True Grit Kritik & Meinung
Das auf der Berlinale 2011 als Eröffnungsfilm vorgestellte Remake „True Grit“ des Western-Klassikers „Der Marshal“ (1968) unter der Regie von Joel und Ethan Coen bringt Paramount auf Blu-ray Disc heraus. Die epische Geschichte über Vergeltung und Selbstjustiz bekam zehn Oscar-Nominierungen und begeisterte viele Zuschauer. Allein in den USA spielte der Film 165 Millionen Dollar ein, obwohl es nicht einfach ist, einen sehr guten Film durch eine Neuverfilmung zu übertreffen. Den beiden Brüdern ist zumindest eine ebenbürtige Leistung gelungen.
Dabei kommt ihnen die leicht ironische Sicht auf klassische Western-Mythen entgegen.
„True Grit“ feiert im Gegensatz zu anderen Spätwestern noch einmal die alten amerikanischen Werte. Der klassische Western hatte seine Blütezeit im Kino von 1910 bis etwa 1960, als der Vietnamkrieg einen neuen Grenzkampf zwischen Gut und Böse heraufbeschwor. Alte Legenden verloren ihre Bedeutung, weil hier das vermeintlich Gute nicht gewinnen konnte. Auch die typischen Themen wie Landnahme, Indianerkämpfe und ein richtiger Shootout am Ende fehlen in dieser Geschichte. Die Protagonisten sind Western-untypisch, ein starkes und mutiges Mädchen und ein alternder und ständig betrunkener US-Marshall. Für die exzentrischen Coen-Brüder sind das ideale Voraussetzungen, um sich noch einmal dem längst ausgestorben geglaubten Western-Genre zu widmen.
Die Geschichte spielt um 1870 in Arkansas. Der Vater der 14-jährigen Mattie Ross (Hailee Steinfeld) wurde von dem Outlaw Tom Chaney (Josh Brolin) erschossen, außerdem stahl er noch das Pferd und Goldmünzen. Das eigensinnige und oft altklug redende Mädchen möchte sich rächen. Weil ihr die Behörden nicht weiterhelfen, verpflichtet sie den Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges), einen Mann mit „echtem Schneid“ („True Grit“). Dafür bietet sie dem skrupellosen und unberechenbaren Trinker 100 Dollar. Zu ihnen gesellt sich der Texas-Ranger LaBoeuf (Matt Damon), der es auf das Kopfgeld für Chaney abgesehen hat. Den beiden Männern gelingt es auf der gefährlichen Reise nicht, das mutige Mädchen abzuschütteln. Schließlich können sie Chaney, der mit anderen Banditen unterwegs ist, stellen. Mattie erschießt ihn, fällt durch den Rückstoß in eine Erdhöhle und wird von einer Giftschlange in die Hand gebissen. LaBoeuf und Cogburn bringen sie zu einem Arzt und sie wird gerettet. Diese Geschichte wird von Mattie in Rückblenden erzählt. Am Ende sieht man sie 25 Jahre später am Grab von Marshall Cogburn. Ihr Unterarm musste nach dem Schlangenbiss amputiert werden, geheiratet hat sie nie.
Die Inszenierung lässt viele typische Western-Klischees vermissen. Es fehlt die klare Unterteilung in Gut und Böse, dafür gibt es oft mehr Dialoge als in Western üblich. Das klassische Shootout wird nur parodiert. Durch die starke Mädchenfigur zerfällt der übliche Mythos vom starken Mann im wilden Westen. Der Zwist zwischen dem sturen Kind und dem Trunkenbold nimmt teilweise groteske und komödienhafte Züge an. Die Coen-Brüder schufen ein bildgewaltiges Western-Epos und gleichzeitig einen ironischen Abgesang auf dieses Genre. Ausführlich wird das Leben im amerikanischen Westen um 1870 gezeigt. Bis ins kleinste Detail werden die Haar– und Kleidermoden der Zeit beachtet. Sogar bei der Wahl der Waffen ist nichts dem Zufall überlassen, es werden die Colts, Winchesters und Remingtons der Nachbürgerkriegs-Ära verwendet. Im weitaus künstlich geschaffenen Fort Smith herrschen gedeckte Farben vor, wie überhaupt der ganze Film etwas Sepia-Effekt hat. Die hellen, bunten Landschaften unter einem wolkenlosen Himmel wie in Henry Hathaways „Der Marshal“ sind im Remake nicht zu sehen. Viele Szenen finden hier nachts oder im Schnee statt. Die Blu-ray Disc enthält viele informative Extras. Neben Casting, Ausstattung, Requisiten und Bildern von den Dreharbeiten wird der 1933 geborene Schriftsteller Charles Portis vorgestellt, der neben „True Grit“ noch einige weniger bekannte Romane verfasst hat.
von Johannes Kösegi
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