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Wer wenn nicht wir Kritik & Meinung

Mit sei­nem beein­dru­cken­den Doku­men­tar­film „Black Box BRD“ hat sich Andreas Veiel mit­tels der ver­glei­chen­den Bio­gra­fien eines Ter­ro­ris­ten und eines mäch­ti­gen Mana­gers als Opfer mit der drit­ten Gene­ra­tion der RAF aus­ein­an­der­ge­setzt. In sei­nem ers­ten Spiel­film „Wer wenn nicht wir“ geht Veiel in der Geschichte um zwan­zig Jahre zurück und erzählt am Bei­spiel dreier mar­kan­ter Per­so­nen die Vor­ge­schichte, die zum RAF-Terrorismus führte. Eine Lie­bes­ge­schichte zwi­schen einer Frau und zwei Män­nern endet schließ­lich im Selbst­mord aller Protagonisten.

Der Film, ein ergän­zen­des Pre­quel zum „Baa­der Mein­hof Kom­plex“ von Uli Edel, lief auf der 61. Ber­li­nale als Wett­be­werbs­film, erhielt meh­rere Aus­zeich­nun­gen und von der Film­be­wer­tungs­stelle das Prä­di­kat „Beson­ders wert­voll“. Uni­ver­sum Film bringt ihn jetzt mit exklu­si­vem Bonus­ma­te­rial auf DVD und Blu-ray Disc heraus.

Als Vor­lage diente Veiel neben eige­nen Recher­chen das Sach­buch „Ves­per, Ens­s­lin, Baa­der — Ursze­nen des deut­schen Ter­ro­ris­mus“ von Gerd Koe­nen. Anfang der 1960er Jahre, 15 Jahre nach dem kata­stro­pha­len Krieg, herrscht in Deutsch­land eine Ruhe vor dem Sturm. Die erste Nach­kriegs­ge­ne­ra­tion ist in Auf­bruch­stim­mung. Bern­ward Ves­per (August Diehl), Sohn des NS-Schriftstellers Will Ves­per, kommt zum Stu­dium nach Tübin­gen, wo er Vor­le­sun­gen des Rhetorik-Professors Wal­ter Jens hört. Auch Bern­ward fühlt sich beru­fen, Schrift­stel­ler zu wer­den. Er ver­tei­digt sei­nen Vater, der seine Hitler-Verehrung 1942 in dem Gedicht „Dem Füh­rer“ aus­drückte. Aus der Bekannt­schaft mit der schwä­bi­schen Pfar­rers­toch­ter Gudrun Ens­s­lin (Lena Lau­zemis) wird bald eine außer­ge­wöhn­li­che Lie­bes­ge­schichte. Die bei­den füh­len sich see­len­ver­wandt und füh­ren viele poli­ti­sche und phi­lo­so­phi­sche Dis­kus­sio­nen. Sie wol­len gemein­sam die Welt ver­bes­sern und grün­den einen Ver­lag, der linke Schrif­ten aber auch völ­ki­sche Werke von Ves­pers Vater her­aus­bringt. Nach ihrer Hei­rat gehen sie 1964 nach West-Berlin, wo Gudrun ihre Dok­tor­ar­beit schrei­ben möchte. Bald gera­ten sie in die stu­den­ti­sche Pro­test­be­we­gung der lin­ken APO-Kreise. Sie füh­len sich als Teil eines welt­wei­ten Auf­bruchs der Befrei­ungs­be­we­gun­gen in der Drit­ten Welt oder der Black Pan­ther in den USA. Doch zwi­schen Gudrun und Bern­ward kommt es öfters zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten. Er nimmt Dro­gen und will wei­ter poli­ti­sche Bücher schrei­ben, sie will jedoch han­deln statt nur zu reden.

Nach der Geburt ihres gemein­sa­men Soh­nes Felix schei­nen beide noch ein­mal zuein­an­der zu fin­den. Doch dann taucht mit Andreas Baa­der (Alex­an­der Fehling) ein ande­rer Mann auf, kon­se­quen­ter, radi­ka­ler und bedin­gungs­lo­ser als Bern­ward. Für ihn ist in die­ser Kon­stel­la­tion bald kein Platz mehr. Gudrun Ens­s­lin lässt sich von dem cha­ris­ma­ti­schen und für sie ero­tisch anzie­hen­den Baa­der auf das Gleis der Gewalt füh­ren und lässt dafür sogar ihr Kind im Stich. Wäh­rend Ves­per den Roman „Die Reise“ schreibt, immer mehr den Dro­gen ver­fällt, in der Psych­ia­trie lan­det und 1971 frei­wil­lig aus dem Leben schei­det, gera­ten Ens­s­lin und Baa­der in den bewaff­ne­ten Unter­grund. Nach zahl­rei­chen Anschlä­gen wer­den sie 1972 fest­ge­nom­men und wegen mehr­fa­chen Mor­des zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt. 1977 neh­men sie sich im Gefäng­nis Stuttgart-Stammheim das Leben. Felix Ens­s­lin wächst in einer Pfleg­fa­mi­lie auf der Schwä­bi­schen Alb auf.

Wer wenn nicht wir“ ist kam­mer­spiel­ar­tig ange­legt und kommt im Gegen­satz zum „Baa­der Mein­hof Kom­plex“ fast ganz ohne Gewalt– und Action­sze­nen aus. Zu sehen sind her­vor­ra­gende junge Dar­stel­ler, die mit gro­ßen Dia­lo­gen wie im Thea­ter die Dra­ma­tur­gie von Liebe, Hass und Selbst­zer­stö­rung bestim­men. So sieht man, wie sich die jugend­li­che Pro­test­be­we­gung im Deut­schen Herbst all­mäh­lich aus stu­den­ti­schen Dis­kus­si­ons­fo­ren ent­wi­ckelt hat. Nur wenige führ­ten den bewaff­ne­ten Kampf gegen den Staat, wur­den aber durch spek­ta­ku­läre Ver­bre­chen bekann­ter als die große Mehr­heit, die Gewalt ablehnte. Der erfah­rene Doku­men­tar­fil­mer Veiel streut immer wie­der doku­men­ta­ri­sches Archiv­ma­te­rial von Ereig­nis­sen ein, die damals die Welt beweg­ten: Eichmann-Prozess, Kuba-Krise, Napalm-Angriffe der USA auf Viet­nam, der Ex-Nazi Kie­sin­ger wird Bun­des­kanz­ler, Schah-Besuch in Ber­lin, Atten­tat auf Rudi Dutschke und die Brand­an­schläge auf ein Frank­fur­ter Kauf­haus. „Wer wenn nicht wir“ wird so zu einem sen­si­blen „Ves­per Ens­s­lin Kom­plex“, der mehr psy­cho­lo­gisch als poli­tisch wirkt, indem er Pri­va­tes und Sozia­les ver­knüpft. Auch die Neben­rol­len sind glän­zend besetzt mit Tho­mas Thieme als Vater Will Ves­per, Imo­gen Kogge als Mut­ter Rose Ves­per, Michael Wit­ten­born als Vater Hel­mut Ens­s­lin, Susanne Lothar als Mut­ter Ilse Ens­s­lin und Sebas­tian Blom­berg als Schrift­stel­ler Klaus Roeh­ler, der Gudrun Ens­s­lin bei ihrer Dok­tor­ar­beit unterstützt.

Das Bonus­ma­te­rial bie­tet neben Audio­kom­men­tar des Regis­seurs, Making-of und Inter­views die bis­her unver­öf­fent­lichte 60-minütige NDR-Dokumentation „Andreas Baa­der — Das Leben eines Staats­fein­des“ aus dem Jahr 2010 von Klaus Stern. In Inter­views mit Zeit­zeu­gen und Weg­ge­fähr­ten sowie Archiv­ma­te­rial wird Baa­ders Wer­de­gang vom schüch­ter­nen Außen­sei­ter zu Deutsch­lands meist­ge­such­tem Ter­ro­ris­ten ver­mit­telt. Seine ehe­ma­lige Freun­din liest aus Brie­fen vor, BKA-Ermittler erwäh­nen seine hohe kri­mi­nelle Ener­gie und der vor­sit­zende Rich­ter im Stamm­hei­mer Pro­zess Theo­dor Prin­zing meint, dass Baa­der eine Gene­ra­tion frü­her mit sei­ner kon­se­quen­ten Hal­tung ein guter Wehr­machts­sol­dat gewor­den wäre. Unbe­strit­ten ist, dass er unter den RAF-Terroristen eine unein­ge­schränkte Füh­rer­fi­gur war, der sich alle unter­ord­ne­ten. Durch den Pro­pa­gan­da­krieg aus den Zel­len des Hoch­si­cher­heits­trak­tes in Stuttgart-Stammheim und den Hun­ger­streik wegen der unmensch­li­chen Iso­la­ti­ons­haft, bestä­tigt von pro­mi­nen­ten Besu­chern wie Jean-Paul Sartre, gewann die RAF viele neue Sym­pa­thi­san­ten für eine zweite und dritte Gene­ra­tion. Nach den Selbst­mor­den der ers­ten vier gro­ßen RAF-Terroristen sehen viele im Mythos Baa­der die Ver­kör­pe­rung eines radi­kal ande­ren Lebens.

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Eure Meinungen & Kommentare

  • kikomeqaf
    Immer wieder erstaunlich, wie sehr Ereignisse wie diese in den 60ern mit denen im heutigen "demokratischen" Deutschland konform gehen. Wie lange dauert es wohl noch, bevor man hier in Menschengruppen schiesst und unschuldige Leute umbringt?? Das Perfide an der Sache ist ja auch, das solche Aktionen am liebsten ja unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden sollten, damit niemand mitbekommt was hier so abgeht. Zum Glück gibt es das Internet und somit wird totschweigen immer schwieriger.

  • 23 Danny Fresh
    Ich fand die Besetzung von "Baarder Mainhof Komplex" besser.....

  • Nekro4 E V E R
    Ihr könnt euch ja jetzt drum hauen was früher mal war oder mit was der Film finanziert wurde. Tatsache ist, dass der Film ne Geschichte erzählt, die wir nie vergessen sollten. Die RAF ist genauso Deutschlands Vergangenheit, wie mal die Inflantion, also meine güte man kann sich auch über zeug künstlich aufregen.

  • Cansa62
    die frau sieht aus wien mann

  • Miss Heyken
    Kann diese kindische Aufregung nicht verstehen. Oder hat sich irgendjemand bei "Der Untergang" beschwert, dass man ja fast schon Mitleid mit Hitler haben konnte, anstatt ihn - gerechterweise - zu hassen? Freue mich auf den Film und bin gespannt.

  • bowman2062
    Oh die Ärmsten. Sicher hatten sie ein böses Elternhaus mit schlimmer Kindheit. Sind deshalb unfreiwllig abgeglitten. Wurden qquasi zwangsradikalisiert. Mit anderen Worten: Sie wuchsen in bürgerlicher Sicherheit und Rundumversorgung auf und begannen dann satt und gelangweiilt auf heimtückische Weise zu rauben, erpressen und mit Vorsatz zu morden. By the way: Der Film wurden mit Mitteln der Hessischen Rundfunk-Filmförderung (HFF-hr) gedreht.

  • vipmagazin
    @bowman2062: 1. Der Film wurde nicht maßgeblich aus Steuergeldern finanziert. 2. Der Film feiert nicht die Generation 68, denn er spielt Anfang der 60er Jahre. 3. Der Film "glorifiziert" nicht die RAF und es ist auch kein Propaganda-Film; es ist vielmehr ein Psychogramm, das aufzeigen will, wie einige der späteren RAF-Terroristen von dem primären Ziel, für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten, abgegelitten sind und sich mehr und mehr radikalisiert haben.

  • caytman
    sry ich versteh kein wort :S.

  • bowman2062
    Also wieder einmal so ein von Steuergeldern bezahltes propaganda-Filmchen das die RAF-Mörder verglorifiziert. Generation 68 feiert sich sich und ihren Stumpfsinn selbst. Darauf 2 Zitate Max Liebermann : „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte Ignazio Silone: Der Faschismus von heute sagt nicht ich bin der Faschismus. Er sagt ich bin der Antifaschismus

  • anime8manga1
    das bin ich nämlich der 11 oder so xP

  • Somekid2010
    nein bist du nicht

Wie findest Du den Film "Wer wenn nicht wir"? Wir freuen uns auf Deine Meinung!

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