neue „Tatort“-Boxen mit ins­ge­samt 12 Fäl­len auf DVD her­aus. Zwei Fälle waren bereits ein­mal in der Klas­si­ker– und Haferkamp-Box erschie­nen, sodass sich die Zahl der ins­ge­samt auf DVD ver­öf­fent­lich­ten Fol­gen zusam­men mit der RBB-Box auf 137 erhöht. Die Fans sind begeis­tert von den DVD-Veröffentlichungen der ältes­ten und belieb­tes­ten Krimi-Reihe im deut­schen Fern­se­hen, was die große Reso­nanz bei der Wahl zur Fan-Box zeigte.

Denn trotz zahl­rei­cher Wie­der­ho­lun­gen, die fast täg­lich in den drit­ten Fern­seh­pro­gram­men lau­fen, bie­ten die DVDs viele Vor­teile wie inter­es­san­tes Bonus­ma­te­rial aus den Archi­ven der ARD-Sender.

Bei der Aus­wahl stan­den wie­der die Beliebt­heit der Ermitt­ler­teams, der Zeit­geist und beliebte Klas­si­ker an ers­ter Stelle. Nütz­li­che und inter­es­sante Extras ergän­zen die Fol­gen auf den DVDs, dar­un­ter einige län­gere Doku­men­ta­tio­nen wie „Die legen­dä­ren Tatort-Kommissare“ und „Titel­ge­schich­ten – Taten, Orte, Kom­mis­sare“. In „Tat­ort muss nicht Dreh­ort sein – Wo Tatort-Krimis wirk­lich ent­ste­hen“ wird ver­ra­ten, dass die Kri­mis oft gar nicht dort ent­ste­hen, wo sie spie­len sol­len. Von „Dreh­ar­bei­ten aus Sicht eines Requi­si­teurs“ und einem Por­trät des Tatort-Erfinders Gün­ter Witte, der als Dra­ma­turg am Thea­ter in Karl-Marx-Stadt begon­nen hat, han­deln wei­tere Bei­träge. Neben Doku­men­ta­tio­nen zu den Dreh­ar­bei­ten gibt es als beson­de­ren Ser­vice Per­so­nal­ak­ten vie­ler Kom­mis­sare mit Anga­ben zu Per­son, Team, Akti­vi­tä­ten nach Dienst­schluss, Ein­satz­ort, Arbeits­weise und einer abschlie­ßen­den Beur­tei­lung. Selbst­ver­ständ­lich bekom­men alle Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sare ein gutes Zeug­nis, wenn auch in roter Farbe einige Schwä­chen auf­ge­führt sind, ohne die kein Mensch auskommt.

Walt Dis­ney Stu­dios hat für die vier neuen Boxen eine inter­es­sante Aus­wahl mit Fäl­len der letz­ten 40 Jahre getrof­fen. Die „Tat­ort Box 1970er-Jahre Vol. 2“ bringt span­nende Fälle der damals noch jun­gen Tatort-Reihe und begeis­tert beson­ders Krimi-Nostalgiker, die sich gerne an die „gute alte Zeit“ erin­nern. Wäh­rend Kom­mis­sar Trim­mel (Wal­ter Rich­ter) in einer dra­ma­ti­schen Flug­zeug­ent­füh­rung ermit­telt, muss der Esse­ner Ermitt­ler Hafer­kamp (Hans­jörg Felmy) einer bri­san­ten Schüler-Lehrer-Beziehung nach­ge­hen. Die Folge „Das Mäd­chen von gegen­über“, die in ihrer The­ma­tik etwas an den legen­dä­ren Klas­si­ker „Rei­fe­zeug­nis“ erin­nert, war schon in der Haferkamp-Box erschie­nen. Der Saar­brü­cker Kom­mis­sar Schä­fer­mann (Man­fred Heid­mann) hat mit einem ver­meint­li­chen Selbst­mord alle Hände voll zu tun.

Neue Ermitt­ler, rät­sel­hafte Morde und bri­sante The­men zeich­nen die zweite Tatort-Box der 1980er-Jahre aus. In „Spuk aus der Eis­zeit“ deckt das beliebte sin­gende Ermitt­ler­duo Stoever/Brockmöller (Man­fred Krug/Charles Brauer) ein beklem­men­des Kapi­tel der deutsch-deutschen Bezie­hung auf. Der sel­ten auf­ge­tre­tene Frank­fur­ter Kom­mis­sar Berg­mann (Heinz Treuke) muss einer vor­ge­täusch­ten Ent­füh­rung nach­ge­hen. Die adrette Kom­mis­sa­rin Wie­gand (Karin Anselm) sucht in „Peggy hat Angst“, der bereits in der „Klassiker“-Box ver­öf­fent­licht war, nach dem Mör­der einer jun­gen Frau.

Ab den 1990-Jahren wird für die Kom­mis­sare zuneh­mend Team­ar­beit wich­tig, sture Ein­zel­gän­ger wie Trim­mel sind aus der Mode gekom­men. Das Münch­ner Kommissar-Duo Batic/Leitmayr (Miros­lav Nemec/Udo Wacht­veitl) ist auf der Suche nach einem Seri­en­mör­der mit reli­giö­sen Wahn­vor­stel­lun­gen, wäh­rend es die sehr belieb­ten Köl­ner Kol­le­gen Ballauf/Schenk (Klaus J. Behrendt/Dietmar Bär) in einem Mord­fall an einem Arzt mit radi­ka­len Abtrei­bungs­geg­nern zu tun haben. Das Ermitt­ler­duo Flemming/Koch (Mar­tin Lüttge/Roswitha Schrei­ner) fin­det in „Hei­lig Blut“ in einem Klos­ter eine schwan­gere Nonne tot auf. Maria Schell glänzt hier als die geheim­nis­volle Äbtissin.

Auch nach der Jahr­tau­send­wende sind die Tatort-Themen bri­sant und aktu­ell, wie die „Tatort-Box 2000er-Jahre Vol. 2“ mit vier span­nen­den Fäl­len beweist. In ihrem ers­ten Fall müs­sen die Frank­fur­ter Ermitt­ler Dellwo (Jörg Schüt­t­auf) und Sän­ger (Andrea Sawatzki) dem Tod eines aus­ge­setz­ten Babys nach­ge­hen. Kom­mis­sa­rin Char­lotte Lind­holm (Maria Furt­wäng­ler) klärt für das Lan­des­kri­mi­nal­amt Han­no­ver einen mys­te­riö­sen Rache­mord auf. In „Eine kleine Zeu­gin“ muss sich die taffe Ermitt­le­rin Lena Oden­thal (Ulrike Fol­kerts) das Ver­trauen von Stra­ßen­kind Tanja erkämp­fen, der ein­zi­gen Zeu­gin in einem Mordfall.

Inhalts­an­ga­ben „Tat­ort Box: 2000er-Jahre Vol. 2“

Die kleine Zeu­gin (2000)

Tanja lebt auf der Straße, zwi­schen Abbruch­häu­sern und in Park­haus­e­cken. Eines Nachts begeg­net sie in einer Tief­ga­rage der schö­nen, beein­dru­cken­den Sas­kia. Kurze Zeit spä­ter muss sie mit anse­hen, wie ein Mann Sas­kia aus einem fah­ren­den Auto her­aus erschießt. Tanja kommt mit dem Leben davon. Sie ver­schwin­det, noch bevor die Poli­zei auf­taucht. Lena Oden­thal gelingt es, die kleine Zeu­gin auf­zu­trei­ben. Aber unter Stra­ßen­kin­dern wird nicht ver­pfif­fen. Tanja ver­schweigt, was sie gese­hen hat. Sie wei­gert sich, Lena bei ihrer Suche nach dem Täter zu unter­stüt­zen. Lena ver­sucht, Tan­jas Ver­trauen zu gewin­nen. Nicht nur, um eine Täter­be­schrei­bung zu bekom­men – Tan­jas Situa­tion rührt sie. Sie nimmt das Mäd­chen in ihre Woh­nung auf. Aber Tanja schweigt wei­ter und sichert sich damit die Auf­merk­sam­keit der Kom­mis­sa­rin. Nutz­los ist auch Lenas Hoff­nung, dass Tom, Kol­lege und Lebens­ge­fährte der toten Sas­kia, Ein­fluss auf Tanja aus­üben und sie umstim­men kann. Immer­hin fin­den sich Hin­weise, dass der Mord mit einer Firma zu tun haben muss, die mys­te­riöse Grund­stücks­ge­schäfte tätigt. Doch der Eigen­tü­mer von Terra X ist völ­lig unbe­kannt. Selbst Kripo-Kollege Moser mit den aus­ge­spro­chen guten Bezie­hun­gen in der Wirt­schafts­welt gelingt es nicht, die Iden­ti­tät der Draht­zie­her her­aus­zu­fin­den. Lena ist klar, dass Tanja in Gefahr ist. Doch aus Angst, in ein Heim gesperrt zu wer­den, taucht das Mäd­chen unter. Damit bringt sie sich in Lebens­ge­fahr, denn der Mör­der hat sich auf die Suche nach ihr gemacht. Katja Rie­mann spielt eine kleine Rolle, die nicht lange lebt, die junge Julia Hum­mer über­zeugt durch ihr inten­si­ves Spiel.

Oskar (2002)

Fried­rich Dellwo lei­tet eine Ermitt­lungs­gruppe der Frank­fur­ter Mord­kom­mis­sion. Als er mit­ten in den Ermitt­lun­gen zu einem Mord steckt, der aus Hab­gier gemein­schaft­lich von meh­re­ren Jugend­li­chen began­gen wurde, bekommt er eine neue Kol­le­gin zuge­teilt: Kom­mis­sa­rin Char­lotte Sän­ger. Die Neue – intel­li­gent, schnell und schön – wird Dell­wos Part­ne­rin bei einem neuen Fall, der bald in die Schlag­zei­len gerät. Ein totes Baby wird auf einem der För­der­bän­der der größ­ten Müll­sor­tier­an­lage der Stadt gefun­den. Die Suche nach dem Mör­der beginnt – ein fast aus­sichts­lo­ses Unter­fan­gen, da es kaum Täter­spu­ren gibt. In die­ser ers­ten Zusam­men­ar­beit ler­nen sich Dellwo und Sän­ger zuneh­mend schät­zen und ent­de­cken auch den Men­schen hin­ter dem Kol­le­gen. Beide haben kein leich­tes Pri­vat­le­ben, ver­su­chen es aber trotz ihrem har­ten All­tag zu regeln. Das geht nicht ohne Schwie­rig­kei­ten ab, denn beide lie­ben ihren Beruf und haben Pro­bleme, zu Hause die Arbeit zu vergessen.

Mär­chen­wald (2004)

Ein toter jun­ger Mann im Wald mit einer Kugel im Rücken – irgendwo zwi­schen Hameln und Bad Pyr­mont. Nie­mand kennt ihn. Der Name, den er sei­ner Zim­mer­wir­tin gab, ist falsch. Char­lotte Lind­holm will wis­sen, ob er ein gesuch­ter Bank­räu­ber ist, der in dem ein­sa­men Wald von sei­nen Kom­pli­zen umge­bracht wurde. Doch sie muss fest­stel­len, dass es dort gar nicht so ein­sam war. Nicht nur Förs­ter Kupka war im Wald. Ebenso seine kleine Toch­ter Marie. Und auch der Wil­de­rer Gra­misch, ein Feind des Wald­be­sit­zers Fre­den, war mit sei­nem Gewehr auf der Pirsch. Die Bewoh­ner des nahe gele­ge­nen Ortes gehen davon aus, dass der Schuss dem Wald­be­sit­zer galt. Gra­misch wurde wegen sei­ner Wil­de­rei von Fre­den vor die Tür gesetzt. Wurde der junge Mann also Opfer einer Ver­wechs­lung? Fre­den lässt das alles kalt. Er inter­es­siert sich mehr für die Kell­ne­rin Isa­belle, die seit eini­ger Zeit im Gast­hof arbei­tet. Neu­er­dings zeigt er sich oft im Dorf. Und was hat Kup­kas kleine Toch­ter Marie gese­hen? Seit dem töd­li­chen Auto­un­fall ihrer Mut­ter ist ihre Welt von Engeln und Zwer­gen bevöl­kert. Reine Phan­ta­sie oder ver­birgt sich hier eine wich­tige Spur? Ganz irdisch ist jeden­falls die Tat­waffe, die auf dem Hof von Gra­misch gefun­den wird. Doch mit der Iden­ti­tät des Toten eröff­net sich eine Spur, die in die Ver­gan­gen­heit weist. Char­lotte ent­blät­tert eine Tra­gö­die um Liebe, Schuld und Rache, als erneut ein Schuss im Wald fällt.

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