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Taxi Driver Kritik & Meinung

Der Italo-Amerikaner Mar­tin Scor­sese war einer der ers­ten ame­ri­ka­ni­schen Regis­seure mit einer aka­de­mi­schen Aus­bil­dung an einer Film­hoch­schule. Er war Dozent an der NYU Film School, als er schon mit Independent-Produktionen erste Regie­er­fah­run­gen sam­melte. Erst­mals machte er mit sei­nem Low-Budget-Streifen „Hexen­kes­sel“ auf sich auf­merk­sam. Er zeigt das All­tags­le­ben von Little Italy Anfang der 1970er Jahre. In die­sem New Yor­ker Vier­tel ist Scor­sese selbst auf­ge­wach­sen, hier kennt er jeden Win­kel. Obwohl die­ser Film von den Kri­ti­kern gut bewer­tet wurde, floppte er an den Kino­kas­sen. Den eigent­li­chen Durch­bruch schaffte Scor­sese dann 1976 mit „Taxi Dri­ver“, einem Kult­film und Klas­si­ker des Film noir. Lange hat es gedau­ert, jetzt bringt Sony Pic­tures Home Enter­tain­ment die­sen Strei­fen erst­mals auf Blu-ray Disc her­aus. Neben der beste­chen­den HD-Qualität beein­druckt das sehr umfang­rei­che Bonus­ma­te­rial von fast vier Stun­den. Bei der Bedeu­tung die­ses Gen­re­klas­si­kers ist das durch­aus gerecht­fer­tigt. Denn es wer­den nicht nur die übli­chen Lob­hu­de­leien der Schau­spie­ler unter­ein­an­der und gegen­über dem Regis­seur gebracht, son­dern Bei­träge mit Mar­tin Scor­sese, dem Buch­au­tor Paul Schr­ader, einem Film­wis­sen­schaft­ler, ech­ten New Yor­ker Taxi­fah­rern oder dem ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter Ed Koch. Im mehr­fa­chen Split­screen kann man das Sto­ry­board mit der Film­ver­sion ver­glei­chen oder in Aus­zü­gen die Par­ti­tur mit­le­sen, wenn die Musik von Ber­nard Herr­mann erklingt. Die ech­ten Taxi­fah­rer bestä­ti­gen, dass sie als selb­stän­dige Unter­neh­mer heute wie damals schwer zu kämp­fen haben. Der Job in einem „Sarg aus Metall“ macht sehr ein­sam und nach zwölf Stun­den kann man oft nicht schla­fen. Hinzu kommt Ärger wegen Straf­zet­teln und mit Pas­sa­gie­ren. Ed Koch bestä­tigt, dass New York heute längst nicht mehr so schmut­zig und ver­wahr­lost sei wie in den 70er Jah­ren. Ver­glei­chende Bild­stu­dien von damals und heute sol­len das demons­trie­ren. Außer­dem gibt es meh­rere Audio­kom­men­tare, die man wäh­rend der Betrach­tung des Films zuschal­ten kann. Emp­find­li­chere Gemü­ter wer­den zu schät­zen wis­sen, dass der Mas­ken­bild­ner aus­führ­lich die Film­tricks bei dem schlim­men Mas­sa­ker erklärt, wo Kör­per­teile zer­fetzt wer­den und Liter­weise Blut fließt. Der Autor Paul Schr­ader hat diese Stu­die eines kran­ken und ver­ein­sam­ten Außen­sei­ters als eine Art Selbst­the­ra­pie geschrie­ben. Scor­sese erklärt im Inter­view von 2007, dass für ihn Godard und Fass­bin­der mit ihrer Film­spra­che wich­tige Vor­bil­der gewe­sen seien, obwohl er deren Filme nicht ver­stan­den habe. Auch John Ford („Der schwarze Falke“) und Robert Bres­son („Pick­po­cket“) beein­flus­sen ihn. All diese Vor­bil­der und die triste Gegen­wart der USA in den 70er Jah­ren mit Vietnam-Krieg, einem rie­si­gen Gewalt­po­ten­tial in den Groß­städ­ten und Selbst­jus­tiz haben schließ­lich die­sen Pro­to­typ eines spä­ten Film noir in Farbe beeinflusst.

Erzählt wird der trost­lose All­tag des ehe­ma­li­gen Vietnam-Söldners Tra­vis Bickle (Robert De Niro) als Taxi­fah­rer in New York. In einem Tage­buch, das im Film von einer Voice-over wie ein inne­rer Mono­log wie­der­ge­ge­ben wird, schreibt sich Bickle sei­nen Frust von der Seele. Eines Tages lernt er Betsy (Cybill She­phard) aus der bes­se­ren Gesell­schaft ken­nen, die im Wahl­kampf­büro des Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten Palan­tine arbei­tet. Als er sie in ein Por­no­kino ein­lädt, ist die Freund­schaft abrupt been­det. Aus Ent­täu­schung dar­über plant er ein Atten­tat auf Palan­tine, was aber an Sicher­heits­be­am­ten schei­tert. Für den spie­ßi­gen Bickle bleibt jetzt nur noch ein gewalt­sa­mer Kampf zur „Säu­be­rung“ der in jeder Bezie­hung ver­wahr­los­ten Stadt. Dafür rüs­tet er sich mit har­tem Fit­ness­trai­ning und einem Arse­nal von Waf­fen. Die junge Pro­sti­tu­ier­ten Iris, gespielt von der damals 13jährigen Jodie Fos­ter, will er gegen ihren Wil­len aus dem Joch ihres Zuhäl­ters Sport (Har­vey Kei­tel) befreien. In einem wah­ren Mas­sa­ker tötet er Sport und wei­tere Män­ner. Dafür wird er in der Öffent­lich­keit wie ein Held gefei­ert. Er bekommt sogar einen Dan­kes­brief von Iris‘ Eltern und kann auch wie­der Kon­takt mit Betsy auf­neh­men. Bei sei­nen Taxi­fah­rer­kol­le­gen ist Tra­vis jetzt erst­mals rich­tig inte­griert. Für die dama­lige Zeit war beson­ders die Gewalt­or­gie außer­ge­wöhn­lich, heute gehö­ren sol­che Sze­nen im Kino lei­der fast schon zur Gewohn­heit. Die Fol­gen sind nicht abzu­se­hen. So hat spä­ter ein frus­trier­ter Stal­ker von Jodie Fos­ter ein Atten­tat auf US-Präsident Ronald Rea­gan ver­übt, was zum Glück glimpf­lich aus­ging. Amok­läu­fer kön­nen sol­che Sze­nen zur Nach­ah­mung anre­gen, und das umso leich­ter, weil der Mas­sen­mord hier wie ein posi­ti­ver Befrei­ungs­schlag gedeu­tet wird. Von die­sen Orgien abge­se­hen zeich­net der Film ein rea­lis­ti­sches Bild der Ver­wahr­lo­sung des Groß­stadt­dschun­gels mit Gewalt, Schmutz und Trost­lo­sig­keit und der Wir­kung, die diese Stim­mung aus­lö­sen kann.

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