The King’s Speech Kritik & Meinung
Mit seinem zweiten Kinofilm „The King’s Speech“ gelang dem Spezialisten für aufwändig inszenierte historische Stoffe Tom Hooper („Elizabeth I.“) ein Meisterwerk, das zu Recht auf Festivals gefeiert und mit Preisen überhäuft wurde. Er hat sich aus dem an Skandalen nicht gerade armen britischen Königshaus auf sehr sensible Art ein Thema vorgenommen, das weniger die Schlagzeilen beherrschte als zuletzt Affären, Scheidungen und tödliche Verkehrsunfälle.
George VI., König von Großbritannien von 1936 bis 1952, der Vater der heutigen Königin Elizabeth II., hatte Probleme bei öffentlichen Reden, denn er stotterte. Der Film zeigt die historischen Zusammenhänge in einer bewegten Zeit vor allem während des Zweiten Weltkriegs, und wie der Monarch und sein familiäres Umfeld persönlich dieses Problem meistern. Im Zentrum stehen dabei weniger die Geschäfte der Macht, sondern eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Männern. Hier spielt das britische Kino wieder einmal seine große Stärke aus, einen historischen Ausstattungsfilm mit stilgetreuen Bildern und hervorragenden Charakterdarstellern mit Bühnenerfahrung zu kombinieren. So überzeugt der Film mit geschliffenen Dialogen, Menschlichkeit und britischem Humor. Die dezente Musik von Alexandre Desplat passt sich im klassisch-romantischen Stil, auch mit Originalzitaten von Mozart, Beethoven und Brahms, ideal ein. Die bei Universum Film mit vielen Extras erschienene Blu-ray Disc bietet gegenüber Kino und Fernsehen den Vorteil, den Film im Original zu erleben. Weil die englische Sprache mit ihrem besonderen Wortwitz in diesem Film eine so entscheidende Rolle spielt, verfälscht die Synchronfassung vieles. Außerdem wirkt der Synchronsprecher der Hauptperson oft zu aggressiv. Ein weiterer Nutzen der Blu-ray Disc ist der aufschlussreiche Audiokommentar von Regisseur Tom Hooper. Die Leistung des illustren Schauspielerensembles ist bis in die Nebenrollen hervorragend, allen voran Colin Firth („A Single Man“) mit einer preiswürdigen Darstellung des Monarchen wider Willen. Oscar-Gewinner Geoffrey Rush („Shakespeare in Love“) glänzt als sein Sprachlehrer und eigensinniger Wegbegleiter, Helena Bonham Carter („Alice im Wunderland“) überzeugt als spätere Queen Mum. Abgerundet wird die hochkarätige Besetzung durch Guy Pearce („Memento“), Derek Jacobi („Eine zauberhafte Nanny“) und Jennifer Ehle („Ein Hauch von Sonnenschein“) sowie den „Harry Potter“-Stars Michael Gambon („Sleepy Hollow“) und Timothy Spall („Verwünscht“). Der Film erhielt 2011 zwölf Oscar-Nominierungen und gewann in den Kategorien bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch. Colin Firth erhielt auch den Golden Globe 2011 als bester Darsteller.
1925 bittet der britische König George V. (Michael Gambon), Regent über ein Viertel der Weltbevölkerung, seinen zweiten Sohn Albert (Colin Firth), den Herzog of York, die Abschlussrede für die Empire-Ausstellung im vollbesetzten Londoner Wembley-Stadion zu halten. Die Rede wird live im neuen Medium Radio übertragen. Für Bertie, wie Albert von seiner Familie genannt wird, endet seine erste öffentliche Ansprache in einem Desaster, denn seit seiner Kindheit stottert er und bringt unter Anspannung kaum einen Ton heraus. Auch zuhause im privaten Gespräch bekommt er das Stottern nicht vollkommen los. Mit verschiedenen Therapieansätzen versuchen mehrere Ärzte vergeblich, ihn zu heilen. Hinter seinem Rücken nimmt seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) inkognito („Mein Mann muss gelegentlich in der Öffentlichkeit sprechen“) Kontakt zu dem australischen Sprachtherapeuten und Amateur-Schauspieler Lionel Logue (Geoffrey Rush) auf. Doch der steife und förmliche Bertie kann zunächst mit der unkonventionellen Art, mit der der Therapeut ihm begegnet, wenig anfangen. Er weigert sich, mit Logue Einzelheiten aus seinem Privatleben zu besprechen und lässt sich nur mit Mühe überreden, eine Shakespeare-Passage vorzulesen, während er gleichzeitig über Kopfhörer mit Mozart-Musik beschallt wird. Erst nach längerer Zeit und ersten Erfolgen ist er von Logues Methoden überzeugt, und sie treffen sich täglich zu Übungen.
Als König George V. 1936 stirbt und Berties älterer Bruder David (Guy Pearce) als neuer König Edward VIII. eine Beziehung zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson (Eve Best) pflegt, gibt Bertie Lionel Einblicke in sein Privatleben. Wenn das Stottern bei diesen intimen und aufwühlenden Berichten zu stark wird, versucht er auf Logues Geheiß mit Erfolg, sie singend zu Ende zu bringen. Unterdessen fordern der Premierminister Stanley Baldwin (Anthony Andrews) und Winston Churchill (Timothy Spall), dass er David nachfolgen müsse, wenn der weiterhin auf einer Beziehung mit Simpson bestehe und damit laut Verfassung zur Abdankung gezwungen sei. Nach nur zehn Monaten Regentschaft lässt sich Edward VIII. umstimmen und sein Bruder Bertie wird als George VI. widerwillig neuer König. Mit den ungewohnten Pflichten und Veränderungen im Privatleben beginnt er wieder zu stottern und wendet sich erneut an Logue. Der ist mittlerweile nicht nur Sprach– sondern auch Psychotherapeut für den Monarchen geworden. Als Höhepunkt des Films hält George VI. am 3. September 1939 eine historische Radioansprache, in denen er den Deutschen nach ihrem Einmarsch in Polen ein Ultimatum stellt. Einige male stottert er absichtlich etwas, damit die Menschen ihn erkennen. Lionel ist bei jeder Rede des Königs während des Kriegs dabei. Durch seine Radioansprachen wird George VI. zum Symbol des nationalen Widerstands. 1944 ernennt er Logue wegen persönlicher Verdienste für den Monarchen zum Commander des Victoria-Ordens. Lionel und Bertie bleiben zeitlebens Freunde.
Die Bonus-DVD enthält viele interessante Extras. Matt Holzman unterhält sich in einer BBC-Sendung mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern, die bestätigen, dass der Film trotz eines ernsten Themas Humor und Tempo hat. Hooper erklärt, dass man erst jetzt auf den Stoff gekommen sei, weil Therapien bei den Briten nicht den besten Ruf genießen. Im Making-of wird der Regisseur als detailversessen, intelligent und mitfühlend mit den Schauspielern beschrieben. Lionel, der onkelhafte Freund des Königs, hat keine Ausbildung als Sprachtherapeut, aber er ist der geborene Heiler, der vieles intuitiv lernt und etwas von Psychologie versteht. Nach dem Zweiten Weltkrieg behandelt er heimgekehrte Soldaten, die unter Kriegsneurosen leiden und nicht mehr sprechen können. In einem Interview äußerst sich sein Enkel Mark Logue zu 2001 gefundenen Unterlagen und Briefen von Lionel. Zwei Originalreden von George VI. ergänzen als historische Dokumente die Extras, die Radioansprache vom 3. September 1939, die im Film nachgespielt wird, und eine Wochenschau-Ansprache vom 14. Mai 1945, in der er Gott für die Befreiung und das Ende des Krieges dankt.
von Johannes Kösegi
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von Yatiker YildizUnd Dein Link?
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Soundtrack
Schauspieler
Colin Firth
als George VIGeoffrey Rush
als Lionel LogueHelena Bonham Carter
als Queen ElizabethGuy Pearce
als Edward VIIIClaire Bloom
als Queen MaryMichael Gambon
als George VTimothy Spall
als Winston ChurchillDerek Jacobi
als Dr. Cosmo LangJennifer Ehle
als Myrtle LogueRamona Marquez
als Princess Margaret














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