The Blind Side Kritik & Meinung
John Lee Hancock ist dafür bekannt, historische Themen zu verfimen, die sich mit der amerikanischen Geschichte befassen (Alamo 2004). Nicht selten werden dabei Motive angesprochen, auf die die Amerikaner stolz sind. Diesmal befasst er sich mit der Geschichte eines armen Jungen aus den Slums von Memphis, der zum Sinnbild des “American way of life” geworden ist. Eine wahre Aschenputtelgeschichte.
Story / Inhalt
Michael Ohen (Quinton Aaron) ist ca. 1,90 m groß und wiegt 120 kg. Er ist eines von vielen Kindern in den Slums von Memphis, die kein richtiges Zuhause haben. Seine Mutter ist drogenabhängig und eigentlich müsste für ihn die Fürsorge zuständig sein, doch er flieht ständig aus den Heimen, in denen er unterkommen soll. Ab und an kann er bei den Eltern seiner Freunde schlafen, doch auch die können nicht lange für ihn sorgen. Als ein Vater seinen Sohn bei einer Privatschule unterbringen möchte, gelingt es ihm, den Sportlehrer davon zu überzeugen, dass Michael, der gerade bei ihnen wohnt, auch ein Gewinn für die Footballmannschaft der Schule sein könnte. Dieser erkennt das körperliche Potential des Jungen sofort, und setzt sich für eine Aufnahme an der Schule ein. Doch damit sind die Probleme für Michael noch lange nicht gelöst. Er schläft nachts in der Sporthalle, weil er sonst nicht weiß, wohin er soll.
Eines Tages begegnet er der energischen Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock), deren Kinder die gleiche Schule besuchen wie Michael. Sie hat Mitleid mit dem vernachlässigten Jungen und nimmt ihn mit zu sich nach hause. Ihr Engagement für Michael wächst, je besser sie ihn kennenlernt, und bald akzeptieren die Familenangehörigen ihn als der Ihren. Leigh Anne erkennt das sportliche Potential des Jungen und fördert es z. T. mit unkonventionellen Methoden. Michael, der zum ersten Mal in seinem Leben ein zuhause und Menschen gefunden hat, die ihn lieben, enttäuscht seine Pflegeeltern nicht und wächst über sich und seine Vergangenheit hinaus.
Meinung zum Film
Bei der diesjärigen Oscarverleihung waren zwei Filme vertreten, die sich mit den Problemen der afro-amerikanischen Slum-Kids beschäftigten. Der eine war “Precious” von Lee Daniels und der andere “The Blind Side” von John Lee Hancock. Letzterer gewann in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin” auch die begehrte Trophäe. Doch so sehr sich die beiden Filme auch in ihrer Grundthematik ähneln, so verschieden sind sie in ihrer Ausführung. Während “Precious”, der auf dem fiktiven Roman von Sapphire beruht, dank seiner Darstellung und Handlungsverlauf ungemein realistisch und erschreckend daher kommt, und die tragische Geschichte der Hauptdarstellerin auch tief berührt, erscheint ”The Blind Side”, der die wahre Geschichte des All American Football-Stars Michael Ohen darstellt, eher seltsam inszeniert und hölzern. Das Ende wirkt dann nur noch Klischee erfüllend.
Sandra Bullock als energische, reiche Südstaaten-Lady spielt ihre Rolle exzellent, jedoch ohne wirkliche Tiefe. Die wenigen emotionalen Momente die sie erlebt, bleiben hinter verschlossenen Türen – dem Blick des Zuschauers entzogen. Eigentlich hat sie diese Art von Rolle schon in der Komödie “Selbst ist die Braut” (2009) gespielt, in dem sie die taffe Geschäftsfrau mimte. Nun, hier ist sie halt die taffe Hausfrau, Mutter, Inneneinrichterin. Das soziale Engagement, mit dem sie sich dem Fall Michael Ohen nähert, wird so oberflächlich dargestellt, dass man meinen könnte, in den Südstaaten existiere sowas wie Rassismus nicht mehr. Der Film gaukelt demnach eine Wirklichkeit vor, die die Amerikaner gerne leben würden – eine Utopie, von der sie vor allem nach ihrer letzten Präsidentschaftswahl träumen. Ob Bullock den Oscar wahrhaft verdient hat oder ob sie ihn nur bekommen hat, weil die Amerikaner sich selbst gern als vorurteilslos und sozial engagiert sehen, bleibt dahingestellt.
Fazit
“Alle für Einen, Einer für Alle” ist ja durchaus lobenswert. Doch die eigentlich wahre Geschichte, die sozialen, emotionalen, physischen wie psychischen Schwierigkeiten des Michael Ohen bleiben leider nur oberflächlich angetastet, was der Authentizität des Films letztlich schadet. Es mag schon stimmen, dass auch im wahren Leben manchmal aus Underdocks Helden werden. Doch auch die müssen einen weitaus steinigeren Weg zum Ziel gehen, als Hancock ihn dargestellt hat. Nur für hoffnungslose Optimisten ist dieser Film einen Gang ins Kino wert.
von Yatiker Yildiz
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Soundtrack
Schauspieler
Sandra Bullock
als Leigh Anne TouhyQuinton Aaron
als Michael OherKathy Bates
als Miss SueTim McGraw
als Sean TuohyJae Head
als S.J. TuohyLily Collins
als Collins TouhyRay McKinnon
als Coach Burt CottonKim Dickens
als Mrs. BoswellSharon Morris
als Investigator Granger












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