The Experiment Kritik & Meinung
2001 sorgte Regisseur Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) mit „Das Experiment“ für Aufsehen. Mit einer Gruppe von freiwilligen Testpersonen soll in einer simulierten Gefängnissituation getestet werden, wie sie sich verhalten, nachdem sie in Gefangene und Wärter aufgeteilt wurden. Der Psycho-Thriller über das 1971 wirklich durchgeführte „Stanford-Prison-Experiment“ ließ international aufhorchen. Knapp zehn Jahre später hat sich der Regie-Debütant Paul Scheuring, Erfinder der Action-Serie „Prison Break“, an das Remake „The Experiment“ gewagt. Vorlage war der Roman „Black Box“ von Mario Giordano. Eigentlich gibt es an der deutschen Ausgabe nichts mehr zu verbessern, weder künstlerisch noch technisch. Mit Adrien Brody („Der Pianist“) und Forest Whitaker („Der letzte König von Schottland“) mussten also wenigstens zwei Oscar-Gewinner als Protagonisten in dieser „Mischung aus Arthouse und Thriller“ (Paul Scheuring) mitwirken. Gelungen ist der Einstieg mit dokumentarischen Bildern aus dem Tierreich und von Kriegssituationen. In beiden Fällen geht es um den Kampf ums Dasein, in dem die Starken die Schwachen auffressen. Hiermit ist der Ausgang des Films fast schon verraten. Denn mit dem Gefängnisexperiment soll bewiesen werden, dass der Mensch verhaltensbiologisch kaum über den Menschenaffen hinausgekommen ist.
Eine Gruppe von Testpersonen erklärt sich bereit, gegen eine Bezahlung von 14.000 Dollar an einer 14-tägigen Sozialstudie über Dominanz und Unterdrückung teilzunehmen. Dazu soll in einer künstlichen Gefängnissituation das Aggressionsverhalten der Teilnehmer getestet werden. Ihnen wird zugesichert, dass alles in einer sicheren Umgebung und ohne Gefahr für sie stattfindet. Allerdings verlieren sie ihre Bürgerrechte und müssen strenge Regeln beachten. So darf es keine Gewalt geben und keiner darf verletzt werden. Sobald einer die Regeln nicht beachtet, wird das Experiment sofort abgebrochen und keiner bekommt sein Honorar. Die 26 Teilnehmer werden ausgelost in Wärter und Gefangene, wobei die beiden Oscar-Gewinner die jeweiligen Anführer sind, die sich bitter bekämpfen werden. Der Pazifist Travis (Adrien Brody) wurde gerade in einem Pflegeheim entlassen und braucht das Geld vom Experiment. Seine Freundin, das einzige weibliche Element in dem nicht jugendfreien Streifen, will mittlerweile einen Trip nach Indien machen, wie es Anfang der 1970er-Jahre zum guten Ton gehörte. Travis wird der gerechte Vorkämpfer unter den Gefangenen, als er einem zuckerkranken „Mithäftling“ helfen will. Das wollen aber die Wärter unterbinden, denn ihnen sind strenge Regeln auferlegt, wie sie mit den Gefangenen umzugehen haben. Ihrem Anführer Barris, der zuhause selbst unterdrückt wird, kommt es besonders gelegen, jetzt einmal Macht gegenüber anderen ausüben zu dürfen. Ohne Gnade will er die „Regeln“ durchsetzen und gewinnt die meisten seiner Kollegen für sich. Nur einer hat Skrupel und will dem Kranken heimlich seine Insulinspritzen holen. Damit soll er die Regeln verletzt haben und wird er von den anderen Wärtern übel misshandelt. Ebenso ergeht es Travis, weil er angeblich ein Komplott der Gefangenen anzetteln will. Als die körperlichen und psychischen Misshandlungen immer mehr eskalieren, kommt es schließlich zum Aufstand der Gefangenen und das Experiment wird viel zu spät abgebrochen. Einige haben nur so lange durchgehalten, weil sie ihr Honorar nicht aufs Spiel setzen wollten. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass Tiere und Menschen in Extremsituationen zur Hierarchiebildung und zu Gewalt neigen. Und Gewalt provoziert immer wieder neue Gewalt, sodass es am Schluss nur Opfer gibt.
Im Gegensatz zu Hirschbiegels Film trägt die amerikanische Version dicker auf und beachtet weniger die psychologischen Zwischentöne. Die wissenschaftlichen „Aufpasser“ des Experiments treten im Gegensatz zur deutschen Version nur am Anfang kurz in Erscheinung, später sieht man viele Überwachungskameras. Wenn auch die beiden amerikanischen Protagonisten gut spielen, kommt in der deutschen Fassung die allmähliche Entwicklung vom Mensch zum Tier besser heraus. In der US-Version hat man den Eindruck, dass hier schon am Beginn einige Psychopathen zusammengekommen sind. Eigentlich hätten die Wissenschaftler nach den schlimmen Gewaltausbrüchen den Versuch viel früher abbrechen müssen. In der deutschen Fassung bringen die Wärter eine Wissenschaftlerin in ihre Gewalt. Wenn es Hirschbiegels Version nicht gäbe, könnte man von einem wichtigen Film sprechen. So aber wirkt dieses Remake trotz guter Darsteller nicht unbedingt gerechtfertigt, und es ist kaum verständlich, dass noch ein weiteres unter dem Titel „The Stanford Prison Experiment“ geplant ist.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Forest Whitaker
als BarrisCam Gigandet
als ChaseAdrien Brody
als TravisMaggie Grace
als KellyClifton Collins Jr.
als Nix












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