Vision — aus dem Leben der Hildegard von Bingen Kritik & Meinung
Starke Frauenpersönlichkeiten haben die Filmemacherin Margarethe von Trotta schon immer fasziniert. So hat sie das Leben und Wirken Rosa Luxemburgs oder in „Die bleierne Zeit“ das Schicksal der beiden Ensslin-Schwestern verfilmt. In ihrem neuesten Film hat sie sich der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen (1098–1179) angenommen.
Es sollte bewusst kein Biopic mit dem ganzen Leben von der Wiege bis zur Bahre werden. Nur einzelne prägende Momentaufnahmen dieses für die damalige Zeit sehr langen Lebens von 81 Jahren werden gezeigt. Bereits mit acht Jahren trat Hildegard in das Benediktinerkloster Disibodenberg an der Nahe ein. Es war ein Doppelkloster mit Mönchen und meist adligen Nonnen, und so blieb es nicht aus, dass es zuweilen auch schwangere Schwestern gab. Durch ihre Visionen und Predigtreisen wurde Hildegard bald der Ketzerei verdächtigt. Es gelang ihr jedoch, sich immer wieder gegen die männliche Obrigkeit durchzusetzen und schließlich bekam sie sogar ihr eigenes Filialkloster Rupertsberg bei Rüdesheim am Rhein. Hier schrieb sie als Prophetin, Heilerin und Visionärin zahlreiche lateinische Briefe und nahm Einfluss auf kirchlicher und politischer Ebene. Außerdem wirkte sie als Illustratorin und vertonte über 70 geistliche Lieder. Sehr modern war ihr ganzheitliches Denken, das bis heute die alternative Medizin prägt, nach der Körper und Geist zusammen gehören. Auszüge aus ihrer berühmten Kräuterheilkunde liegen der DVD als Heft bei. Durch ihre außerordentliche Klugheit wurde Hildegard als Seherin bei Kaiser Friedrich Barbarossa engagiert und las den Klerikern die Leviten.
Hervorragende darstellerische Leistungen machen den Film zu einem Ereignis. Neben Barbara Sukowa als Hildegard spielt Alexander Held als strenger Klostervorsteher den bösen und Heino Ferch als Mönchskollegen, der sie in ihren Visionen bestärkt, den guten männlichen Charakter. Hannah Herzsprung verkörpert als zweite große Frauenrolle die junge Novizin Richardis von Stade als engste Freundin Hildegards.
Für ein religiöses Epos hat der Film erstaunlich viel Lob und Auszeichnungen erhalten und über eine halbe Million Zuschauer in die Kinos gelockt. Dazu haben besonders die authentischen Szenen, die hervorragenden Schauspieler und die emotionale Originalmusik Hildegards beigetragen. Wie ihrer klugen und emotionalen Titelheldin im patriarchalisch geprägten klerikalen Mittelalter ist es Margarethe von Trotta wieder einmal gelungen, sich selbst mit diesem Meisterwerk in ihrer von Männern dominierten Filmwelt durchzusetzen. Auf der DVD sollte man unbedingt auch den Audio-Kommentar der Regisseurin mit der Hauptdarstellerin mithören. Außerdem gibt es Interviews und Aufnahmen der Dreharbeiten, die zu großen Teilen im Weltkulturerbe Kloster Maulbronn stattfanden.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Barbara Sukowa
als Hildegard von BingenHeino Ferch
als Mönch Volmar






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