Wall Street — Geld schläft nicht Kritik & Meinung
Vor über 20 Jahren ließ Oliver Stone mit seinem Börsenthriller „Wall Street“ aufhorchen. Das Motto „Gier ist gut“ brachte dem Beruf des Investmentbankers wohl einigen Zulauf, obwohl der Protagonist am Ende als abschreckendes Beispiel im Gefängnis landete. Das damals noch eher fiktionale Geschäftsgebaren der Finanzhaie ist mittlerweile längst Realität geworden.
So ist es nur folgerichtig, dass derselbe Regisseur jetzt das Sequel „Wall Street – Geld schläft nicht“ bringt, nachdem die Investmentbanker von der Wall Street mit ihrer grenzenlosen Gier und Spekulationswut die größte Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise von 1929 ausgelöst haben. Mittlerweile weiß jeder, dass die im ersten Film vorgeführten Praktiken ähnlich Orwells Zukunftsroman „1984“ längst von der Realität eingeholt wurden. Als wichtiges Bindeglied zwischen den beiden Streifen fungiert der einst skrupellose Spekulant Gordon Gekko (Michael Douglas), der in der ersten Szene im Jahr 2000 nach acht Jahren aus der Haft entlassen wird. Als Symbole seines einstigen Reichtums bekommt er eine goldene Uhr und ein überdimensionales Mobiltelefon ausgehändigt. Das ist alles, was er noch hat, denn sein Sohn ist gestorben und seine Tochter hat den Kontakt zu ihm abgebrochen. Nach einem Zeitsprung von acht Jahren sieht man Gekko vor einer riesigen Hörerschar bei einem Vortrag zu seinem Buch „Ist Gier gut?“. Daneben gibt es eine zweite Handlungsebene mit Gekkos Tochter Winnie (Carey Mulligan), einer Internetjournalistin, und ihrem Freund Jacob „Jake“ Moore (Shia LaBeouf), einem karrierebewussten Investmentbanker.
Die Finanzkrise lässt auch einige Börsenprofis aufgeben. Louis Zabel (Frank Langella), der Ziehvater von Jacob, wirft sich in seiner Verzweiflung vor einen Zug, nachdem er vom selben Schlips-und-Nadelstreifen-Ganoven betrogen wurde wie Gekko im ersten Film. Die Hektik des Geld– und Wertpapiergeschäfts wird in zahlreichen Split-Screen-Sequenzen mit bis zu vier Bildern gleichzeitig eingefangen. Neben und über der Skyline sieht man die Fieberkurven der Börse und über Computerbildschirme laufende endlose Aktienkurstabellen mit ihren Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen. Gekko will seinen potentiellen Schwiegersohn davon abhalten, dieselben Fehler zu machen wie er früher. So erklärt er ihm, dass die Zeit die wertvollste Ware sei und nicht das Geld. Damit zeigt er erstmals eine etwas menschliche Seite, was man von ihm nicht gewohnt war. Seine schwangere Tochter, die ihn verantwortlich für den Tod ihres Bruders macht und lange nichts mehr von ihm wissen wollte, erfährt das erst ganz am Schluss beim Happy End. So gesellen sich zu den Hauptthemen Macht und Geld noch Liebe und Loyalität. Vater, Tochter und Schwiegersohn sind schließlich wie im Märchen im Glück vereint. Gekko freut sich, durch sein Enkelkind noch einmal Vater sein zu dürfen. Die während seiner Haft in der Schweiz deponierten 100 Millionen sollen in einen grünen Fonds investiert und nicht wieder verspielt werden. Wie in einem Naturgesetz werden schließlich die Spekulationsblasen von den Bankern als Teile der Evolution betrachtet. Sie sorgen für Veränderung, indem sie platzen und in anderer Form wiederkommen.
Stone, der in seinen Filmen gerne Intellektualität und Unterhaltung verbindet, wollte mit seinem ersten „Wall Street“-Film vor allem die Gier der Banker und den Turbokapitalismus anprangern. In der Fortsetzung gesellt sich dazu noch die Spekulation, die vor hypothetischen und psychologisch motivierten Annahmen nicht zurückschreckt und sogar aus Verlusten Geld machen will. Die Krise in Griechenland hat gezeigt, dass sogar auf den Niedergang von ganzen Staaten gesetzt wird, wenn sich daraus nur Kapital schlagen lässt. Somit will der Film mit fiktionalen Mitteln auf etwas aufmerksam machen, was in der Wirklichkeit längst angekommen ist. Etwas mehr kritische Schärfe hätte nicht geschadet. Es wäre gut gewesen, wenn der Film die wahren Ursachen der globalen Finanzkrise etwas mehr beleuchtet hätte. Zumindest erfahren so auch diejenigen Zuschauer etwas davon, die den Wirtschaftsteil der Zeitung immer überblättern.
Bild– und Tonqualität der Blu-ray Disc sind hervorragend, die Extras lassen kaum etwas zu wünschen übrig. Neben dem Kommentar des Regisseurs Oliver Stone gibt es eine Dokumentation über Aufstieg und Fall der Wall Street, eine Tour durch die Wall Street, Interviews mit Regisseur und Darstellern sowie gestrichene und erweiterte Szenen. In einer Neuauflage werden die beiden „Wall Street“-Filme mit allen Extras zusammen auf einer Doppel-DVD oder Blu-ray Disc angeboten.
von Johannes Kösegi
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Soundtrack
Schauspieler
Michael Douglas
Shia LaBeouf
Josh Brolin
Carey Mulligan
Frank Langella
Susan Sarandon
Eli Wallach
Vanessa Ferlito
Jason Clarke
Charlie Sheen
























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